Kirchenführer aus Simbabwe richten Hilfeschrei an die Weltgemeinschaft

"Werden bald Zeugen eines Völkermordes"

Mit einem dramatischen Appell bitten Kirchenführer aus Simbabwe die internationale Gemeinschaft um Hilfe. "Wir warnen die
Welt: Wenn nichts getan wird, das Volk von Simbabwe aus seiner Zwickmühle zu befreien, werden wir bald Zeugen eines weiteren Völkermordes wie in Kenia, Ruanda, Burundi und anderen Krisenherden Afrikas werden." - Hören Sie eine Einschätzung des Journalisten und Afrika-Kenners Hein Möllers.

 (DR)

Unschuldige Zivilisten seien brutaler Willkür von Regierungsmilizen unterworfen, das wirtschaftliche Leben des Landes stehe total still, heißt es in dem Aufruf, den der Pressedienst CISA am Dienstag in Nairobi verbreitete. Der Hilferuf ist unterzeichnet von katholischen und protestantischen Kirchenvertretern und richtet sich an die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und die Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC). Darin heißt es: "Menschen werden entführt, gefoltert und erniedrigt ... und in manchen Fällen sogar ermordet." Viele würden gezwungen, an Massenveranstaltungen teilzunehmen, in denen sie sich selbst bezichtigen müssten, für die falsche Partei gestimmt zu haben.

Zugleich sei die humanitäre Lage "unter das Maß des Erträglichen" gesunken, so die Kirchenführer. Grundnahrungsmittel seien unerschwinglich, der Hunger breite sich beängstigend aus; der Verlust an Menschenleben sei erschreckend. Opfer systematischer Folter fänden selbst in den Krankenhäusern keine Hilfe mehr, da es auch die wichtigsten Medikamente nicht mehr gebe.

Auch im politischen Bereich hat die von der Regierung verschleppte Verkündung des Wahlausgangs nach den Worten der Kirchenvertreter Frustration und Depression ausgelöst: "Die Nation ist in der Krise und wartet." Ihre Mitbürger rufen die christlichen Führer auf, friedlich zu bleiben und die persönliche Würde zu bewahren. Die anglikanische Kirche in Simbabwe rief unterdessen die Christen weltweit für den kommenden Sonntag zu einem Gebetstag für ihr Land auf.

Verkündung des Wahlausgangs verschleppt
Der 84-jährige Staatschef Robert Mugabe regiert Simbabwe seit 1980 autokratisch. Er wird für den wirtschaftlichen Niedergang des einst blühenden Landes und für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Die Inflationsrate lag zuletzt bei rund 150.000 Prozent.

Die staatliche Wahlbehörde verschleppt seit Ende März die Verkündung der Wahlergebnisse. Die Opposition um Herausforderer Morgan Tsvangirai reklamiert den Sieg über Mugabes Regierungspartei ZANU-PF. Vor einem möglichen zweiten Wahlgang ist das Regime nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen zu seiner Politik der Einschüchterung zurückgekehrt.