Fata Morgana
Fata Morgana

28.03.2015

Weniger Dunkelheit durch Zeitumstellung Lichtverschmutzung so negativ wie der Klimawandel

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war es wieder soweit: Die Uhren wurden eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit schenkt den Menschen eine Stunde mehr Helligkeit, raubt ihnen aber dafür eine Stunde Schlaf. Wissenschaftler sehen das kritisch.

 "Damit läuft die Zeitumstellung unserem biologischen Rhythmus entgegen", sagt der Kölner Astronom Harald Bardenhagen. Das gelte für alle Menschen - ob nachtaktive "Eule" oder früh erwachende "Lerche". Als die Zeitumstellung erstmals während des Ersten Weltkriegs in Deutschland eingeführt wurde, erhoffte man sich davon eine Energieeinsparung. Nach neuesten Studien wurde dieses Ziel nie erreicht - und Experten wie Bardenhagen sehen inzwischen sogar mehr negative als positive Effekte. "Wenn es in der warmen Jahreszeit früher dunkel werden würde, würden die Menschen den Sternenhimmel wieder sehen", sagt der Leiter der Astronomie-Werkstatt im Nationalpark Eifel.

Kein romantisches Argument eines passionierten Himmel-Beobachters, betont Bardenhagen. Die Dunkelheit fehle den Menschen. Seit Jahren beklagen Astronomen, Biologen und Aktivisten zudem den "Verlust der Nacht" - durch Straßenbeleuchtung und Flutlichtanlagen, Leuchtreklame oder angestrahlte Sehenswürdigkeiten. "Dadurch erreicht der Mensch kaum noch ein natürliches Licht-Level", erklärt Bardenhagen - zumal viele Menschen tagsüber auch nur in künstlich beleuchteten Räumen sitzen. Wegen fehlender Dunkelheit beobachtet der Kölner den Himmel aus der Eifel; auch die Vatikanische Sternwarte ist 1935 aus dem hellen römischen Stadtkern nach Castel Gandolfo gezogen.

In Europa die Hälfte der Bevölkerung von konstanter Lichtverschmutzung betroffen

Schätzungen zufolge hellt eine Stadt mit 30.000 Einwohnern den Himmel in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern auf. In Europa ist dadurch die Hälfte der Bevölkerung von konstanter Lichtverschmutzung betroffen, das heißt: der Verschmutzung von natürlichem durch künstliches Licht. Weltweit nimmt die Lichtverschmutzung jedes Jahr um sechs Prozent zu. Die Auswirkungen auf das ökologische System sind fatal: Laternen werden zur Todesfalle für Insekten, Vögel prallen gegen hell erleuchtete Hochhäuser, Meerestiere, Frösche und Fledermäuse verlieren die Orientierung.

Mediziner warnen zudem vor möglichen Folgen für den Menschen. Nur in der Dunkelheit produziert der Körper Melatonin - und wem das Schlafhormon dauerhaft fehlt, für den steigt etwa das Brustkrebs-Risiko. Lichtverschmutzung sei "als Umweltthema ebenso wichtig wie der Klimawandel", schreiben US-Wissenschaftler in einer aktuellen Analyse. Hinzu kommt, dass Naturphänomene wie die Milchstraße oder Sternschnuppen nur eingeschränkt beobachtet werden können, wenn es auf der Erde zu hell ist.

Die Probleme seien schon lange bekannt, doch zu wenig präsent, bemängelt Astronom Bardenhagen. Dabei sei es durchaus möglich, für besseren Schlaf etwa blaue Anteile aus LED-Licht herauszufiltern - sie signalisieren Mensch und Tier, dass es Tag wird. Auch blendende Auto- und Ampelbeleuchtungen seien vermeidbare Gefahren. "Wir gehen nicht nachhaltig mit Licht um", so die Kritik des Forschers.

Bewegungsmelder statt dauerhaft beleuchtete Hauseingänge

Es gibt jedoch Gegentrends. Die Initiative "Dark Sky" setzt sich etwa gegen sogenannte Skybeamer ein. Meist lassen Diskotheken diese Scheinwerfer zu Werbezwecken über den Himmel "tanzen". Mehrere der laserartigen Leuchten wurden in Deutschland bereits verboten. Seit acht Jahren setzt zudem die Earth Hour ein alljährliches Zeichen: Für eine Stunde wird die Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden ausgeschaltet. Allerdings kritisieren Umweltschützer die Aktion, die in diesem Jahr am 28. März stattfindet, als reine Symbolhandlung. Sie fordern stattdessen den Einsatz von Energiesparlampen und Ökostrom.

Auch jeder Einzelne kann etwas gegen Lichtverschmutzung tun. "Dark Sky" rät etwa zu gezielt strahlenden Lampen statt zu Kugelleuchten und zu Bewegungsmeldern statt dauerhaft illuminierten Hauseingängen. Astronom Bardenhagen hat ebenfalls einen Tipp: "Wer sich vom Wert der Dunkelheit überzeugen will, sollte mal wieder den Anblick des Sternenhimmels auf sich wirken lassen."

 

Paula Konersmann
(KNA)

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