Veteranen bei den Feierlichkeiten zum D-Day
Veteranen bei den Feierlichkeiten zum D-Day
Gedenken an den D-Day vor 70 Jahren

06.06.2014

Gedenken an die Landung der Allierten vor 70 Jahren Verpflichtung zum Frieden

Vor 70 Jahren begannen die Alliierten mit dem Sturm der Normandie, der sogenannte 'D-Day' läutete den Frieden in Europa ein. Im domradio.de-Interview macht sich Dr. Jörg Lüer stark für das Projekt 'Europäische Union'.

domradio.de: Vor 70 Jahren fand der D-Day statt, heute wird daran erinnert. Welche Lehren sollte man eigentlich aus diesem Tag ziehen?

Jörg Lüer (Leiter der dt. Kommission Justitia et Pax): Der D-Day reiht sich ja ein in die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, so wie Stalingrad auch. Er markiert in besonderer Dichte, wie hoch der Preis wird, wenn man gewissen Unrechtsregimen nicht rechtzeitig entgegen tritt. Insofern ist der D-Day auf der einen Seite ein Zeichen der Hoffnung. Von dort aus war es nicht mehr weit bis zum Ende des Nationalsozialismus, und zugleich ist es natürlich ein hochtragischer Tag, weil so viele Menschen gestorben sind.

domradio.de: Sie haben gerade gesagt, man sollte sich daran erinnern wie hoch der Preis ist, wenn man sich nicht frühzeitig gegen autoritäre oder diktatorische Regime stark macht. Haben Sie den Eindruck, dass aktuell die internationale Politik diese Lehre beherzt?

Lüer: Es ist natürlich immer so ein bisschen schwierig Situationen von vor 70 Jahren auf heutige Situationen zu übertragen, und man steht natürlich, ähnlich wie in den 30er Jahren, auch heute oft unter Sachzwängen. Aber ich glaube, dass es – ähnlich wie damals – auch heute wieder ein Vermeidungsverhalten gibt. Die Versuchung ist also stark die Lehre nicht zu ziehen.

domradio.de: Sie haben gerade von Vermeidungsverhalten gesprochen, meinen Sie damit auch die Debatte um Sanktionen gegen Russland?

Lüer: Ich glaube diesen direkten Schluss - von D-Day und Russland heute - würde uns in die Irre führen. Russland ist natürlich nicht das faschistische Deutschland. Ich glaube da sind wir uns auch alle einig. Aber ein Punkt ist natürlich schon wichtig: Wie ernst nimmt sich die Internationale Gemeinschaft? Wie stark reagiert sie auf Regelverstöße? Ist sie bereit dafür auch Preise zu zahlen, was zum Beispiel konkrete Wohlstandsbußen betrifft? Aber – und das ist die andere Seite – welche konstruktiven Formen entwickelt sie, um mit der anderen Seite in einer kooperativen Weise umzugehen. Ich glaube das ist heute die Frage des Tages. Russland ist eben auch ein Partner in der Internationalen Gemeinschaft, ein schwieriger Partner zwar, aber immer noch ein Partner.

domradio.de: Mit dem D-Day, der das Ende des Zweiten Weltkriegs eingeläutet hat, begann auch der europäische Einigungs- und Friedensprozess. Haben Sie eigentlich den Eindruck, dass das heute noch hinreichend gewürdigt wird?

Lüer: Das ist ganz interessant. Auf der einen Seite haben wir natürlich eine hohe Friedensrhetorik, also das europäische Projekt als 'eine Frage von Krieg und Frieden', wie Helmut Kohl das auch mal genannt hat. Gerade auch im Alltag der jüngeren Generation spielt es keine Rolle oder eine sehr, sehr geringe Rolle. Diese Leute sind, positiv betrachtet, auch in der Regel gar nicht so von Krieg und Gewalt betroffen. Auch da nimmt die Kraft des Familiengedächtnisses ab. Mein Eindruck ist aber, dass gerade im Zusammenhang mit der Krise in der Krim und der Ukraine, dieses Bewusstsein nochmal wieder hochkommt. Gerade auch für Generationen, die so in den 80er Jahren politisch sozialisiert worden sind. Für die wird auf einmal dieses Unbehagen des Kalten Kriegs wieder spürbarer, und auch sowas wie eine Erinnerung daran, dass Krieg und Frieden in der Tat eine Tagesfrage sein kann.

domradio.de: Trotzdem sind mit den Wahlen zum Europäischen Parlament die Stimmen der EU-Skeptiker immer lauter geworden. Großbritannien hat auch schon offen mit dem Austritt aus der EU gedroht. Ist das alles nichts mehr wert oder fällt das der Rhetorik zum Opfer?

Lüer: Es ist selbstverständlich viel wert. Es wäre skandalös dem jetzt nachzugeben. Die Europäische Union ist vielleicht das Größte Friedensprojekt in der politischen Geschichte, und wenn wir pathetisch sind sogar der Menschheit. Ich erlebe das gerade auch bei Partnern international, die sehen auf welche Weise größere Räume geschaffen werden, die sich beeinflussen. Aber dieses Projekt ist nach wie vor auch unvollkommen, und es lebt auch von den Wohlstandversprechen. Was wir lange Zeit, glaube ich, auch einigermaßen erfolgreich einhalten konnten. Da wo dieses Wohlstandversprechen in Frage gestellt wird oder erkennbar nicht eingelöst wird, wie jetzt in Griechenland und auch in Teilen von Spanien, wird das Ganze problematisch. Ich glaube damit müssen wir uns auseinandersetzen. Wir dürfen solche Dinge, wie sie in Frankreich passiert sind bei der letzten Europawahl nicht einfach nur als Unfall abtun. Ich glaube hier ist eine tiefe Infragestellung dessen, wie wir in der Europäischen Gemeinschaft miteinander leben wollen, notwendig.  

domradio.de: Sie treffen sich gerade mit allen Vertretern Deutschlands von Justitia et Pax in Bonn. Auch die Ukraine ist da am Rande ein Thema. Wie ist ihre Position zum Thema Ukraine?

Lüer: Also der erste Punkt ist, dass wir die freiheitlichen Bestrebungen innerhalb der Ukraine, wie sie anfänglich auf dem Majdan so eindrucksvoll zum Ausdruck gekommen sind, deutlich unterstützen. Das heißt die ukrainische Bevölkerung und die jetzige ukrainische Regierung brauchen die klare europäische Solidarität. Die Bevölkerung in der Ukraine hat natürlich bei den letzten Wahlen auch ihren Willen deutlich zum Ausdruck gebracht. Davon wird auch nichts durch den Umstand weggenommen, dass in einigen Wahlkreisen die Wahlen nicht ordnungsgerecht durchgeführt werden konnten. Das Gesamtbild ist ganz klar. Insofern sind wir natürlich auch gegenüber der russischen Politik sehr kritisch eingestellt. Das ist ein massiver Bruch auch von Völkerrecht, und es ist ein Moment  an dem sich vieles entscheiden wird, zum Beispiel wie wir längerfristig international mit Krisen umgehen. Wir sind ganz froh, dass die Bundesregierung auch die Möglichkeit der Sanktionen klar ins Auge fasst, und das immer wieder deutlich macht. Allerdings sich jetzt auch nicht der Versuchung der falschen Eindeutigkeit hingibt, sondern alles Menschenmögliche tut, um mit Russland vielleicht auf einer anderen Ebene ins Gespräch zu kommen.

Das Gespräch führte Ina Rottscheidt.

(DR)

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