kreuz.net: 2012 offline
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04.07.2014

Katholische Kirche befasst sich mit rechtsextremistischen Räumen "Die Gesinnung lebt weiter"

Auch nach der Abschaltung des anonymen christlich-extremistischen Internetportals "kreuz.net" befasst sich die katholischen Kirche weiterhin mit Rechtsextremismus unter den Gläubigen. Auffallend ist, dass der Tonfall erschreckend aggressiver wird.

"kreuz.net ist tot, aber die Gesinnung lebt weiter", sagte der Pressesprecher des Bistums Essen, Ulrich Lota, am Donnerstagabend in Mülheim an der Ruhr. Das Portal, gegen das wegen Volksverhetzung ermittelt wurde, habe "Echoräume" im Internet für viele ähnlich denkende Menschen geschaffen. Sie seien jetzt etwa beim Nachfolger kreuz.net.info oder beim Internetfernsehen gloria.tv zu finden. Lota forderte: "Wir dürfen nicht zuzulassen, dass solche Leute das Bild der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit bestimmen."

Bei einer Abendveranstaltung in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim ging es um die Frage, wie man Extremisten in der katholischen Kirche begegnen könne. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich seit 2009 mehrfach von dem erzkonservativen Hetzportal mit ausländerfeindlichen, rassistischen, rechtslastigen und antisemitischen Inhalten distanziert, das unter dem Namen "katholische nachrichten" erschien.

"Kreuz.net ist nur die Spitze eines Eisbergs", sagte der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer. Auch in Protestbriefen an ihn zu unterschiedlichen Themen erlebe er, dass der Tonfall erschreckend aggressiver werde. Als einen Grund dafür sieht Pfeffer die wachsende Verunsicherung angesichts eines extremen Wandlungsprozesses im Katholizismus.

Vorurteile und Stereotype galore

Die Berliner Antisemitismusforscherin Juliane Wetzel sprach von "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" in Portalen wie kreuz.net und anderen. Vorurteile und Stereotype würden durch das Netz heute stärker verbreitet als früher. Wetzel wies darauf hin, dass eine wissenschaftliche Studien der Universität Bielefeld ergeben hätte: "Je religiöser Menschen sind, desto mehr Vorurteile haben sie." Problematisch sei, dass vielen die Kompetenz fehle, zu unterscheiden, welches Nachrichtenportal seriös sei und welches nicht.

Nach Ansicht des Aachener Psychoanalytikers Thomas Auchter hat der Fanatismus der rechtsextremen Szene vor allem mit Angst, Unsicherheit und Zweifel zu tun. So würden die vermeintlichen Feinde durch Abspaltung und Projektion schließlich "zur Müllkippe für den eigenen Seelenmüll". Alles Fremde solle eliminiert werden, beschreibt Auchter den seelischen Mechanismus bei vielen Rechtsextremen: "Auf bestimmten Portalen herrscht eine Kreuzzugsmentalität wie bei den Dschihaddisten im Nahen Osten." Er rief dazu auf, Widerspruch zu leisten und diffamierenden Veröffentlichungen Grenzen zu setzen ohne selbst genau so eindimensional und intolerant zu sein wie die Extremisten.

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