Nepal
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Provisorisches Zelt in Gorkha
Provisorisches Zelt in Gorkha
Viele Menschen in Nepal leben immer noch in Notunterkünften
Viele Menschen in Nepal wohnen in Notunterkünften

25.04.2016

Ein Luxushotel versorgt obdachlose Bauern Leben auf dem Fußballfeld

Die Erdbeben im April und Mai 2015 haben verheerende Schäden angerichtet. Auch Hunderte Bergbauern wurden obdachlos. Nun leben sie im Camp Hope, eingerichtet vom traditionsreich Hotel "Dwarika's".

Sangita Shrestha Einhaus steigt aus dem Auto und wird von einer Kinderschar umringt. Mehr als 80 Kinder und über 300 Erwachsene leben auf dem Fußballfeld in Nepals Hauptstadt Kathmandu - im Camp Hope, das so viel heißt wie Camp Hoffnung. Vor einem Jahr, am 25. April und erneut am 12. Mai, wurde der Himalaya-Staat von zwei verheerenden Erdbeben verwüstet, knapp 9.000 Menschen starben.

Das Epizentrum des Mai-Bebens lag unter Tatopani, einer Dorfgemeinschaft im Himalaya an der Grenze zu Tibet. Dort war bis dahin das Zuhause der fast 400 Campbewohner. "Die Menschen haben alles verloren, kein einziges Haus blieb unversehrt. Von einem Moment auf den anderen waren sie alle obdachlos", erzählt Sangita Shrestha Einhaus. Einer von ihnen ist Kale Sherpa. Der junge Mann sorgt als Teamleiter dafür, dass der Alltag in dem Lager funktioniert.

Zelte zum Schlafen, Kochen, Lernen und medizinische Behandlungen

Die mit einem Deutschen verheiratete Sangita Shrestha Einhaus ist die Inhaberin der Dwarikas-Gruppe, zu der ein traditionsreiches Luxushotel und ein Ferienresort gehören. Als sie von der Not der Bergbauernfamilien erfahren habe, habe sie nicht lange gezögert, sagt sie. Mit Mitteln der hauseigenen Stiftung entstand in kürzester Zeit Camp Hope. Neben den Schlafzelten gibt es Küchenzelte, ein Schulzelt, ein Zelt für medizinische Behandlungen, eins fürs Büro und ein Zelt mit einem kleinen Altar.

Solarbatterien versorgen einige Computer mit Strom, damit die Kinder möglichst frühzeitig den Umgang mit den Geräten lernen. "Dadurch bekommen sie eine bessere Zukunftsperspektive als ihre Eltern, die oft weder lesen noch schreiben können", erklärt Kale Sherpa mit zurückhaltendem Lächeln und ruhiger Stimme.

Hund, Kuh und eine Solaranlage

Der campeigene kleine Hund tobt mit den Kindern über den Platz in der Mitte der Zelte, nebenan grast eine Kuh. "Da die Familien hier nicht nur ein paar Tage bleiben, war von vornherein klar, dass das Camp mehr als nur eine Notunterkunft sein muss", berichtet die Initiatorin. Sangita Shrestha Einhaus' Mann kommt aus Borken in Nordrhein-Westfalen und pendelt zwischen Deutschland und Nepal.

Remigius Einhaus, der mit Luxusautos handelt, unterstützt seine Frau nach Kräften, auch mit Spendensammlungen in Deutschland. Inzwischen hat das Camp sogar eine kleine Solaranlage, die für warmes Wasser sorgt. In einem Land wie Nepal keine Selbstverständlichkeit. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf und Jahr beträgt gerade einmal 700 US-Dollar. Die Infrastruktur ist miserabel, befestigte Straßen sind selten, Leitungswasser ist nicht trinkbar, Strom gibt es nur wenige Stunden am Tag.

Politik überlässt Bevölkerung sich selbst

Der Wiederaufbau läuft sehr schleppend, die Regierung hat die Erdbebenopfer weitgehend sich selbst überlassen. Es fehlt an Nahrungsmitteln, warmer Kleidung und sicheren Unterkünften. Im Winter erfroren einige Erdbeben-Überlebende. Ohne die Arbeit vieler Hilfsorganisationen und privater Initiativen wäre die Lage noch viel dramatischer.

Die Kinder haben sich leichter als die Erwachsenen an das Leben im Camp gewöhnt. Für sie gibt es regelmäßig Programm. Oft besuchen sie das Hotel Dwarika's und futtern sich gemeinsam mit den Hotelgästen durch das feine Buffet. Kürzlich haben alle zusammen einen Film über die pakistanische Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai angeschaut.

Nicht für die Dauer

Und die Zukunft? Kathmandu ist laut und eng, auf Dauer nicht der richtige Ort für Menschen, die sich nach der Weite und Freiheit der Berge sehnen. Deshalb soll die Dorfgemeinschaft wieder aufgebaut werden. Mit 222 Häusern, Schule, Klinik, Gemeinschafts- und Gebetshaus für die 1.200 Bewohner - Kostenpunkt: gut fünf Millionen US-Dollar.

"Alles autark und nachhaltig versorgt durch Biogas, Solarenergie und Regenwasseraufbereitung", beschreibt Sangita Shrestha Einhaus die hochgesteckten Ziele. Und natürlich möglichst sicher vor Erdbeben und Monsun. Die Vorarbeiten haben schon begonnen, nach dem nächsten Monsun soll der Hausbau starten. Wenn die Schule fertig ist, können die Bewohner in ihre Heimat zurückkehren, zunächst in provisorische Unterkünfte.

Vier Babys kamen im Camp Hope bereits zur Welt. Wenn der Traum Wirklichkeit geworden ist, gehen sie eines Tages in Tatopani zur Schule. In einer der schönsten Landschaften der Welt, mitten im Himalaya.

 

Barbara Underberg
(epd)

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