Rund 50.000 Menschen feiern Seligsprechung
Rund 50.000 Menschen feiern Seligsprechung

26.05.2013

Papst prangert organisiertes Verbrechen an Seligsprechung eines Mafia-Opfers

Die katholische Kirche hat erstmals in ihrer Geschichte ein Mafia-Opfer seliggesprochen. Papst Franziskus nahm die Seligsprechung von Pino Pugliesi zum Anlass, um für die Bekehrung von Mafiosi zu beten.

Papst Franziskus hat das organisierte Verbrechen angeprangert und für eine Bekehrung von Mafiosi gebetet. "Männer, Frauen und auch Kinder werden von vielen Mafia-Organisationen ausgebeutet und zu Sklavenarbeit gezwungen", sagte er am Sonntag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Als Beispiel nannte er die Zwangsprostitution. "Beten wir zu Gott, dass die Herzen dieser Mafiosi sich zu Gott bekehren", so Franziskus. Man dürfe aus Brüdern keine Sklaven machen.

Anlass seiner Äußerungen war die Seligsprechung des von der Mafia erschossenen Priesters Don Puglisi am Samstag in Palermo. Vor rund 50.000 Gläubigen war der 1993 von der sizilianischen "Cosa Nostra" ermordete Priester in den Stand der Seligen erhoben. Don Puglisi sei ein vorbildlicher Priester gewesen, sagte Franziskus. Die Mafia habe ihn zwar durch seine Ermordung besiegen wollen, tatsächlich habe jedoch der Geistliche gewonnen, so der Papst.

Don Puglisi ging "auf die Nerven"

Don Puglisi musste sterben, weil er den Paten "auf die Nerven ging". So gab es sein Mörder später zu Protokoll. Am 15. September 1993, seinem 56. Geburtstag, wurde der sizilianische Geistliche von einem Auftragskiller vor seinem Haus in Palermo mit einem Genickschuss getötet. Es war der erste Mord an einem Geistlichen, den die Mafia auf Sizilien beging. Fast 20 Jahre später ist Salvatore Puglisi am Samstag in Siziliens Hauptstadt seliggesprochen worden. Rund 100.000 Menschen waren zu der Zeremonie unter freiem Himmel gekommen. Mit dem früheren Erzbischof von Palermo, Kardinal Salvatore De Giorgi, hatte der Papst nicht nur einen unerschrockenen Mafia-Gegner, sondern auch einen der Ermittler in der Vatileaks-Affäre mit der Seligsprechung beauftragt.

"Don Pinos Kirche war anders"

Früher sei die Kirche immer bereit gewesen, einen Flüchtigen der Cosa Nostra zu verstecken, sagte Puglisis Mörder, Salvatore Grigoli, in der polizeilichen Vernehmung. "Don Pinos Kirche war anders." Der Priester scheute sich nicht, die Mafia öffentlich in Predigten anzuprangern, und eröffnete 1993 in Palermos berüchtigtem Stadtviertel Brancaccio das Sozialzentrum "Padre Nostro". Hier versuchte er Jugendliche, die in die Fänge des organisierten Verbrechens zu geraten drohten oder schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren, von einem Leben ohne Mafia zu überzeugen. Das missfiel den Brüdern Filippo und Giuseppe Graviano, den Paten des Viertels. Das Todesurteil war gefällt.

Sein Martyrium ermahne nicht nur jene, die äußerliche Religiosität und "das Nachgeben gegenüber dem Bösen" miteinander vermengten, sagte der amtierende Erzbischof von Palermo, Kardinal Paolo Romeo, im Gottesdienst zur Seligsprechung. Jedem Anwesenden dürfte klargewesen sein, von wem der Kardinal da sprach: Von der Mafia. Der neue Selige sei eine Aufforderung an alle, die Erfahrungen mit dem Bösen machten, fest in ihrem Glauben zu bleiben und dem Evangelium zu folgen, so Romeo weiter. Die "Hand der Mafia", habe Puglisi zum Märtyrer nicht nur für das Stadtviertel Brancaccio, sondern für die ganze Welt gemacht. Puglisi, der selbst nie ein Held sein wollte, ist in Italien populär: 2005 wurde sein Leben verfilmt, seinen Namen tragen Schulen und ein Literaturpreis. Im Juni hatte der Vatikan Puglisi als Märtyrer anerkannt.

Die italienischen Bischöfe haben in den vergangenen 20 Jahren mehrfach klargestellt, dass der christliche Glaube unvereinbar mit einem Dasein als Mafioso ist. Und dass Größen des organisierten Verbrechens kein kirchliches Begräbnis erhalten. Lange vorbei sind die Zeiten eines Kardinals Ernesto Ruffini, der die Mafia einst als "Erfindung der Kommunisten" abtat, mit deren Hilfe die Democrazia Cristiana und deren Wähler auf Sizilien in Verruf gebracht werden sollten. Der Vatikan sah das anders. "Ob es nicht angebracht wäre", auch seitens der Kirche, "die Mentalität der sogenannten Mafia von der religiösen Denkweise zu trennen", heißt es in einem römischen Schreiben an Ruffini. Dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Palermo, Kardinal Salvatore Pappalardo, brauchte solche Nachhilfe aus Rom nicht mehr. Der Sizilianer prangerte die Mafia als einer der ersten Bischöfe Italiens in seinen Predigten öffentlich an und durchbrach so die "Mauer des Schweigens". 

Johannes Paul: Mafiosi bekehrt euch

Johannes Paul II. schließlich nahm sich der Sache auf Sizilien höchstpersönlich an. Rund vier Monate vor der Ermordung Puglisis rechnete er am 9. Mai 1993 mit dem organisierten Verbrechen ab: "Mafiosi bekehrt euch. Der Tag des Gerichts wird kommen, an dem ihr für eure Missetaten Rechenschaft ablegen müsst", rief ein aufgebrachter Papst drohend in das Tal von Agrigent.

Wie sieht es heute in Palermo aus? Ihm seien keine "eklatanten Fälle von spezifischen Drohungen" gegen Priester bekannt, berichtete Don Alessandro Maria Minutella am Donnerstag dem Sender "Radio Vatikan". Der Pfarrer leitet in Palermo die Gemeinde Don Bosco, in der Don Puglisi erste Erfahrungen als Seelsorger sammelte. Es sei jedoch klar, dass es eine "seelsorgerische Grenze" gebe, über die vor allem die Priester in den Pfarreien am Stadtrand Bescheid wüssten, fügte er hinzu.

(KNA, dpa)

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