Deutschland rundet an der Kasse auf
Deutschland rundet an der Kasse auf

01.06.2013

Bundesweiter "Tag des Aufrundens" Shoppen und Spenden

Am 1. Juni ist internationaler Kindertag, Tag der Organspende und nun auch "Tag des Aufrundens". Maximal zehn Cent können an der Ladenkasse gespendet werden, gerne auch weniger.

"Wir wollen jedem das Spenden ermöglichen. Keiner soll Hemmungen haben, weil der Kunde vor ihm viel großzügiger war", erklärt die Sprecherin der Spendeninitiative "Deutschland rundet auf", Katrin Aldenhoff. Die Zauberformel lautet "Aufrunden bitte!" und wird laut Aldenhoff durchschnittlich 70.000 Mal täglich in der Bundesrepublik gesagt. Am Samstag (01.05.2013) soll es, so die Hoffnung der Organisatoren, einen Rekord geben.

"Da wir mit unseren Spenden Projekte für benachteiligte Kinder in Deutschland unterstützen, schien uns der Internationale Kindertag am 1. Juni als passender Aktionstag", sagt Aldenhoff. Die Spendeninitiative wurde vor gut einem Jahr ins Leben gerufen und hat mittlerweile 17 Handelspartner mit 12.000 Filialen bundesweit, darunter Ketten wie Netto, Penny, Kaufland und Peek&Cloppenburg. Seit dem Startschuss der Initiative sei eine Gesamtspendensumme von etwa 1,3 Millionen Euro zusammengekommen, erzählt Aldenhoff.

Viele neue Initiativen

Shoppen und Spenden verträgt sich offenbar gut. Sei es an der Kasse, bei der Pfandrückgabe oder beim Internethandel - es darf gespendet werden. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin bewertet seit 100 Jahren Spendenorganisationen. Noch seien viele solcher Initiativen recht jung und ihr Wirkungsgrad schwer zu beurteilen, sagt Bernhard Wilke, Geschäftsführer des DZI. Wichtig sei aber, dass das Modell verständlich, transparent und gemeinnützig sei. "Gerade im Internet lässt die Kostentransparenz oft zu wünschen übrig", kritisiert Wilke. Das Spenden beim Einkaufen ermögliche aber durch kleine Beträge einen niedrigschwelligen Einstieg. "Wenn es gut gemacht wird, kann es durchaus zu weiteren Spenden motivieren."

Kleinstbeträge sollen bei den an das Einkaufen gekoppelten Spendenprojekten also kein Hindernis sein - im Gegenteil. Der Discounter Lidl bietet seit mehr als fünf Jahren die sogenannte "Spende auf Knopfdruck" an. Dabei können Kunden bei der Rückgabe ihrer Pfandflaschen am Automaten wählen, ob sie den Pfandbon erhalten und an der Kasse einlösen oder die Summe ganz oder teilweise dem Bundesverband Deutsche Tafel spenden möchten. Seit Beginn der Aktion wurden in deutschlandweit 3.300 Filialen laut Bundesverband rund fünf Millionen Euro gespendet.

Onlineportale, die vermitteln

Auch beim Internethandel bieten sich zahlreiche Spendenoptionen. "Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit geben, für den guten Zweck auszumisten", sagt die Sprecherin des Internethandels "Rebuy", Franziska Fuchs. Das Onlineunternehmen kauft Gebrauchtwaren und verkauft sie weiter. Wer sein Geld nicht ausbezahlt haben möchte, kann es an eine wohltätige Organisation spenden. «In Deutschland gibt es viele Menschen, die gern spenden und Gutes tun wollen», erklärt Fuchs. Jedoch widerstrebe es vielen, einfach nur ihre Kontonummer anzugeben und einen Betrag abbuchen zu lassen. "Unsere Kunden können quasi direkt für den guten Zweck ausmisten", fügt Fuchs hinzu. Im vergangenen Jahr sei damit ein fünfstelliger Betrag zusammengekommen.

Neben einem direkten Spendenknopf bei Händlern gibt es auch Onlineportale, die als Vermittler fungieren. Dabei kauft der Kunde über Portale wie "Heroshopping.org", "Bildungsspender.de" oder "Clicks4charity.de" bei Internethändlern, etwa Reiseanbietern oder Modeläden, ein und das Unternehmen zahlt dem Mittlerportal eine Provision. Diese geht ganz oder zum Teil an wohltätige Zwecke. "Wir erhalten für jeden Einkauf, den ein Kunde über unser Portal bei Unternehmen x tätig, vom Unternehmen etwa fünf Prozent Provision", erklärt "Clicks4charity"-Vertriebschef Johannes Müller. Davon gingen bei ihnen 80 Prozent an eine wohltätige Organisation. Welche das sei, könnte der Kunde vorher festlegen. "Wir haben monatlich etwa 10.000 Nutzer", sagt Müller. Schade sei, dass die Hilfswerke wenig auf ihren Seiten auf die Spendenvermittler aufmerksam machten. «Da könnte noch mehr passieren», so Müller. Schließlich sollen Spenden beim Shoppen ja vor allem für die Hilfsprojekte eine gute Sache sein.

Anna Mertens
(KNA)