03.11.2015

Keine gleichen Bildungschancen in mehr als der Hälfte der Länder Verbesserungsbedarf

In weniger als der Hälfte aller Länder haben Mädchen und Jungen gleichen Zugang zu Bildung. Verbesserungsbedarf sieht die UN-Bildungsorganisation auch für Deutschland. Hier geht es aber um Berufschancen und Gehälter.

Wie aus einem am Dienstag in Bonn veröffentlichten Bericht der Unesco hervorgeht, herrscht in nur 62 von 145 untersuchten Staaten Gleichberechtigung bei der Grundschul- und Sekundarbildung. Das sind 26 Länder mehr als im Jahr 1999.

Mädchen sind dem Bericht zufolge vor allem zu Beginn ihrer Schullaufbahn benachteiligt, erzielen im Schnitt aber bessere Lernerfolge und höhere Bildungsabschlüsse als Jungen.

Zwei Drittel der Länder mit Bildungsgleichheit in Grundschule und Sekundarstufe liegen dem Bericht zufolge in Nordamerika und Westeuropa, zehn in Ostasien, sieben in Lateinamerika und der Karibik und vier in Zentralasien. Zudem erreichten drei arabische Staaten und Indien als einziges Land in Süd- und Westasien das Ziel. In Afrika südlich der Sahara herrscht in keinem einzigen Land gleicher Bildungszugang für Mädchen und Jungen. Die Bildungsgleichheit wird mit dem sogenannten Gender Parity Index gemessen, der die Zahl der Jungen zur Zahl der Mädchen in der jeweiligen Bildungsstufe und zu den Verhältnissen in der Gesamtbevölkerung in Beziehung setzt.

Der Bericht zeigt, dass die Ungleichheit steigt, je höher die Bildungsstufe ist: Demnach haben 70 Prozent der Länder Geschlechterparität in der Vorschule erreicht. 1999 waren es erst 55 Prozent. Gleichheit bei der Grundschulbildung erreichten 66 Prozent der Länder, knapp 50 Prozent in der unteren Sekundarstufe und 29 Prozent in der oberen Sekundarstufe. Bei der Hochschulbildung herrscht in nur vier Prozent der Länder gleicher Zugang für beide Geschlechter.

Mädchen sind den Ergebnissen zufolge eher zu Beginn ihrer Schullaufbahn benachteiligt, während Jungen in der zweiten Hälfte ihrer Bildungsbiografie schlechtere Chancen haben. So besuchten Mädchen im weltweiten Vergleich deutlich seltener die Vorschule bis hin zur unteren Sekundarstufe, heißt es in dem Bericht.

Dagegen seien Jungen und Männer in vielen Ländern in der oberen Sekundarstufe, der beruflichen Bildung und der Hochschulbildung schlechter gestellt. Weltweit sind mehr Frauen als Männer an Hochschulen eingeschrieben - mit Ausnahme von Süd- und Westasien und Afrika südlich der Sahara. Zudem sind die Lernerfolge von Jungen trotz höherer Einschulungszahlen schlechter: In OECD-Staaten schließen dem Unesco-Bericht zufolge 73 Prozent der Mädchen, aber nur 63 Prozent der Jungen die obere Sekundarstufe in der Regelzeit ab.

Verbesserungsbedarf sieht die UN-Bildungsorganisation auch für Deutschland. Zwar sei hier der Zugang zu Schulbildung für Jungen und Mädchen gleich. "Doch obwohl mehr Frauen als Männer eine Hochschulbildung abschließen, hat dies bisher keine Auswirkungen auf ihre Berufschancen oder die Gleichbehandlung beim Gehalt", kritisierte Walter Hirche, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission.

(epd)