Kardinal Marx: Christen sollen ohne Angst in die Zukunft blicken

"Das ganze Volk Gottes trägt Verantwortung"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die Christen aufgefordert, ohne Angst und Misstrauen in die Zukunft zu blicken. Es gelte, immer neu die Zeichen der Zeit zu verstehen.

Kardinal Marx predigt in Fulda / © Frank Rumpenhorst (dpa)
Kardinal Marx predigt in Fulda / © Frank Rumpenhorst ( dpa )

Dabei sei die besondere Verantwortung der Bischöfe eingebettet in die aller Christen, sagte Marx am Dienstag in einem Gottesdienst zur Eröffnung der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda. In der Messfeier würdigte Marx Papst Paul VI. (1897-1978) als "große Gestalt der jüngeren Kirchengeschichte". Paul VI. habe die Schlussphase des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und die Zeit danach entscheidend geprägt. Er sei "der erste moderne Papst" gewesen. Er habe die Tiara, die Papstkrone, abgelegt und die katholische Kirche mit der orthodoxen Kirche ausgesöhnt. Der 26. September ist der Geburtstag von Paul VI. und das Datum, an dem sich die Kirche seines Wirkens erinnert. Diese Kirche sei immer wieder aufgerufen, sich zu erneuern und in der gegenwärtigen Zeit unter die Menschen zu gehen. "Kirche ist kein Anachronismus, sie lebt inmitten der Welt und muss in der Welt Zeugnis geben vom Reich Gottes."

 Zeit der Unruhe und des Umbruchs

Die Konzilszeit, so Kardinal Marx, sei eine Zeit der Unruhe und des Umbruchs gewesen. Viele hätten gefragt, wie es mit der Kirche weitergehe, was aus der Vergangenheit in die Zukunft transportiert werde. Papst Paul VI. habe in überzeugender Weise geholfen, dass diese unruhige Epoche zu einer Zeit der Rezeption des Konzils geworden sei, die bis heute nicht beendet ist. "Für ihn war klar, dass die Kirche mitten in der Welt die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums leben und deuten muss", so Kardinal Marx. Die Kirche sei nicht nur eine lehrende Kirche, sondern auch eine lernende.

"Die Kirche weiß nicht alles, sondern sie ist das wandernde Volk Gottes auf dem Weg, das die Lehre und die große Botschaft des Evangeliums empfangen hat. Das verdeutlichen auch die Konzilstexte, die diesen neuen Schritt der Kirche bestätigen: lehren und lernen und zwar nicht neben den Kulturen und Menschen, sondern mitten unter den Menschen. Das ist Evangelisierung, das ist der wirkliche Wesenskern der Kirche", sagte Kardinal Marx.

Kirche soll Zeichen setzen

Es gehe damals wie heute darum, dass die Kirche nicht nur Texte fabriziere, sondern auch Zeichen setze. So habe es mit dem Konzil eine theologische Durchdringung gerade durch Gebet und Liturgie mit dem ganzen Volk Gottes gegeben. "Das andere ist die Erfahrung sichtbarer Zeichen: Es war Paul VI. der die Tiara als Ausdruck weltlicher Macht ablegte. Es war der Papst, der die Exkommunikation gegen die Orthodoxie aufhob." Gerade bei Paul VI. habe man eine hohe Sensibilität für solche Zeichen in der Öffentlichkeit gespürt. "Theologie ist Leben, Gebet, Feier, das Setzen von Zeichen und das Reflektieren des Lebensweges der Kirche und der Menschen. Das ist ganzheitliche Theologie, die uns heute prägen muss – ein Lernen in der Kirche, um die Lehre neu erwachsen zu lassen. Dieser Weg ist nicht zu Ende, sondern geht in unserer Gegenwart weiter", so Kardinal Marx.

Wacher Blick, statt sorgenvoll

In der Predigt erinnerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass manche Gläubigen mit Sorge in die Zukunft der Kirche schauten. Kardinal Marx ermutigte für einen wachen Blick nach vorn: "Der große Impuls, Vertrauen und Wagnis in die Zukunft, ist etwas, was wir heute in dieser Zeitstunde der Kirche mitnehmen müssen. In der Heiligen Schrift heißt es ‚Christus ist unter Euch‘. Das bedeutet für uns: Christus ist die Hoffnung der Herrlichkeit, er ist das Fundament des Glaubens. Da brauchen wir keine Haltung der Angst oder des Misstrauens auf die Zukunft. Im Gegenteil: Das Volk Gottes geht mit Bischöfen und Priestern zusammen in diesem Grundvertrauen – ohne Angst!" Deshalb sei es wichtig, dass "wir Christen immer neu versuchen, die Zeichen der Zeit zu lesen in großer Hoffnung und Zuversicht im Lichte des Evangeliums".

Dazu zähle auch die Übernahme von Verantwortung, so Kardinal Marx: "Das ganze Volk Gottes trägt Verantwortung, nicht nur wir Bischöfe. Verantwortung ist eingebettet in den ganzen Weg des Volkes Gottes." Der hl. Augustins habe gesagt: "Wer liebt, bricht auf." Das bedeute "einen Aufbruch ohne Angst und in der Grundüberzeugung, dass Christus allmächtig ist. Das gilt auch für unsere Überlegungen in der Kirche. Wenn wir im Geist der Liebe unseren Dienst tun, dann können wir aufbrechen und neue Wege mutig und zuversichtlich gehen, wie es damals Papst Paul VI. gemacht hat. Wir gehen diesen Weg im Vertrauen auf Christus, der bei uns ist", so Kardinal Marx.


Quelle:
KNA , DBK