18.03.2013

Gauck: deutsche Katholiken vor schwerem Weg "Eine schwierige Etappe"

Die aktiven Katholiken in Deutschland gehen nach Meinung von Joachim Gauck "durch eine schwierige Etappe". Für die Debatten über den Weg der Kirche wirbt der Bundespräsident um mehr Verständnis.

Er wolle sich der "manchmal sehr heftigen Kritik an der katholischen Kirche" wegen deren beharrender Standpunkte jedenfalls nicht anschließen, sagte Gauck der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe). Zwar sei es Nicht-Katholiken ebenso wie einem Teil der Katholiken selbst fremd, dass die Kirche an einer Reihe von Dogmen und althergebrachten Traditionen festhalte. "Aber es gibt eben auch Menschen, die das Bewahren und Schützen wichtiger finden als das rasche Verändern", ergänzte Gauck, der bis 1989 evangelischer Pastor war.

Es sei gut, dass es diese konservativen Menschen gebe, sagte der Bundespräsident: "Sie gehören genauso zum Reichtum unseres Landes wie jene die stets zu neuen Gipfeln stürmen wollen." Die aktiven Katholiken in Deutschland gingen "durch eine schwierige Etappe". "Der Missbrauchsskandal, die Debatten um den Zölibat oder um die Rolle der Frauen in der Kirche treiben sie um." Aber viele setzten sich mit dieser Krise auseinander und das fände er gut, sagte Gauck.

Gauck lobt Fortschritte für Demokratie in Afrika

Am Montag lobte Gauck die Fortschritte für die Demokratie in Afrika. "Es begeistert mich, zu sehen, dass die Demokratie in Afrika so wächst", erklärte er laut Redemanuskript vor der ständigen Vertretung der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Am Ende des Kalten Krieges habe es auf dem Kontinent nur drei demokratisch verfasste Staaten gegeben, heute seien es etwa 20. Allerdings seien Wahlen noch keine Garantie für eine gelingende Demokratie. Afrika müsse besondere Herausforderungen überwinden und seinen eigenen Weg zur Demokratie finden, sagte Gauck aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der AU in diesem Jahr.

Der Bundespräsident bezeichnete es als Gewinn für die Demokratie, dass die Presse- und Versammlungsfreiheit auf dem Kontinent immer mehr zunehme. Kritik könne so schwerer mundtot gemacht werden. "Afrika hat längst begonnen, in unübersehbarer Weise Demokratiegeschichte zu schreiben", sagte Gauck. So gaben sich Namibia und Südafrika in den 90er-Jahren neue Verfassungen, Kenia folgte 2010. Hand in Hand mit der Demokratie habe sich auch die Wirtschaft hoffnungsvoll entwickelt. Besonders in den vergangenen zehn Jahren habe Afrika eine Wachstumsphase hinter sich, die in der jüngeren Geschichte ihresgleichen suche. "Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt liegen in Afrika", erklärte Gauck.

Doch daneben gebe es auch Schattenseiten. Afrika leide unter schrecklichen Kriegen und Bürgerkriegen, sagte der Bundespräsident. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen finde man in Afrika mehr als die Hälfte aller Kindersoldaten der Welt. "Kinder bewusst zum Töten zu missbrauchen, ist eine besonders grausame Menschenrechtsverletzung", erklärte Gauck. Auch mit Blick auf die Frauenrechte bestehe noch großer Handlungsbedarf. Es werde gewiss noch einige Zeit dauern, bis sich Standards von Demokratie, Marktwirtschaft und Menschenrechten "von Kapstadt bis Kairo flächendeckend durchsetzen".

(epd, KNA, dr)