Mehrere Nattern und ein Heiliger
Mehrere Nattern und ein Heiliger

02.05.2016

Italienisches Bergdorf feiert Heiligen mit Schlangen Natterküsse

Ein archaisches Schlangenritual hat Tausende in das Abruzzen-Dorf Cocullo gelockt. Zum Fest des Einsiedler-Mönchs Dominikus von Sora trugen junge Männer die mit lebenden Schlangen behängte Statue des Heiligen durch den Ort.

Einige Unerschrockene nahmen die Reptilien in die Hand und küssten sie, berichteten italienische Medien. Zu den Teilnehmern der Prozession am Sonntag gehörten auch der Bischof von Sulmona, Angelo Spina, und der Präsident der mittelitalienischen Region der Abruzzen, Luciano D'Alfonso. Er kündigte laut der Lokalausgabe der Zeitung "Il Centro" (Montag) an, die "Festa dei serpari" für einen Eintrag als immaterielles Kulturerbe bei der Unesco vorzuschlagen.

Die Ursprünge des Schlangenfestes von Cocullo liegen im Dunkeln, sie reichen in jedem Fall in vorchristliche Zeit zurück. Der Eremit Dominikus (951-1031), der unweit am Lago di San Domenico lebte und sich einige Jahre in Cocullo aufhielt, wird in den Abruzzen als Schutzheiliger gegen Schlangenbisse und Zahnschmerzen verehrt. Für das Schlangenritual werden inzwischen ausschließlich ungiftige Schlangen verwendet, so die Vierstreifennatter, die Äskulapnatter, die Ringelnatter und die Gelbgrüne Zornnatter. Die Tiere werden einige Tage vor dem Fest gesammelt und anschließend freigelassen.

(KNA)