19.01.2013

Ein Weihbischof übernimmt die Schirmherrschaft über eine Partnervermittlung "Ich und Du"

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke hat ein Herz für Liebende.  Nun übernimmt er die Schirmherrschaft über die Partnervermittlung "Ich und Du".

Seit vielen Jahren lädt Hauke am Valentinstag zu einem "Ökumenischen Segnungsgottesdienst für alle, die partnerschaftlich unterwegs sind" Und weil das Herz des Weihbischofs groß ist, finden auch jene dort einen Platz, die noch nicht partnerschaftlich unterwegs sind, es aber gerne sein wollen. Ihnen will der erfahrene Seelsorger nun auf seine Weise helfen. "Ich und Du", bisher ausschließlich in Hamburg tätig, eröffnet am 1. Februar ein zweites Büro in der Kleinen Arche 5 in Erfurt. Gegründet wurde die Partnervermittlung 1999 von Ulrike Grave (62). Ihr Anliegen: "Mir geht es darum, etwas gegen die Einsamkeit zu tun." - Das ist nicht einfach so dahin gesagt. Während ihrer 25-jährigen Tätigkeit als Telefonseelsorgerin in Hamburg machte Frau Grave die Erfahrung, dass Einsamkeit ein um sich greifendes Phänomen in der modernen Gesellschaft ist. Auflösung der Familienstrukturen, geforderte Flexibilität und Mobilität im Berufs- und Privatleben sowie ein sich veränderndes Wertesystem erschweren die Partnersuche und langfristige Bindungen. Kurz: "Einsamkeit ist zu einer zentralen Not unserer Zeit geworden", sagt Frau Grave, die auch seit 1988 als Paar- und Familientherapeutin - zusammen mit ihrem Mann - arbeitet.

Von der Not der Einsamkeit wussten Katholiken in der Diaspora schon vor 90 Jahren ein trauriges Lied zu singen. Das lag vielleicht weniger an gesellschaftlichen Entwicklungen, hatte aber auf jeden Fall mit der Zerstreuung, wie "Diaspora" übersetzt heißt, zu tun. Wo katholische Männer und Frauen als zum Teil winzige Minderheit leben, endete die Suche nach einem Partner gleicher Konfession oft ohne Erfolg. Priester der Bistümer Fulda und Hildesheim gründeten darum 1923 das "Institut Nazareth", das Ehen anzubahnen half. Im Gefolge dieses Institutes gab es auch im heutigen Bistum Erfurt schon zu Zeiten der DDR eine Ehevermittlung, die Anfragen aus ganz Ostdeutschland entgegen nahm und bis 2003 hauptamtlich und dann noch ehrenamtlich bearbeitete.

Ende Januar schließt das Bistum die Stelle ganz. "Das geschieht nicht allein aus finanziellen Gründen", erklärt Weihbischof Hauke. Angesichts der Veränderungen in der Gesellschaft und im Zeitalter von Internet und Social Media hätte man ein völlig neues Konzept auf die Beine stellen müssen. "Handschriftliche Briefe der Interessenten und die Zuteilung von Kontaktdaten wird heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Das muss man bei allem Engagement und allen Verdiensten, die die bisherige Ehevermittlung hatte, nüchtern sehen", resümiert Hauke. Nach fast 14 Jahren in der Partnervermittlung stimmt Ulrike Grave dem Weihbischof zu.

Zufälliger Kontakt

Man kann nicht behaupten, dass die beiden Projektpartner sich gesucht hätten. Der Kontakt kam eher zufällig durch einen ehemaligen Theologiestudenten zustande, der von der Schließung der Ehevermittlung in Erfurt wusste und bei Recherchen zum Thema Singlehaushalte auf die Tätigkeit von Frau Grave gestoßen war. Durch seine Vermittlung kam es zu einem Gespräch, an dessen Ende feststand, dass die Partnervermittlung "Ich und Du" ein zweites Büro in der Thüringer Landeshauptstadt gründen wird, auch wenn Ulrike Grave ursprünglich nicht vorgehabt hatte zu expandieren. Ein Jahr hat sie sich gegeben, um zu prüfen, ob es funktioniert. Sie selbst wird dazu zwischen Hamburg und Erfurt pendeln.

