Nach der 89. Minuten in Dortmund
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26.05.2013

Ruhrgebietspastor zu Champions-League-Finale "Neue Saison, neues Glück“

Die Enttäuschung im Ruhrgebiet ist nach der Niederlage des BVB im Champions-League-Finale groß. Der Herner Pastor Ansbert Junk spricht im domradio.de-Interview über Fußball und Glaube im Ruhrgebiet und über faire Verlierer.

domradio.de: Wie geht es Ihnen am Tag danach?

Pastor Ansbert Junk: Zunächst einmal bin ich etwas heiser. Der BVB hat das Spiel schon spannend gemacht, es waren Chancen da, aber Bayern hat halt gewonnen, das waren auch die großen Favoriten. Naja, enttäuscht bin ich natürlich schon, aber es geht weiter.

domradio.de: Wie ist die Stimmung im Ruhrgebiet?

Pastor Ansbert Junk: Es gab eine große Solidarisierung, auch die Blau-Weißen standen auf unserer Seite, dass da nicht wieder Bayern den Titel holt. Als wir gestern in der Gemeinde Fußball gesehen haben, waren viele schwarz-gelb gekleidet. Man kann sich freuen: Zweiter in der Liga, Zweiter in der Champions-League, das ist schon gut. Jetzt geht es weiter. Neue Saison, neues Glück.

domradio.de: Im Ruhrgebiet hat der Fußball einen ungeheuren Stellenwert, sie haben schon die Blau-Weißen, die Schalker angesprochen. Werden Sie da beim einen oder anderen Fan sogar als Seelsorger gebraucht?

Pastor Ansbert Junk: (lacht) Das weiß ich nicht. Vielleicht kann sich das ergeben.

domradio.de: Das Spiel war ein Wechselbad der Gefühle. Eigentlich ging es doch für die Dortmunder ganz gut los, oder?

Pastor Ansbert Junk: Es fing sehr gut an, wenn wir dann die ein oder andere Bude gemacht hätten, dann wäre das Spiel anders ausgegangen.

domradio.de: Wie war das bei Ihnen in der Gemeinde schließlich ganz kurz vor Schluss als der BVB noch das 1:2 einstecken musste?

Pastor Ansbert Junk: Wir haben ja auch Bayern-Fans dabei gehabt, die haben sich sehr gefreut, die anderen waren still. (lacht) So war das leider.

domradio.de: Einige BVB-Fans sprachen gestern in der ersten Reaktion auch davon, dass möglicherweise zwei Bayern-Spieler hätten mit Platzverweisen frühzeitig vom Platz gehen müssen. Ist das unnötiges Nachkarten nach dem Spiel?

Pastor Ansbert Junk: Da gab es schon Diskussionen. Das ist immer so etwas, nach einem Spiel aufzuwühlen. An sich fand ich das Spiel doch fair - dafür, dass darin so viel Pfeffer war.

domradio.de: Nächsten Samstag spielt Bayern in Berlin auch noch im deutschen Pokalfinale. Sie sind die beste Mannschaft Europas in dieser Saison, haben auch schon den Deutschen Meistertitel gewonnen. Heute ist Dreifaltigkeitssonntag. Kann man jetzt den Bayern auch die Titel-"Dreifaltigkeit" gönnen?

Pastor Ansbert Junk: (lacht) Das hat mit der Dreifaltigkeit weniger zu tun, aber gönnen? Die Bayern sind halt die beste Mannschaft und wer soll sie denn daran hindern? Ich denke, sie werden auch den dritten Sieg schaffen.

domradio.de: Wie nah hängen Fußball und Glaube im Ruhrgebiet zusammen?

Pastor Ansbert Junk: Sie haben Karsten Haug (Gemeindereferent in Dortmund, Anm. d. Red.) ja auch interviewt, da gibt es schwarz-gelbe ökumenische Wortgottesdienste und ich meine, der Imam käme auch mit einem Grußwort. Ich selbst war am Dienstag in der Stammkirche Heilige Dreifaltigkeit und habe da ein bisschen vorgebetet fürs Spiel. Ich denke schon, das gehört zusammen.

Das Interview führte Mathias Friebe (BVB-Fan)

 

(dr)