Natanel Teitelbaum verlässt überraschend Europas älteste jüdische Gemeinschaft

Köln verliert Rabbiner

Die Kölner Synagogengemeinde muss sich einen neuen Rabbiner suchen. Der bisherige Amtsinhaber Natanel Teitelbaum hat die jüdische Gemeinde überraschend verlassen, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Teitelbaum ist offenbar bereits nach Israel zurückgekehrt.

 (DR)

"Wir haben das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst", zitierte die Zeitung Abraham Lehrer vom Gemeindevorstand. Der Rabbiner sei aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen gegangen.

Teitelbaum, der bundesweit durch den Synagogen-Besuch von Papst Benedikt XVI. während des Weltjugendtages 2005 bekannt geworden war, habe seit längerem geplant, mit seiner Familie nach Israel zurückzukehren, hieß es. Er habe die jüdische Erziehung seiner beiden Kinder gefährdet gesehen, weil es in Köln kein jüdisches Gymnasium gebe. Allerdings sei Teitelbaums kurzfristiger Weggang überraschend gekommen.

Älteste jüdische Gemeinschaft in Europa
"Wir sind traurig, einen so profilierten Rabbiner zu verlieren", gab Lehrer sein Bedauern zum Ausdruck. Teitelbaum, der acht Jahre lang Rabbiner der Synagogengemeinde Kölns war, habe in der Gemeinde viel bewirkt. Für das jüdische Passah-Fest im April soll den Angaben nach vorübergehend David Bollag amtieren. Der aus der Schweiz stammende Rabbiner war Teitelbaums Vorgänger.

Die jüdische Gemeinde Köln ist die älteste jüdische Gemeinschaft in Europa nördlich der Alpen und kann auf eine bis ins vierte Jahrhundert nach Christus zurückreichende Geschichte blicken. Zu Beginn des Jahres 1933 zählte die Kölner Gemeinde, deren Grenzen über das Stadtgebiet hinausreichten, noch über 18.000 Mitglieder. Während der folgenden Jahre des NS-Regimes wurden etwa 11.000 Kölner Juden ermordet. Heute zählt die Gemeinde mit rund 5.000 Mitgliedern zu den größten Deutschlands. Vor allem der Zuzug aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion sorgte für Zuwachs.