05.03.2013

Die Wahl in Kenia ist wohl schon entschieden Hoffen auf Frieden

Die Furcht wählte mit in Kenia: Vor fünf Jahren gab es nach der Wahl blutige Unruhen. Auch diesmal gab es wieder Gewalt, Menschen wurden getötet. Das Rennen um das höchste Staatsamt scheint bereits entschieden.

Seit zwölf Stunden ist Moses Gode am Montag früh schon auf den Beinen, aber immer noch die Ruhe selbst. "Ich war der erste, der heute Morgen in diesem Wahllokal hier seine Stimme abgeben hat", sagt der Kenianer in der Hauptstadt Nairobi stolz. Um das zu schaffen, kam er schon am Vorabend und wich die ganze Nacht nicht von der Stelle, während hinter ihm die Schlange wuchs. In ganz Kenia kamen die Wähler schon in der Nacht. Die Wahlen wurden mit Spannung erwartet, nicht nur weil das Rennen um die Präsidentschaft vermutlich knapp wird. Nicht überall blieb es friedlich.

Es stand viel auf dem Spiel: Gewählt wurden nicht nur ein neuer Präsident und ein neues Parlament. Sondern auch Senatoren, Gouverneure, Distriktversammlungen, Frauenvertretungen. Es ist die erste Wahl unter der neuen Verfassung von 2010, die dem ostafrikanischen Land eine Dezentralisierung bringen soll. Und die Furcht schwingt mit, denn die letzte Präsidentenwahl Ende 2007 löste wochenlange Unruhen zwischen unterschiedlichen Volksgruppen aus. Denn das Ergebnis war umstritten. Etwa 1.300 Menschen wurden getötet, mehr als 600.000 vertrieben.

Auch jetzt kursierten Gerüchte im Wahlkampf, es seien wieder Waffenlager angelegt worden, zum Beispiel in Mathare, mit etwa 450.000 Einwohnern einer der größten Slums von Nairobi. Aber vor der Polytechnischen Schule, in der Gode seine Stimme abgegeben hat, ist trotz der langen Schlangen alles friedlich. Gode blieb, um am Puls des Geschehens zu sein. Dabei gilt Mathare als ein Brennpunkt. 2008 gab es schwere Ausschreitungen. "Diesmal wird es friedlich bleiben", glaubt er.

Kenyatta liegt vorne

Im Rennen um das Präsidentenamt lag am Dienstag der stellvertretende Ministerpräsident Uhuru Kenyatta in Führung. Der 51-Jährige kommt nach Auswertung von etwa 8.000 von knapp 32.000 Wahllokalen auf rund 55 Prozent. Ministerpräsident Raila Odinga vereint dagegen bisher nur rund 40 Prozent der Stimmen auf sich. Offiziellen Angaben zufolge soll die Wahlbeteiligung mehr als 70 Prozent betragen haben.

Kenyatta ist der Sohn des ersten Präsidenten Jomo Kenyatta. Besonders pikant ist, dass sich der Bewerber Kenyatta und sein Vize-Präsidentschaftskandidat William Ruto wegen der Unruhen von

2007/08 in Kürze vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten müssen. Den beiden Politikern wird vorgeworfen, zu Morden, Vergewaltigungen und Vertreibungen aufgerufen zu haben.

Wieder Gewalt

Auch jetzt werden schon Gewalttaten verzeichnet. Zwölf Menschen wurden nach Medienberichten in der Nacht zum Montag in der Nähe der Küstenstadt Mombasa getötet. Darunter waren sechs Polizisten. Zwei weitere Menschen wurden ebenfalls in der Nacht in der Stadt Garissa nahe der somalischen Grenze umgebracht. 20 Verletzte gab es bei einer Massenpanik in Kitengela nahe Nairobi. Bei der Organisation gab es vielfach Mängel und Verzögerungen, Wahllokale sollten deshalb länger geöffnet bleiben.

Eine schwierige Konstellation. "Aber ich glaube, dass die Wahlen diesmal fair sind", sagt Gode. Einige der Umstehenden nicken. Und falls Odinga wieder verliert? "Wenn wir das Gefühl haben, dass das nicht mit rechten Dingen zuging, wenden wir uns an die Gerichte", beteuert Gode. Das sagen viele der Wartenden. Die Reform der Justiz gehört zu den größten Veränderungen in Kenia, die nach den Unruhen eingeleitet wurden. "Es wird friedlich bleiben", hofft auch Esther Wambui, die eine Stirnbinde mit der Aufschrift "Frauen für den Frieden" und ihr Baby auf dem Rücken trägt.

Bettina Rühl
(epd)