Palästinenser lassen Rückkehr-Frist der Ägypter verstreichen

Bruderkrieg an der Grenze

Zehntausende Palästinenser haben die von Ägypten gesetzte Frist zur Rückkehr in den Gazastreifen nicht befolgt. Nach der Sprengung von Grenzanlagen waren die Palästinenser aufgefordert, bis 14.00 Uhr MEZ wieder in den Gazastreifen zurückzukehren. Zuvor hatten mit Gummiknüppeln, Schutzschildern und Hunden ausgerüstete Sondereinheiten die Kontrolle am Grenzübergang Rafah übernommen.

 (DR)

Neuankommenden Palästinensern wurde von Mitternacht an die Einreise nach Ägypten verweigert. Daraufhin versuchten Hamas-Kämpfer am frühen Freitagnachmittag, mit einem Bulldozer einen neuen Durchgang in die Grenzanlage zu reissen. Dutzende Palästinenser drängten daraufhin sofort nach Ägypten. Jugendliche bewarfen die ägyptischen Sicherheitskräfte mit Steinen. Als Reaktion setzten Soldaten Wasserwerfer ein und feuerten Warnschüsse ab.

Die Grenze war seit Mittwoch offen, nachdem Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Organisation 17 Löcher in die Sperranlage gesprengt hatten. Unterdessen hat Ägyptens Präsident Husni Mubarak die beiden verfeindeten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas zu einem Dialog in Ägypten aufgefordert. Die Hamas hatte nach einem Bruderkrieg Mitte Juni die Kontrolle über den Gazastreifen übernommen.

Angesichts der Schliessung der Grenze forderte die Hamas die ägyptische Führung auf, den Nachschub von Lebensmitteln und Medikamenten nach Al-Arisch und Rafah nicht länger zu behindern. Israel setzte die gezielte Tötung von militanten Palästinensern im Gazastreifen fort. Bei zwei israelischen Luftangriffen wurden in der Grenzstadt Rafah fünf Hamas-Kämpfer getötet.

Der UNO-Sicherheitsrat hat seine Beratungen über eine Erklärung zum Ende der Gewalt im Gazastreifen und in Südisrael ein weiteres Mal ohne Ergebnis unterbrochen. Das Gremium sei aber ferneut einberufen worden.