Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem

24.04.2017

Israel erinnert an Holocaust-Opfer Jom haScho’a

Mit einem Gedenkakt in der Holocaust-Erinnerungsstätte Yad Vashem hat die israelische Staats- und Regierungsspitze am Sonntagabend die Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer der Schoah und die Helden des jüdischen Widerstands eröffnet.

Staatspräsident Reuven Rivlin unterstrich die Einzigartigkeit des Holocaust. Die Gaskammern seien "nicht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebaut worden, sondern mit dem einzigen Ziel, das jüdische Volk zu vernichten, und nur das jüdische Volk auszulöschen".

Als Lehre aus dem Holocaust forderte er, dass Israel sich stets selbst verteidigen können müsse. Weiter müsse es Solidarität mit den Juden in der Diaspora wahren. Es dürfe aber auch nicht bei Gräueltaten an der Ferne und erst recht nicht auf der anderen Seite des Zauns schweigen, meinte er offensichtlich mit Blick auf Syrien.

Kritik an den Großmächten

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kritisierte in seiner Rede die damalige Untätigkeit der Großmächte, die vier Millionen Juden hätten retten können. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Staatengemeinschaft bei Völkermorden etwa in Kambodscha, Ruanda, dem Sudan untätig geblieben - und auch in Syrien. Als Lichtblick bezeichnete er die resolute Antwort von Präsident Donald Trump auf das Massaker an Kindern in Idlib.

Heute komme es darauf an, dass Israel sich gegen jede Bedrohung selbst verteidigen müsse und dies auch könne, sagte Netanjahu. "Von einem hilflosen Volk sind wir zu einer starken Nation mit einer der stärksten Armeen geworden". Wir müssen die Lektion lernen, dass der Schwache untergeht und der Starke sich durchsetzt." Die einzige Garantie für die Zukunft sei, dass Israel sich verteidigen könne, gegen jede Gefahr und gegen jeden Feind.

Schweigeminute im ganzen Land

Anschließend entzündeten sechs Überlebende Fackeln in Erinnerung an die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden. Unter ihnen war der aus der Ukraine stammende und später in der Roten Armee tätige Max Privler (86). Er hatte eine Erschießungsaktion überlebt, weil ihn sein Vater unmittelbar vor der Exekution in die Grube stieß und unter sich begrub. Später wirkte er als Jugendlicher an der Befreiung von Krakau und von Auschwitz mit.

Anschließend sprachen Israels Ober-Rabbiner David Lau und Yitzhak Yosef Gebete, darunter das jüdische Totengebet "Kaddish" für die Opfer. Am heutigen Montagmorgen werden Rivlin und Netanjahu an gleicher Stelle Kränze in Erinnerung an die Ermordeten niederlegen.

Gauck zu Gast

Unmittelbar danach sollen im ganzen Land die Sirenen heulen, die Menschen werden ihre Tätigkeit für eine Schweigeminute unterbrechen und der Verkehr soll ruhen.

Die offizielle Abschlusszeremonie des Yom Hashoa findet am Abend in Nord-Galiläa im Ghetto Fighters' House Museum statt. Daran nimmt neben Präsident Rivlin auch der frühere Bundespräsident Joachim Gauck teil.

(KNA)