10.01.2014

Ein Kommentar zur Hitzlsperger-Debatte "Ich bin schwul – und das ist auch gut so!"

"Ich bin schwul – und das ist auch gut so!" Richtig, Klaus Wowereit sorgte mit diesem Ausspruch bundesweit für Furore. Das war vor über 12 Jahren. Braucht es wirklich noch Jahrzehnte, bis wir eine solche Aussage ohne größte Aufregung zur Kenntnis nehmen können? Ein Kommentar von domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

In dieser Woche hat sich der ehemalige Fußballprofi  Hitzlsperger öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Als erster deutscher Top-Fußballer. Das Echo ist wieder gewaltig. Hitzlsperger selber signalisiert: "Wichtig ist das nur für die Leute, die homophob sind, andere ausgrenzen aufgrund ihrer Sexualität - und die sollen wissen: Sie haben jetzt einen Gegner mehr!"

Die Aufregung in Medien und Gesellschaft zeigt: Ja, es gibt sie immer noch. Die subtile, die fein verdeckte oder gar die völlig offen zur Schau gestellte Anfeindung und Diskriminierung Homosexueller. Es ist leider in vielen Bereichen immer noch nicht so, dass die sexuelle Ausrichtung eines Menschen eigentlich gar kein Thema mehr ist. Nicht nur im Fußball oder Profisport, sondern auch in den Chefetagen der Wirtschaft oder in der Bundeswehr ist Homosexualität alles andere als "völlig normal". Und auch die Kirche tut sich gerade hier  besonders schwer. Von uns angefragte innerkirchliche Gesprächspartner winken dankend ab: "Nein, Danke, da kann ich mir doch nur die Finger verbrennen!"

Aber es gibt auch Mut-Macher. Der oberste Hirte Papst Franziskus hat sich seit seinem Amtsantritt gleich mehrmals zur Thematik geäußert: "Wenn eine Person homosexuell ist und den Herrn sucht und guten Willens ist - wer bin ich, dass ich über sie urteile?" O-Ton Papst! Noch ein Beispiel gefällig? Gerne:  "Einmal hat mich jemand provozierend gefragt, ob ich Homosexualität billige. Ich habe ihm mit einer anderen Frage geantwortet: "Sag mir: Wenn Gott eine homosexuelle Person sieht, schaut er die Tatsache mit Liebe an oder verurteilt er sie und weist sie zurück?" Auch eine päpstliche zu-mutende Aussage, hinter der sich kein Christ mehr verstecken braucht.

Jetzt ist jeder Einzelne von uns gefragt. Was kann ich dafür tun, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen genau so wenig ein Thema ist, wie seine Religion oder seine Hautfarbe? Martin Luther King predigte 1963 seinen Traum von der Gleichbehandlung aller Menschen, und die Amerikaner haben 2009 den ersten Afroamerikaner zu ihrem Präsidenten gewählt. Braucht es wirklich noch Jahrzehnte, bis Soldaten in der Armee, Manager in der Wirtschaft oder Priester in der Kirche ohne Wenn und Aber sagen dürfen: “Ich bin schwul – und das ist auch gut so!"?

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