Vorfall am Flughafen Paris-Orly

Mann niedergeschossen

Aufregung am Pariser Flughafen Orly: Ein Mann versucht einem Soldaten die Waffe zu entreißen und wird erschossen. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Mann am Flughafen Paris-Orly niedergeschossen  / © Thibault Camus (dpa)
Mann am Flughafen Paris-Orly niedergeschossen / © Thibault Camus ( dpa )

Nach einem Angriff auf eine Soldatin ist am Pariser Flughafen Orly ein Mann erschossen worden. Innenminister Bruno Le Roux sagte am Samstag, der Angreifer habe es nicht geschafft, der Frau das Gewehr zu entreißen. Polizei und Nachrichtendienste hätten den Mann gekannt. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Der Vater und der Bruder des erschossenen Angreifers vom Pariser Flughafen Orly wurden festgenommen. Sie seien in Gewahrsam, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise.

Der Angreifer habe kurz vor dem Vorfall am Flughafen im Pariser Vorort Vitry-sur-Seine ein Fahrzeug in seine Gewalt gebracht und in einer Bar die Anwesenden bedroht. Zuvor habe er bei einer Identitätskontrolle in Garges-lès-Gonesse das Feuer auf einen Polizisten eröffnet. Dieser sei verletzt worden und werde im Krankenhaus behandelt, sagte Le Roux. Die Verletzungen seien aber anscheinend nicht sehr schwer.

Luftverkehr gestoppt

Der Luftverkehr an dem Airport wurde komplett gestoppt. Der Verkehr sei an beiden Terminals eingestellt, teilte der Flughafenbetreiber mit. Er rief Passagiere auf, nicht zum Flughafen zu kommen. Eine Sprecherin sagte, das Gebäude werde evakuiert. Rund um den Flughafen staute sich laut Augenzeugenberichten der Verkehr. Auf Fernsehbildern waren zahlreiche Passagiere zu sehen, die mit schwerem Gepäck zu Fuß den Bereich um den Flughafen verließen.

Die Flugaufsicht teilte mit, dass manche ankommende Flüge zum Flughafen Charles de Gaulle umgeleitet würden. Orly liegt südlich von Paris und ist der zweite große Airport der französischen Hauptstadt nach Charles-de-Gaulle.

Motiv noch unklar

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian berichtete, der Angreifer habe die Soldatin zu Boden geworfen und versucht, ihre Waffe zu entwenden. Die Frau sei Reservistin und als Teil einer Patrouille von drei Soldaten am Flughafen unterwegs gewesen. Sie habe ihre Waffe festgehalten. "Aber ihre zwei Kameraden haben es für nötig gehalten - und sie hatten Recht - das Feuer zu eröffnen, um sie zu beschützen, und vor allem, um alle Leute drumherum zu beschützen", sagte Le Drian. Er lobte die "Professionalität" und "Selbstbeherrschung" der Militärs.

Über das Motiv des Angreifers wurde zunächst nichts bekannt. Französische Medien berichteten übereinstimmend, dass es sich um einen 39 Jahre alten Franzosen handeln soll, der wegen Kleinkriminalität bekannt war. Die Behörden sollen ihn im Verdacht gehabt haben, sich radikalisiert zu haben. Bei ihm habe es deshalb im November 2015 eine Hausdurchsuchung gegeben, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Polizeiquelle. Die Durchsuchung habe aber nichts ergeben. Nähere Details wurden zunächst nicht bekannt. Nach Informationen der Zeitung "Le Figaro" wurde er nicht in die Datenbank möglicher Gefährder aufgenommen.

Ausnahmezustand in Frankreich

Frankreich war in den vergangenen Jahren Schauplatz einer beispiellosen Terrorserie, die mehr als 230 Tote forderte. Erst vor einigen Wochen war nahe dem Pariser Louvre-Museum ein Mann niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

Seit der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 gilt in Frankreich der Ausnahmezustand. Damals hatten Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat bei Anschlägen 130 Menschen ermordet. Der Ausnahmezustand war mehrfach verlängert worden und ist aktuell bis zum 15. Juli in Kraft.

Justizminister Jean-Jacques Urvoas sagte am vergangenen Mittwoch, inzwischen seien "Bedingungen geschaffen, die es möglich machen, den Ausnahmezustand zu verlassen - ohne uns selbst zu schwächen oder hilflos im Angesicht des Terrorismus zu machen". Präsident François Hollande machte allerdings deutlich, dass die Entscheidung beim künftigen Präsidenten und dem neuen Parlament liege, die demnächst neu gewählt werden.


Quelle:
dpa