Terrorgruppe IS bedroht auch Autonome Region Kurdistan im Nord-Irak

"Alle Menschen müssen sich zusammentun"

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" rückt weiter in den Norden des Iraks vor. Die USA greifen jetzt aus der Luft an - IS versteht wohl keine andere Sprache, vermutet Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker im domradio.de-Interview.

Kurdische Soldaten im Irak / ©  Str (dpa)
Kurdische Soldaten im Irak / © Str ( dpa )

Dr. Kamal Sido ist Nahostreferenten der Gesellschaft für bedrohte Völker.

domradio.de: Schildern Sie uns doch zunächst die Lage im Norden im Irak, wie sicher oder unsicher ist es dort für die Kurden im Moment?

Sido: Ich kann gar nicht von einer Sicherheit sprechen. Vor einer Woche, vor zwei Wochen hätte ich noch von einer Sicherheit gesprochen. Diese Terrorgruppe, die Barbaren des 21. Jahrhunderts, sind unterwegs, unterstützt von verschiedenen Akteuren, regional und international. Das Ziel: Alle Ethnien, alle Religionen, die nicht Araber sind, die nicht Sunniten sind, zu vertreiben. Am vergangenen Sonntag haben sie im Sinndscha-Gebirge mit den kurdischen Jesiden begonnen. Tausende von Frauen, von Kindern, befinden sich in den Bergen, sie haben kein Trinkwasser, keine Lebensmittel. Sie sind auf der Flucht vor den Islamisten und sind akut vom Tod bedroht, weil sie kein Trinkwasser haben. Das Gleiche gilt für verschiedene andere kurdische Minderheiten. Alle diese Menschen sind auf der Flucht und haben Angst vor dieser Gruppe "Islamischer Staat", weil diese Gruppe eine gnadenlose islamistische Truppe ist, die seit zwei Jahren auch in Syrien mordet.

domradio.de: Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert die Unabhängigkeit der Region Kurdistan. Warum?

Sido: Wir sind der Meinung, dass es eine neue Situation gibt. Nur ein unabhängiges, ein demokratisches Kurdistan, das von der internationalen Gemeinschaft unterstützt wird, die Sicherheit der Kurden, aller dieser Minderheit, gewährleisten kann.

domradio.de: Das Pentagon hat gemeldet, dass die US-Luftwaffe jetzt schon Stellungen der IS-Terroristen im Irak angegriffen hat. Was halten Sie davon?

Sido: Ich bin Menschenrechtler, ich bin gegen Krieg und gegen Gewalt. Aber die Menschen, die Zivilbevölkerung, muss auch geschützt werden. Und diese Truppe versteht wahrscheinlich keine andere Sprache. Alle Menschen müssen sich zusammentun, die für Freiheit stehen. Alle Staaten müssen diese Gruppe sowohl im Irak als auch in Syrien bekämpfen.

domradio.de: Morgen (09.08.) gibt es eine Kundgebung auf der Domplatte. Werfen wir einen Blick zurück: In Herford kam es am Mittwoch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, weil auf einem Plakat zu Protesten gegen das Vorgehen der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Irak und Syrien aufgerufen wurde. Das Thema ist aufgeheizt. Kann gewährleistet werden, dass morgen alles friedlich bleibt?

Sido: Ich bin mir sicher, dass morgen alles friedlich bleibt. Von Kurden und Jesiden wird keine Gewalt ausgehen. Da bin ich mir sicher. Wir warnen aber die deutschen Behörden: Sie müssen wachsamer werden, und die islamistische Szene genau beobachten. Wir wissen, dass viele deutsche Staatsbürger bereits in Syrien auf der Seite der Islamisten kämpfen. Sie haben auch ihre Sympathisanten hier. Aber ich gehe von einem friedlichen Ablauf der Kundgebung aus.

 

(Das Interview führte Veronika Seidel.)