Vergangenes Jahr im Dom: Maria Schrader und Matthias Brandt
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Dompropst Bachner
Dompropst Bachner

17.03.2016

Dompropst Bachner zur lit.Cologne im Kölner Dom "Keine Angst vor neuen Wegen"

Noch bis Samstag läuft in Köln die lit.Cologne - Europas größtes Lesefest. Die Abschlusslesung findet zum dritten Mal im Kölner Dom statt. Für Dompropst Bachner ein wichtiges Stück des christlichen und interreligiösen Dialogs.

domradio.de: Zum dritten Mal macht der Dom seine Pforten für die Lit.Cologne auf. Aus welchen Gründen unterstützen Sie diese Lit.Cologne-Lesungen im Dom?

Dompropst Gerd Bachner: Zum einen freue ich mich, dass wir diesen Ort stellen dürfen. Das ist wichtig. Die Kirche mit ihrem Glauben lebt nicht nur im Dom, sondern der Glaube will in die Welt hinausgehen. Und dazu gehört der Dialog ganz wesentlich dazu. Von daher freue ich mich, dass wir eine so großartige Veranstaltung und Lesung im Dom haben. Und wenn dann das Thema auch noch die Liebe ist - die Nächsten- und Gottesliebe, der Kern der Botschaft unseres Christentums - dann sind die zentralen Themen angesprochen. 

domradio.de: Das finden offenbar wahnsinnig viele Leute, denn die Abschlussveranstaltung im Dom ist wie immer restlos ausverkauft. Es wird einen Dialog geben zwischen dem Hohelied der Liebe und persischer Liebesyrik. Was ist das wichtige an einem solchen Austausch und Dialog der Religionen untereinander in einem Kirchenraum?

Bachner: Wie sie ganz richtig schon sagen: Es geht zum Einen um das wichtige Thema der Liebe; die Liebe der Menschen untereinander, die Liebe der Menschen zu Gott, die Sehnsucht Gottes nach den Menschen. All das ist der Kern und die Kernbotschaft unseres Glaubens. Und das Zweite ist: Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat die katholische Kirche auch bekundet, dass alles, was in den Religionen wahr und heilig ist, im Grunde auch übernommen werden darf. Papst Benedikt hat immer wieder gesagt: 'Es gibt nur die eine Wahrheit, die wir im Leben ergründen müssen.' Und die geschieht durch den Dialog. Nicht, dadurch, dass ich mich nur ins Kämmerlein setze, sondern, dass ich mit anderen Menschen in Dialog trete. Einerseits mit den Christen untereinander, aber auch in einen christlich-islamischen Dialog. Hier im Dom eben mit der persischen Lyrik und der christlichen Mystik. Und das, was die Mystiker ausdrücken, ist das, was das Konzil mit dem Ausdruck "wahr" und heilig" meint.

domradio.de: Gelesen werden die Texte von Prominenten wie Katharina Thalbach. Was passiert bei solchen Lesungen mit den Zuhörern. Sie haben ja letztes Jahr auch schon die Abschlusslesung mitverfolgt. Wie war da die Atmosphäre, wie haben Sie das erlebt?

Bachner: Man hört eine Stecknadel fallen. Das hängt mit den Texten zusammen, die jeweils ausgesucht werden und auch mit den großartigen Schauspielern, die die Texte hervorragend lesen. Uns erreichen ja tagtäglich Nachrichten von Gewalt, von Terror, von Unrecht und so weiter. Und viele Menschen aller Religionen und guten Willens fragen sich: 'Wie können wir eigentlich Kraft finden? Wo finden wir Quellen der Hoffnung, um mit all den Nachrichten bestehen zu können und uns für den Frieden und die Gerechtigkeit einzusetzen.' Hier ist es eben nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Texte und die Antworten, die diese Texte geben. Das Gebet ist eine Quelle unseres Glaubens, aber auch die Mystik und die Lesung dieser Mystik können uns helfen, diese Brücke zu schlagen; einerseits zu den Grundthemen des Lebens und der Gestaltung der Welt, andererseits aber zugleich auch eine interreligiös verbindene Brücke.

domradio.de: Das sind Themen oder Inhalte, die Sie auch bei der Begrüßung zur Abschlusslesung der lit.Cologne im Dom sagen werden. Können Sie sich vorstellen, den Dom für noch mehr Veranstaltungen ähnlicher Art zu öffnen.

Bachner: Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Die Dinge müssen wachsen. Ich bin offen für solche Wege. Die sind einfach in unserer Zeit notwendig. Und wir müssen keine Angst haben vor solchen Wegen. Manchmal haben wir ja Berührungsängste und verkriechen uns. Aber unser Glaube ist so stark und ich bin zutiefst von diesem Glauben überzeugt. So dass ich zum Einen meine: 'Wir brauchen uns nicht zu verstecken' und zum Anderen: 'Keiner erschließt sich alles.' So können der christliche wie der interreligiöse Dialog uns auch helfen, wenigstens ein Stückchen dazu beizutragen, dass die Welt menschlicher, humaner und friedlicher wird.

Das Interview führte Uta Vorbrodt. 

(DR)

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