Die Autobahnkirche Siegerland
Die Autobahnkirche Siegerland

14.05.2013

Neue Kirche an der Autobahn Neben Spielhalle und Tankstelle

Kirchenaustritte und leere Gotteshäuser - da scheint die Idee eines Kirchenneubaus ziemlich gewagt. Ein Verein aus dem Siegerland hat trotzdem 1,5 Millionen Euro Spenden gesammelt und eine Autobahnkirche an der Sauerlandlinie bauen lassen.

Die Silhouette kennt jeder. Aus dem stilisierten Umriss einer Kirche entstand der Bauplan für die Autobahnkirche Siegerland. Ute Pohl klingt hörbar stolz. "Die Idee stammt ja schon aus dem Jahr 2009 und es hat ziemlich gedauert bis hierher." Die 53-Jährige vom Förderverein der Autobahnkirche steht am Montag im Neubau des fast fertiggestellten Gotteshauses. Lediglich die Stühle fehlen noch. Ab Ende Mai soll die Kirche rund um die Uhr geöffnet sein und Reisenden einen Ort der Ruhe bieten.

"Wir richten uns an Menschen unterwegs", sagt Pohl. Um den Plan umzusetzen, waren aber zunächst die Initiatoren selbst reichlich unterwegs. "Wir haben uns das Geld für die Kirche regelrecht zusammengebettelt", sagt Pohls Vereinskollege Hartmut Hering. "Es gab auch negative Stimmen, die sagten, dass wir doch genug Kirchen haben."

Aber die Erfolge hätten überwogen. Die Kirchen allerdings hätten nichts beigesteuert. "Aber es gab viele positive Reaktionen: Ich habe einen Brief bekommen, das schrieb ein Mann, er habe sechs Kinder und könne leider nur 50 Euro beisteuern", erzählt Hering. Doch der 85-jährige ehemalige Bauunternehmer, konnte auch Spender finden, die einen sechsstelligen Betrag locker machten. Die Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro wurden komplett durch Spenden aufgebracht.

Die 40. Autobahnkirche in Deutschland

Auch Architekt Michael Schumacher ist stolz. "Kirchen werden heutzutage ja eher umgenutzt oder zurückgebaut. Deshalb ist ein Kirchenneubau ein Traumjob für jeden Architekten." Seinen Entwurf, mit dem er den Wettbewerb des Fördervereins gewann, hatte er aus dem stilisierten Kirchen-Piktogramm entwickelt. Von außen wurde die 140 Quadratmeter große Holzkonstruktion mit Kunststoff überzogen.

"Auf dem Weg von Norden kommend sieht man die Kirche viermal, sie steht sozusagen im Weg und lädt ein zu einer Pause", sagt Pohl. Das auf dem Autohof neben Schnellrestaurant, Hotel, Spielhalle und Tankstelle etwas deplatziert wirkende weiße Gotteshaus wurde innen mit einem an einen Dom erinnernden Skelett aus Holzplatten verkleidet. Durch die beiden Türme fällt je nach Tageszeit und Wetter wechselndes Licht in die Konstruktion.

Das sollen möglichst viele Besucher selbst erleben, wünschen sich Pohl und Hering. Ihre Kirche ist die 40. Autobahnkirche in Deutschland. "Alle zusammen haben rund eine Million Besucher pro Jahr", sagt Pohl. Für das neue Gotteshaus erhofft sie einen überdurchschnittlichen Besuch. "Wir haben ja hier die Reisenden, den großen Trucker-Parkplatz und es gibt schon viele Anfragen von kirchlichen Gruppen, die auf dem Weg bei uns eine Pause einlegen wollen." Und Planer Schumacher sieht noch andere potenzielle Pilger: "Das wird bestimmt auch viele Architektur-Studenten anziehen."

Jörg Taron
(dpa)