04.07.2013

Kopten-Bischof Damian über die Absetzung Mursis Zwischen Hoffen und Bangen

Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Christen in Deutschland, Bischof Anba Damian, sieht nach dem Regierungssturz in Ägypten Hoffnung für das Land. Zugleich ist er aber besorgt um die Sicherheit der Christen.

"Ein Jahr unter strenger islamischer Herrschaft hat das Land weit nach hinten geworfen", sagte Damian am Donnerstag in Höxter dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Volk habe in dieser Zeit sehr gelitten. Es habe sich aber gezeigt, dass es Christen und Muslime ablehnten, sich aufeinanderhetzen zu lassen. "Jetzt können sie Hand in Hand daran arbeiten, dass es wieder aufwärtsgeht", erklärte der Bischof.

Als hoffnungsvoll bezeichnete es der koptische Bischof, dass die Macht in der Hand des Verfassungsgerichtes liegt. Wenn die Richter und Gesetz ihre Aufgaben ohne Druck von der Politikern ausüben können, werde es im Land wieder vorangehen. Jetzt müsse der Diskriminierung von Minderheiten Einhalt geboten werden. "Die Menschen müssen unabhängig von ihrer Religion als gleichberechtigte Bürger behandelt werden", forderte Damian von der künftigen Regierung.

Die Rolle des Militärs beurteilte Damian positiv. Die Armee sei die einzige Kraft gewesen, die den Präsidenten Mohammed Mursi habe stoppen können. Dass der Militärrat den koptischen Papst Tawadros II. in die Beratungen über die Zukunft des Landes am Nil einbinde, sei ein wichtiges Signal. Die Probleme könnten nur gemeinsam gelöst werden. "Ohne die Kopten wird es nicht funktionieren", sagte der Bischof.

Sorge um Sicherheit

Besorgt äußerte sich Damian über die Sicherheit der koptischen Christen in der Umbruchszeit. "Bis zu diesem Augenblick genießen die Kopten offiziell noch keinen Schutz vom Gesetz", beklagte Damian. Täter würden bislang nicht bestraft, wenn die Opfer Christen seien.

Wenn die Christen als gleichberechtigte Bürger behandelt würden und Gewalt gegen sie bestraft werde, werde die Kriminalität gegen die Kopten aufhören. "Wir machen uns Hoffnung, dass sich die Lage bald bessert", sagte Damian.

Die koptische Kirche zählt zu den ältesten Kirchen der Welt. Weltweit wird die Zahl ihrer Mitglieder auf rund 15 Millionen geschätzt. In Ägypten, dem Stammland der Kopten, sind rund zehn Prozent der 83 Millionen Einwohner Kopten. In Deutschland zählt die Kirche etwa 6.000 Mitglieder. Ihr Zentrum ist seit 1993 das Kloster Brenkhausen im ostwestfälischen Höxter. Dort hat auch der Generalbischof der koptischen Christen in Deutschland, Anba Damian, seinen Sitz.

Die Rolle Tawadros II.

Bei den Demonstrationen gegen Ägyptens gestürzten Präsidenten stand zuletzt ein christlicher Geistlicher in vorderer Front: Papst-Patriarch Tawadros II., Oberhaupt der orthodoxen Kopten weltweit. Als 118. Nachfolger des heiligen Markus ist er "Patriarch von Alexandrien und ganz Ägypten".

Im Fernsehen sprach Tawadros am Mittwoch von einer "gestohlenen Revolution", die sich das ägyptische Volk und seine Jugend nun friedlich und zivilisiert zurückholten. Es ist damit zu rechnen, dass er damit an Ansehen in der ägyptischen Bevölkerung weiter gewinnen wird. Ob sich das auch in mehr politischer Mitsprache des Geistlichen niederschlagen wird, bleibt abzuwarten. Als höchster Vertreter einer bedrängten religiösen Minderheit ist der seit November 2012 regierende Patriarch einen behutsamen und klugen politischen Kurs gefahren. Er protestierte gegen mangelnden Schutz von Christen und kirchlichen Einrichtungen, gegen Übergriffe auf Kirchen und gegen die Diskriminierung religiöser Minderheiten in der neuen Verfassung, ohne jedoch seine Christen durch zu scharfe Formulierungen in Gefahr und unter weiteren Druck zu bringen.

Tawadros II. wurde am 4. November 1952 im oberägyptischen Mansura geboren und an seinem 60. Geburtstag zum Papst-Patriarchen gewählt; sein Geburtsname lautet Wajih Sobhi Baki Solayman. Er studierte in Alexandria Pharmazie und war Geschäftsführer der Staatlichen Pharmazeutischen Werke Damanhur. Mit 33 Jahren trat er 1986 in das Kloster Anba Bischoi ein, wo er 1988 die Ewigen Gelübde ablegte und die Mönchsweihe erhielt. 1989 wurde er Priester; 1997 empfing er von Papst Schenuda III. die Bischofsweihe. Als Generalbischof (Weihbischof) in Damanhur-Beheira im Nildelta stand Tawadros dem dortigen Metropoliten zur Seite. Seit dem Tod von Patriarch Schenuda III. im März 2012 gehörte Tawadros zum Mitarbeiterstab des Interims-Kirchenleiters Pachomios.

Seit seinem Amtsantritt hat sich Tawadros II. stark in den ökumenischen und interreligiösen Dialog eingebracht. Trotz seiner Ablehnung des Regimes von Mursis Muslimbrüdern steht er für eine positive Haltung gegenüber dem Islam. In der Diskussion um die neue ägyptische Verfassung suchte er eine Konsensformulierung mit Gelehrten der sunnitischen Al-Azhar-Universität. Er steht für eine offene ägyptische Gesellschaft und bringt als früherer Jugendbischof Verständnis für die Sorgen und Befindlichkeiten von Jugendlichen mit.

 

 

(epd, KNA)