21.01.2013

Jubiläum für deutsch-französischen Vertrag 50 Jahre

Deutschland und Frankreich feiern Goldene Hochzeit. Vor 50 Jahren, am 22. Januar 1963, unterzeichneten Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in Paris den Elysee-Vertrag.

Das Bild vom Handschlag der beiden Staatsmänner war von großer Symbolkraft. Demonstrativ wollten sie die immer wieder beschworene Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich beenden. Zum Jubiläum gibt es eine große Feier: Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die 577 Abgeordneten des französischen Parlaments für Dienstag nach Berlin eingeladen. Die deutschen und französischen Parlamentarier wollen eine Gemeinsame Erklärung verabschieden und im Bundestag debattieren. Auch die Regierungen beider Länder tagen zusammen. Zum 40. Jahrestag gab es einen ähnlichen Festakt - damals im Spiegelsaal von Versailles, mit dem sich zahlreiche Tiefst- und Höhepunkte deutsch-französischer Geschichte verbinden.

Ob pfälzischer Erbfolgekrieg (1688-1697) mit der Zerstörung des Heidelberger Schlosses und der Pfalz, Napoleons Eroberungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts, deutsch-französischer Krieg (1870/71), ob Erster (1914-18) oder Zweiter Weltkrieg (1939-45): Über Jahrhunderte war das Verhältnis der Nachbarn am Rhein vergiftet. 1945 gehörte Frankreich zu den vier Besatzungsmächten im zerstörten Nachbarland. Leitlinie der Politik war "Sicherheit vor Deutschland". Von dort sollte nie wieder eine militärische Bedrohung ausgehen.

Das Misstrauen schwand nur langsam. Fünf Jahre nach Kriegsende zeigte sich der französische Außenminister Robert Schuman überzeugt, dass Europa nur eine friedliche Zukunft habe, wenn Deutschland und Frankreich sich annäherten. Montanunion und Europäische Wirtschaftsgemeinschaft waren Meilensteine auf dem Weg zu neuer Freundschaft - auch wenn Frankreich die europäische Einigung vor allem als Mittel zur Kontrolle des unheimlichen Nachbarn betrachtete.

Regelmäßige Konsultationen

Adenauer und de Gaulle festigten die Freundschaft durch hoch symbolische Staatsbesuche. Anfang September 1962 wandte sich de Gaulle auf dem Bonner Marktplatz in deutscher Sprache an «das große deutsche Volk - jawohl! das große deutsche Volk!» Auch in der gemeinsamen Erklärung zum Elysee-Vertrag wurde betont, "dass die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern einen unerlässlichen Schritt auf dem Weg zu einem vereinten Europa bedeutet".

Hauptziel des Vertrages war es, durch regelmäßige Konsultationen auf höchster Ebene gemeinsame Konzepte in der Außen- und Verteidigungspolitik sowie der Jugend- und Kulturpolitik zu entwerfen. Beide Seiten setzten Koordinatoren für die Zusammenarbeit sowie Bevollmächtigte für kulturelle Angelegenheiten ein. Im Juli 1963 wurde das Deutsch-Französische Jugendwerk gegründet - nach Einschätzung des Historikers Alfred Grosser die größte Leistung des Vertragswerks.

Allerdings musste De Gaulle auch eine bittere Pille schlucken. Der Bundestag setzte dem Vertrag eine Präambel voraus, in der klar gestellt wurde, dass der Vertrag die Zusammenarbeit in der NATO oder die Partnerschaft mit den USA nicht beeinträchtige - eine Ohrfeige für den General, der den US-Einfluss in Europa zurückdrängen wollte.

Inzwischen Normalität

Auf lange Sicht wurde der Elysee-Vertrag zur Erfolgsgeschichte. 1988 ergänzten Bundeskanzler Helmut Kohl und de Gaulles Nachfolger Francois Mitterrand das Abkommen durch die Einsetzung von Räten für Verteidigung, Wirtschafts- und Währungspolitik. Inzwischen sind die nachbarschaftlichen Beziehungen zur Normalität geworden, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert jetzt noch einmal in einem Interview der Zeitung "Das Parlament" betonte.

Zugleich warnte er vor schädlicher Routine oder Erstarrung. Nach wie vor hätten Deutsche und Franzosen in vielen politischen Fragen ganz unterschiedliche Interessen und Mentalitäten. Die Begeisterung hat nachgelassen, was sich auch in der abnehmenden Zahl an Schülern zeigt, die die jeweils andere Sprache lernen. Dennoch, so der CDU-Politiker, bleibe die Verständigung zwischen den beiden Nachbarn die Voraussetzung für die europäische Einigung.

Christoph Arens
(KNA)