50 Jahre gesetzliche Gleichberechtigung von Mann und Frau - kfd-Vorsitzende im domradio

"Es gibt noch Einiges zu tun"

Vor 50 Jahren trat das Gesetz in Kraft, das Frauen die Gleichstellung in Deutschland garantieren sollte. Aber wie weit ist das wirklich gelungen? Eine aktuelle Standortbeschreibung mit der Vorsitzenden der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands Maria-Theresia Opladen.

 (DR)

domradio: Es ist wirklich unglaublich, dass Ehemänner damals sogar ihren Frauen den Job kündigen konnten. Wie ist es zu erklären, dass Frauen so wenig Rechte hatten?


Maria-Theresia Opladen: Dieses Familienbild entsprach der Entstehung des Bürgerlichen Gesetzbuches von 1900. Damals herrschte die Vorstellung vor, dass der Vater der Ernährer und die Mutter die Erzieherin ist. Der Mann hatte allerdings nicht nur in Vermögensfragen die alleinige Entscheidung, sondern er entschied auch über alle Fragen, die die Erziehung der Kinder betrafen. Und so hatte der Mann letztlich die Entscheidungsgewalt

domradio: Am 01.07.1958 wurde mit dem Gesetz zur Gleichberechtigung einiges anders. Welche Rechte haben Frauen ganz konkret erhalten?

Maria-Theresia Opladen: Die eingeschränkte Erwerbstätigkeit der Frauen wurde abgeschafft, so dass sie selber erwerbstätig sein konnten. Dann wurde das Namensrecht geändert. Bisher mussten Frauen bei der Heirat den Familiennamen des Mannes annehmen. Das wurde allerdings später nur liberalisiert und sehr viel später dahingehend geändert, dass jeder Partner seinen eigenen Namen behalten kann.

domradio: Was ist vor dem Gesetz noch zu tun um Frauen gleichzustellen?

Maria-Theresia Opladen: Ich glaube, dass juristisch nicht mehr viel zu tun ist. In der Rechtslage ist eigentlich alles geregelt. Gesellschaftlich und politisch sind aber noch einige Dinge zu tun. Frauen haben immer noch keine wirkliche Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf. Die Existenzsicherung bei Berufsunterbrechungen für die Familie zum Beispiel ist immer noch nicht geregelt und stellt so eventuell später ein Problem dar.

domradio: Wie kann man die Akzeptanz für das Gleichberechtigungsbemühen steigern?

Maria-Theresia Opladen: Junge Frauen kämpfen deshalb nicht für mehr Gleichberechtigung, da sie bisher noch keine Probleme damit haben. Diese treten erst ein, wenn sie Kinder bekommen haben. Ziel ist es, dass Frauen einfacher Familie und Beruf zusammenbringen können.

domradio: Was muss geschehen?

Maria-Theresia Opladen: Es ist klar, dass wenn an den Schnittstellen der Entscheidungen überwiegend Männer sitzen, sich so schnell nichts ändern wird. Es müssen mehr Frauen in Entscheidungspositionen sitzen.