12.04.2013

Armin Laschet zum christlichen Profil der CDU Zurück in die Zukunft

Ein Jahr nach ihrer Landtagswahl-Niederlage will die NRW-CDU ein "Zukunftsprogramm" erarbeiten - unter Beteiligung von Kirchenvertretern. Landesvorsitzender Armin Laschet im domradio.de-Interview über eine Rückbesinnung auf christliche Werte.

domradio.de: Warum ist ihnen diese innerparteiliche Programmdiskussion wichtig?
Laschet: Die Mitglieder haben uns nach der Wahlniederlage gesagt: Wir wollen wissen, wofür die CDU eigentlich steht. Was sind unsere unverrückbare Grundwerte? Wir dürfen nicht beliebig sein. Und deshalb haben wir einen solchen Prozess der Selbstvergewisserung, wo wir unsere Politik noch einmal aus dem christlichen Menschenbild heraus erklären.
domradio.de: Der Startschuss fällt in Köln. Was soll auf diesem ersten Kongress zur Sprache kommen?
Laschet: Das ist der Auftakt zu einer Konferenzreihe in acht Bezirken unseres Landes und wir haben Gäste eingeladen, wie den früheren Verfassungsrichter Udo di Fabio, der sprechen wird über die Kultur der Freiheit. Freiheit ist ein ganz wichtiger Begriff in der CDU-Programmatik. Was heißt das im konkreten Umsetzen und es wird nach ein Gespräch mit Norbert Lammert geben, in dem wir uns über einige Grundsätze der Partei austauschen und ich selbst werde sprechen darüber, was Christdemokratie im 21. Jahrhundert bedeuten kann.
domradio.de: Welche anderen Themen sind geplant und ihnen besonders wichtig?
Laschet: Wichtige Fragen sind: Wie können wir Industrieland bleiben, wie können Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen? Wir werden für Industriearbeitsplätze kämpfen aber die Umwelt ist natürlich gleichermaßen wichtig und da wird Politik immer wieder abwägen müssen, was nun der richtige Weg ist, bei der Energiewende spüren wir das das deutlich, ein ganz wichtig Thema, das wir mit dem BDI-Präsidenten Grillo und Bundesumweltminister Peter Altmayr diskutieren werden, wir werden fragen, was das C in der Politik eigentlich bedeutet und ob Politik aus dem christlichen Menschenbild heute noch gemacht werden kann. Wir haben eingeladen Bischof Overbeck aus Essen und den neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Rekowski. davon erhoffe ich mir neue Impulse für die politische Arbeit.
domradio.de: Wie kann sich die CDU denn wieder mehr einer christlichen Politik zuwenden?
Laschet: Das christliche Menschenbild sagt ja, der Mensch ist Person, er ist nie kollektiv, er ist eigenverantwortlich, aber er ist immer auch auf den Mitmenschen bezogen, das ist die Grundidee der sozialen Marktwirtschaft gewesen. Keine Planwirtschaft aber auch nicht nur einen Liberalismus, in dem jeder nur an sich denkt. Sonders beides miteinander zu verbinden, ist ein Ausdruck auch der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik und das kann man auf viele Felder übersetzen: Familien stärken ist ein Prinzip aus der christlichen Soziallehre, Leben zu schützen auch in der Endphase des Lebens. Viele Themen, die Menschen bewegen, wenn es um ethische Fragen geht, die muss dann auch in konkrete Politik übersetzen.
domradio.de: Sie wollen mit ihren Beratungen auch Einfluss auf den Kurs der Bundespartei nehmen. Sie haben im Vorfeld gesagt, die Partei müsse die Frage beantworten, «was haben wir außer Angela Merkel?». Das klingt nicht gerade euphorisch im Hinblick auf die Arbeit von Kanzlerin Merkel?
Laschet: Das klingt sehr euphorisch! Die Kanzlerin ist der Pluspunkt in diesem Wahlkampf, ise ist der Stabilitätsanker in ganz Europa, ihr verdanken wir auch unsere hohen Umfragewerte. Aber Wähler entscheiden immer auch mit einer Zukunftsperspektive. Die anerkennen selten, wenn eine Regierung gutes gemacht hat, sondern die wollen auch immer wissen, wie geht es weiter mit dem Land und welche Ideen habt ihr denn und da finde ich die Idee einer Aufsteigerrepublik jedem unabhängig von der Herkunft der Eltern eine Aufstiegschance zu geben, ein Konzept, dass gut zur DCU passt und wenn man das mit Angela Merkel verbindet, dann kann man auch Wahlen gewinnen. Aber nur zu sagen, wir haben eine Angela Merkle und sonst brauchen wir uns um nichts zu kümmern, das ist zu wenig.