14.06.2013

Landesbischof Bohl zur Flutkatastrophe "Mentale Kräfte stärken"

Tausende Freiwillige stemmen sich seit Tagen gegen die Flutkatastrophe, schleppen Sandsäcke, räumen Gerümpel aus und begleiten Menschen zurück in ihre Häuser. Eine ganz besondere Rolle spielen dabei auch die Notfallseelsorger.

Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst:

epd: Haben Sie mit einem solchen Engagement gerechnet?

Bohl: Das kann man mit Ja und auch mit Nein beantworten. Ja: Es ist einfach überwältigend zu sehen, wie Leute an Orte gehen, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Damit meine ich nicht nur die Stellen, wo die Sandsäcke gefüllt und verbaut werden, sondern auch den Wiederaufbau bei Familie, Nachbarschaft oder den Freunden aus dem Sportverein. Oder wenn Leute aus der Kirchgemeinde auf einmal vor der Tür stehen und mithelfen. Das ist fantastisch. Das führt dann häufig zu guter Stimmung - auch bei denen, die in der Flut alles verloren haben. Aber andererseits kann man auch sagen: Nein, ich bin nicht überrascht, weil das eben vor elf Jahren schon ganz genauso gewesen ist. Wir haben damals schon gesagt: Die große Flut an den Flüssen wurde abgelöst von einer Flut der Hilfsbereitschaft.

epd: Was können denn in diesen Zeiten die Kirchgemeinden leisten?

Bohl: Am vergangenen Sonntag ist in den sächsischen Gottesdiensten die Kollekte für die Flutopfer-Hilfe zusammengelegt worden. Auch die Landeskirchen Hannover und Braunschweig haben sich daran beteiligt haben, zwei Landeskirchen, zu denen wir schon zu DDR-Zeiten in besonderer Verbindung standen. Die Kirchgemeinden haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass jetzt schnell und unbürokratisch geholfen werden kann. Zum anderen darf man nicht vergessen, dass die Kirchgemeinden auch selber betroffen sind. Wir haben etwa 80 kirchliche Gebäude, die selber von Hochwasserschäden betroffen sind.

epd: Und welche Rolle spielt in diesem Kanon der Hilfe die Notfallseelsorge?

Bohl: Die Notfallseelsorge ist flächendeckend aufgebaut worden. Insofern kann ich mit großer Dankbarkeit sagen, dass auch in diesem Bereich die Bewährungsprobe bestanden wurde. Überall waren kleine Teams unterwegs, unterstützt von Seelsorgern auch aus anderen Teilen Deutschlands. Dieser Einsatz war auch notwendig. Mehrere Male haben mir Menschen, die damals schon einmal betroffen waren, gesagt: Wir wissen nicht, ob wir das noch mal schaffen. Wir sind auch elf Jahre älter geworden. Und deshalb ist natürlich ganz entscheidend, dass die mentalen Kräfte und der Wille, auch diese Herausforderung zu bestehen, gestärkt werden. Da haben unsere Notfallseelsorger sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt eine wichtige Aufgabe übernommen und sehr gut erfüllt.

Das Gespräch führte Stephanie Höppner.

(epd)