Wasser steht in Kirche St. Achatius (Bistum Passau)
St. Achatius im Bistum Passau

12.06.2013

Verwüstete Kirchenräume nach Hochwasser Restesuche im Schlamm

Holztüren liegen aufeinandergestapelt da, der Arm einer Heiligenstatue ragt aus den Kirchenbänken hervor. Die Flut hat viele Kirchen beschädigt, wenige sind versichert.

Als wäre ein Wirbelsturm durch die Kirchenbänke der St. Achatiuskirche bei Passau gefegt. Dabei war es das schleichend steigende Wasser, das den Kirchenraum langsam aber sicher verwüsten sollte. Bis zu drei Meter hoch stand es und spülte die Ausstattung durch den Kirchenraum; Reliquienschreine sogen sich voll. Nun, da das Wasser sich wieder zurückgezogen hat, herrscht Chaos in der Kirche.

Das ist wie Goldwaschen

In der Passauer Waisenhauskirche stand das Wasser bis zu zwei Meter, so dass sich die Goldfassungen vom Tabernakel und Hochaltar lösten. Restauratoren versuchen seit Tagen, wertvolle Teile aus dem übriggebliebenen Schlamm zu sichern. "Das ist wie Goldwaschen", sagt Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek, der die Wiederaufbaumaßnahmen im von der Flut besonders schwer getroffenen Bistum Passau begleitet. Er schätzt den Gesamtschaden an kircheneigenen Gebäuden auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Keine der Kirchen ist gegen Hochwasser versichert. «Das letzte Mal kam sowas vor 500 Jahren vor», begründet es Jarzombek. Auch in den von der Flut betroffenen Bistümern Magdeburg und Erfurt haben die Kirchen keinen Versicherungsschutz gegen Hochwasser. Dort verteilen die Bistümer Zuschüsse über einen Notfallfonds beziehungsweise eine Kirchenstiftung. Ansonsten müssen die Kirchen selbst für die Schäden aufkommen.

Hochwasser scheint in den Augen vieler Deutscher eine unwahrscheinliche Gefahr. Auch Privathaushalte sind selten dagegen versichert. Die Versicherungskammer Bayern etwa gab an, dass im Freistaat gerade einmal sieben Prozent aller Versicherten gegen Hochwasser geschützt seien. Mit einer Kombination aus Basis- und Elementarversicherung könnten Gemeinden sowohl das Kirchengebäude als auch Kircheninventar versichern. Je nach Lage und historischem Wert der Kirche steigt der Betrag.

Bonner Katholiken zeigen Solidarität

Im Bistum Dresden-Meißen schätzt man den materiellen Schaden durch die Flut an kircheneigenen Gebäuden auf rund 240.000 Euro. Auch dort sind die Kirchen nicht gegen Überschwemmungen versichert. "Wir sind nicht verzweifelt, die Schäden können wir beheben", so Pressesprecher Michael Baudisch. Denn in Krisenzeiten zeigt sich die Kirche solidarisch. Vergangenen Mittwoch rief der Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher zu einer Spendenaktion für die Flutopfer im sächsischen Bistum auf. Ein Teil der Spenden ist auch für die Renovierungsarbeiten an Kirchen vorgesehen. Das Katastrophenhilfswerk Caritas hat zudem 250.000 Euro als Soforthilfe zur Beseitigung von Flutschäden im Bistum Dresden zur Verfügung gestellt. Damit werde zunächst in technisches Gerät wie Trockner investiert. Ein Teil des Geldes werde zudem an die betroffenen Ortscaritasverbände im Bistum Dresden-Meißen (Gera, Dresden, Meißen, Chemnitz und Leipzig) verteilt, um die größten Schäden in den Einrichtungen und in Privathaushalten zu beseitigen. 

Nicht nur finanzielle Versicherungen helfen gegen Hochwasser - auch die Erfahrung mit früheren Flutkatastrophen wappnet manchmal gegen neue Schäden. In der Dresdner Hofkirche, der Kathedrale des Bistums, räumten die Menschen rechtzeitig das Untergeschoss und die Tiefgarage. In Pirna steht die Orgel der Kirche auf Stelzen. Und unter den Sitzbänken des Kirchenschiffs befinden sich mit Styropor gefüllte Behälter, so dass bei Wassereinbruch die Bänke auf den Fluten schwimmen können.

"Not der Menschen steht im Vordergrund"

Bis jene Kirchen, die erneut beschädigt wurden, renoviert werden können, braucht es wohl noch einige Zeit. Das Bistum Passau etwa hat am vergangenen Donnerstag eine Soforthilfe für Flutopfer von 3,5 Millionen Euro eingerichtet. Finanziert wird die Hilfe auch durch Gelder, die eigentlich im Bauhaushalt des Bistums für Renovierungen vorgesehen waren. Schönheitsreparaturen, der Bau von Aufzugsanlagen oder größere Renovierungsmaßnahmen werden zugunsten der Hochwasseropfer aufgeschoben. Das tue weh, sei aber angesichts der dramatischen Umstände im Bistum angesagt, sagte Finanzdirektor Josef Sonnleitner. "Die Not der Menschen steht jetzt im Vordergrund."

Claudia Zeisel
(KNA)