Der Protest der Nonnen des Klosters Dinklage
Der Protest der Nonnen des Klosters Dinklage

07.09.2013

Vor 75 Jahren wurde Äbtissin Maire Hickey geboren Erst beim zweiten Mal hat es gefunkt

Die Bilder gingen 1997 durch die Medien: Elf Nonnen vor einem Polizeiwagen, so verhinderten sie die Abschiebung einer ukrainischen Familie, die im Kloster Asyl gefunden hatte. Mit dabei: Maire Hickey, damals Äbtissin des Klosters Dinklage.

Am 7. September wird die Benediktinerin, die inzwischen in Irland lebt, 75 Jahre alt. Damals sei es für sie «sehr ungewohnt, sehr einschneidend und herausfordernd» gewesen, der Staatsmacht durch eine Sitzblockade den Weg zu versperren. Aber sie habe "hautnah" erlebt, dass Gewissen und Gesetz nicht im Einklang miteinander gewesen seien, sagte die Ordensfrau mit ihrer ruhigen, aber bestimmten Art damals in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Benediktinerinnen unter Hickey beriefen sich bei ihrem Kirchenasyl auf eine alte Regel ihres Ordensgründers. Demnach sollen Gäste oder Fremde, die zum Haus kommen, wie Christus aufgenommen werden. In einer benediktinischen Gemeinschaft gebe es nun einmal "eine Grundbereitschaft", Menschen in Not, "die anklopfen, erst einmal aufzunehmen und sich um sie zu bemühen". So sei man damals auch mit der Familie Zubatschev verfahren, begründete Hickey den ungewöhnlichen Sitzstreik der Nonnen. Eine befreundete Gemeinschaft im kanadischen Winnipeg erklärte sich schließlich bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Dass sich die Ordensfrau einmal so würde positionieren müssen, war in den Vorjahren nicht abzusehen gewesen. Hickey wurde 1938 in Dublin geboren und besuchte eine Klosterschule. Nach einer kurzen Noviziatszeit kehrte sie dem Klosterleben den Rücken - für immer, wie sie dachte. Mit 18 ging sie nach England, um dort an verschiedenen Universitäten Alte Sprachen zu studieren.

"Ein neuer Raum"

Eher zufällig kam die promovierte Altphilologin und gelernte Sozialarbeiterin später mit Burg Dinklage in Kontakt. Tief berührt von der dortigen Gemeinschaft habe sie gespürt, «wie sich ein neuer Raum für mich öffnete». Sie wollte diesen Raum betreten. Und so wurde Maire Hickey 1974 mit 35 Jahren zum zweiten Mal Novizin, legte 1977 die Profess und nach sechs Jahren die ewigen Gelübde ab. Bereits 1983 - und dann auch 1995 - wurde sie für jeweils zwölf Jahre zur Äbtissin gewählt. Für eine dritte Amtszeit stellte sie sich 2007, auch aus Altersgründen, nicht mehr zur Verfügung.

Natürlich habe auch in der Gemeinschaft von Dinklage "nicht nur Friede und Freude" geherrscht, verriet Hickey einmal. Mit dem für sie typischen feinsinnigen Humor brachte sie es auf den Punkt: "Die meisten meiner Mitschwestern hätte ich mir nicht ausgesucht und sie mich auch nicht." Aber auf diesem gemeinsamen Weg wachse man zusammen, lerne voneinander, reibe sich aneinander. "Was dabei herauskommt, ist runder und freier", erklärte die Oberin.

Nicht nur ihrer Gemeinschaft in Dinklage diente die wache und zugewandte Ordensfrau. Hickey war viele Jahre 1. Vorsitzende der Vereinigung der benediktinischen Frauenklöster im deutschen Sprachgebiet (VBD), von 1997 bis 2006 zudem die erste Moderatorin der Communio Internationalis Benedictinarum (CIB), eines weltweiten Zusammenschlusses von Benediktinerinnen. In dieser Position war sie maßgeblich beteiligt an der Entwicklung und Gestaltung eines neuen Miteinanders der Benediktinerinnen weltweit. Nachdem sie ihr Amt in Dinklage niedergelegt hatte, ging sie mit 69 Jahren zurück in ihre irische Heimat.

Heute lebt sie in Kylemore Abbey in Connemara, der ältesten irischen Benediktinerinnenabtei. Doch Ruhestand sieht anders aus. Die Ordensfrau mit der großen Ausstrahlung wurde auch hier gebeten, die Leitungsfunktion zu übernehmen. Das 1665 gegründete Kloster ist nach mehreren Umzügen seit 1920 in dem 1871 fertiggestellten Schloss Kylemore untergebracht. Es gilt als einer der schönsten Orte in Irland. Nicht umsonst heißt es: "Wenn du in Kylemore bist, dann bist Du nur ein kleines Stück vom Himmel entfernt." Umgeben von Wäldern und Seen liegt das eindrucksvolle Schloss, in dem die Gemeinschaft seit 1871 untergebracht ist, am Fuße eines Berges - majestätisch und in ruhiger Pracht. Rund 250.000 Touristen besuchen die Abtei jedes Jahr.

2020 will die Abtei den 100. Jahrestag feiern, dass belgische Benediktinerinnen hier nun dauerhaft Zuflucht fanden - ihr Kloster war im Ersten Weltkrieg von den Deutschen zerstört worden. Bis dahin möchte die Äbtissin die Anlagen des Schlosses fit für das 21. Jahrhundert machen. Ihr schwebt unter anderem eine völlige Umgestaltung des Klosterbereiches, der Bau einer neuen Klosterkirche sowie die weitere Rekonstruktion der viktorianischen, 2002 mit dem "Europa Nostra-Preis" ausgezeichneten Gartenanlagen vor. Und so wird auch in den kommenden Jahren für das viele Millionen Euro teure Umbauprojekt der Kämpfergeist von Maire Hickey gefordert sein.

Angelika Prauß
(KNA)