Ein Auto-Werk in Südafrika
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28.05.2013

OECD-Ausblick für Afrika Wachstum mit wenig Entwicklung

Afrika bleibt ungeachtet der angeschlagenen Weltwirtschaft auf Wachstumskurs. Experten erwarten für dieses Jahr ein Plus von fast fünf Prozent. Ein spürbarer Rückgang der Armut ist dennoch nicht in Sicht.

Afrika stemmt sich weiter erfolgreich gegen die Wirtschaftskrise. In diesem Jahr können die Länder des Kontinents ein Wirtschaftswachstum von 4,8 Prozent erwarten, wie aus dem Wirtschaftsausblick für Afrika hervorgeht, den die OECD am Montag in Marrakesch vorstellte. 2014 rechnen die Experten sogar mit einem Plus von 5,3 Prozent. Das Wachstum gehe allerdings nicht mit einem spürbaren Rückgang der Armut einher. In einem UN-Bericht hieß es, Afrika werde trotz seiner wirtschaftlichen Erfolge das Millenniumsziel zur Halbierung der extremen Armut bis 2015 verfehlen.

"Das Tempo des wirtschaftlichen Wandels muss sich erhöhen, damit Afrikas Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger werden und einträgliche Arbeitsplätze schaffen können", erklärten die Autoren des OECD-Berichts. "Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen sich die Länder wirtschaftlich breiter aufstellen." Noch sei die Arbeitslosigkeit nach wie vor hoch, und die Einkommensunterschiede nähmen zu.

Der gemeinsame Wirtschaftsausblick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Afrikanischen Entwicklungsbank, der Afrikanischen Wirtschaftskommission und des UN-Entwicklungsprogramms gibt jährlich einen Überblick zur ökonomischen, sozialen und politischen Situation Afrikas.

Große Potenziale

Als Schlüssel für ein schnelleres Wachstum sehen die Autoren das große Potenzial Afrikas in der Landwirtschaft, der Energie und im Bergbau. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass die Erträge auch der Masse der Menschen zugutekomme, sagte der Direktor des OECD-Entwicklungszentrums, Mario Pezzini.

In dem UN-Report wurde die schwierige Ernährungslage als Hauptgrund für das voraussichtliche Scheitern Afrikas beim Armutsziel bezeichnet. Die Knappheit an Lebensmitteln habe sich durch extreme klimatische Bedingungen weiter verschärft, hieß es in dem gemeinsame Fortschrittsbericht der Afrikanischen Union, der UN-Wirtschaftskommission für Afrika, des UN-Entwicklungsprogramms und der Afrikanischen Entwicklungsbank, der am Montag zum Abschluss des Gipfels der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vorgelegt wurde.

Hungerkrisen und eine hohe Zahl untergewichtiger Kinder sind dem Bericht zufolge die Folgen der Ernährungsunsicherheit. Um diese zu bekämpfen müssten die Landwirtschaft, die Verteilung von Lebensmitteln und die Ernährungsweise der Menschen verbessert werden, hieß es.

Damit könnten auch andere Millenniumsziele schneller erreicht werden. Afrika habe immer noch die schlechtesten Werte bei der Gesundheit von Müttern und Kindern. Die Kindersterblichkeit sank dem Bericht zufolge in Afrika um 47 Prozent gegenüber 1990. Nach den Millenniumszielen soll sie bis 2015 um zwei Drittel zurückgehen.

Insgesamt acht Millenniumsziele

Auch das Ziel, bis 2015 den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zu halbieren, wird Afrika aller Voraussicht nach nicht erreichen. Auf Kurs sehen die Autoren den Kontinent hingegen bei den folgenden vier Zielen: Grundschulbildung für alle, Gleichstellung der Geschlechter, Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten sowie dem Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung.

Zu den 20 Staaten, die im vergangenen Jahr weltweit die größten Erfolge bei den Millenniumszielen erreichten, zählten laut Bericht 15 afrikanische Länder. Hervorgehoben wurden unter anderen Benin, Ägypten, Äthiopien, Gambia, Malawi und Ruanda, die bei mehreren Zielen große Fortschritte erzielt hätten.

Die acht im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsziele der Staatengemeinschaft umfassen Vorgaben für den Kampf gegen Hunger, Armut, Krankheiten und Bildungsmangel, die bis 2015 zu erreichen sind.

(epd)