Freude in München
Freude in München

25.05.2013

Sportpfarrer betet für friedliches Endspiel "Dass nichts passiert"

Beim großen Finale in der Champions-League hat der FC Bayern München mit 2:1 gegen den BVB gewonnen. Der Sportpfarrer der Deutschen Bischofskonferenz, Thomas Nonte, fieberte auch mit. Ein Interview vor dem Spiel.

domradio.de: Wem drücken Sie denn die Daumen?
Pfarrer Thomas Nonte: Bei diesem Finale beiden Mannschaften. Ich bin zwar Bayern-Fan, aber wer im Finale steht und so grandios gespielt hat – ich finde, da darf man sich mit beiden freuen. Wenn die Bayern gewinnen, bin ich natürlich nicht traurig.
domradio.de: Bei solchen entscheidenden Spielen kochen die Emotionen hoch   es werden vielfach auch Stoßgebete zum Himmel geschickt. Welche Rolle spielt der Glaube bei einem solchen Spiel? Sowohl bei Spielern als auch bei Fans?
Pfarrer Nonte: Erst einmal wünschen wir uns im Gebet ein grandioses Spiel. Insofern kann der Glaube sagen: Es ist gut, dass wir geschaffen wurden und spielen können und Leistung und Leidenschaft zeigen können. Ob ein Gebet eine bestimmte Mannschaft jetzt nach vorn bringt, das wage ich zu bezweifeln. Ich denke, das Spiel sollte unter dem Gebet stehen, dass nichts passiert, dass alle Spieler gesund bleiben, dass in London nicht noch einmal etwas so Schlimmes passiert, wie in den vergangenen Tagen. Und dass man dann den Verlierer nicht demütigt. Vielleicht ist das der Sinn des Gebets.
domradio.de: So ein "Spiel" ist ja längst kein Spiel mehr, sondern ein Riesengeschäft. Auf allen Seiten geht es um viel – verdrängt das, Ihrer Meinung nach, den ursprünglichen Spaß am Spiel?
Pfarrer Nonte: Die Gefahr besteht. Ich denke, da es ja um Millionenbeträge geht, die ich mir selbst schon gar nicht mehr vorstellen kann, ist es natürlich eine berechtigte Frage, ob man das wie bei den Boni für die Manager vielleicht einmal deckeln sollte, um einfach den Spaß zu erhalten. Andererseits sind Millionen von Fans beteiligt und viele Geschäfte werden abgewickelt, die davon leben, jeder Bierverkäufer in Dortmund lebt davon, in Bayern wahrscheinlich auch – so gesehen ist das die irdische Seite unseres Daseins. Es nimmt natürlich Ausmaße an, die man einmal überdenken sollte.
domradio.de: Was denken Sie als Seelsorger   welcher Druck lastet dementsprechend auf den Spielern, insbesondere auf den herausragenden Spielern? Wie kann man da als Seelsorger beruhigen oder auch relativieren?
Pfarrer Nonte: Ich habe vor kurzem die Chance gehabt, mit einem Erstligaspieler zu sprechen und der sagte auch ziemlich frei heraus: Da liegt ein unheimlicher Druck auf der Seele. Und die Kritik, die ja dann manchmal kommt – ich gebe zu, als Zuschauer rutscht einem da manchmal ein Kommentar heraus – das ist schon manchmal ziemlich tiefgehend. Es ist wichtig, dass man davon erzählen kann, dass man ein bisschen von dem Druck loswird, indem man ihn mit anderen teilt. Und dann natürlich noch einmal die grundsätzliche Botschaft: Ob Du nun am Samstag vielleicht einmal danebenschießt, wie Schweinsteiger im letzten Jahr nur den Pfosten traf, OK, Du wirst Dich ein halbes Jahr lang ärgern, aber es gibt eine neue Chance.
domradio.de: Deutschland wir in jedem Fall Champions-League-Sieger. Welche Bedeutung hat das für das Land?
Pfarrer Nonte: Ich erinnere mich an die Fußball-Weltmeisterschaft in unserem Land – das war eine ähnliche Wirkung, dass die Menschen in der Welt fasziniert vom deutschen Fußball sind, nicht vom deutschen Grölen, sondern vom deutschen Sport. Die Art und Weise, wie unsere Mannschaften da gespielt haben, war begeisternd, das habe ich schon letztes Jahr in den USA mitbekommen, wie gerade die Mexikaner begeistert zugeschaut haben und mich getröstet haben, als Bayern verlor. Insofern ist das eine schöne Botschaft: Die Deutschen können spielen!

Das Interview führte Monika Weiß
 

(dr)