Ihre Partnervermittlung wird auch in Erfurt als ein institutionell und wirtschaftlich unabhängiges Unternehmen wirken, das auf einem christlichen Wertefundament arbeitet und Menschen zusammenführt, die einen Partner für eine dauerhafte Beziehung suchen. Eine direkte Verbindung zum Bistum Erfurt gibt es nicht. Der Weihbischof fungiert als Person und nicht qua Amt als Schirmherr. Doch Frau Grave ist diese Schirmherrschaft wichtig.

Ursprünglich hatte sie die Partnervermittlung als Einrichtung der Diakonie gründen wollen, was sich in Hamburg aber nicht realisieren ließ. Ohne Unterstützung sollte sie dennoch nicht bleiben. Dr. Stephan Reimers, damals Leiter des Diakonischen Werkes, bürgte in der Startphase von "Ich und Du" als Schirmherr für die Seriosität ihrer Arbeit. Als Telefonseelsorgerin hatte Frau Grave immer wieder mit Menschen zu tun, die an unseriöse Vermittler geraten waren und, statt das Glück zu zweit zu finden, finanziell über den Tisch gezogen wurden. Um von der mangelhaften Betreuung, wenn es die überhaupt gegeben hatte, ganz zu schweigen.

Der Sehnsucht nach Zweisamkeit entspricht mittlerweile ein ausuferndes Online-Angebot an Kontaktbörsen und Vermittlungsstellen. Auch "Ich und Du" ist im Internet zu finden, aber nur zur Information und für die Kontaktaufnahme mit Frau Grave. Ansonsten ist die ganzjährige persönliche Betreuung und die ständige Erreichbarkeit das große Plus ihrer Partnervermittlung. Deren Angebot gilt nicht nur Frauen und Männer, die einer Kirche angehören, sondern steht fast allen Interessierten offen. "Nasse" Alkoholiker, Rechts- und Linksradikale sowie emotional (noch) gebundene Männer und Frauen werden nicht vermittelt. Homosexuellen empfiehlt sie, eine auf diese Zielgruppe spezialisierte Agentur aufzusuchen, obwohl Ulrike Grave weder homophob ist, noch Schwule und Lesben diskriminieren will. "Nur spezialisierte Partnervermittlungen haben den Zulauf, der eine Partnersuche überhaupt möglich macht", erklärt sie.

Persönliches Aufnahmegespräch
Wer Kontakt mit "Ich und Du" aufnimmt, wird zu einem zweistündigen so genannten "Aufnahmegespräch" eingeladen. Dabei lernt Ulrike Grave den Interessenten kennen und nimmt die persönlichen Daten sowie die Wünsche und Ausschlusskriterien auf. Diese Begegnung beugt auch Enttäuschungen und Frustrationen durch unrealistische Selbstbeschreibungen und Erwartungen vor, die bei späteren Kontakten mit möglichen Partnern auf beiden Seiten entstehen können. Ein Vertrag wird erst unterschrieben, wenn der vom Klienten in aller Ruhe zu Hause studiert und bedacht worden ist; er gilt für ein Jahr. In dieser Zeit macht Frau Grave in unbegrenzter Zahl Partnervorschläge, die den Vorstellungen des Klienten entsprechen. Da Frau Grave das wirtschaftliche Risiko trägt, muss sie für ihre Tätigkeit ein Honorar verlangen. Seit 2002 sind das unverändert 680 Euro für ein Jahr, eine Verlängerung des Vertrages kostet 480 Euro. Wer sich mit Partnervermittlungen auskennt, weiß, dass sich diese Beträge auf dem untersten Niveau bewegen. Bei Nichterfolg gibt es sogar eine Rückzahlung von 120 Euro. Das ist einmalig in der Branche der Partnervermittlungen, sagt Frau Grave.

Doch wer will am Anfang, dem ja immer ein Zauber innewohnen soll, von Nichterfolg sprechen. Ulrike Grave schaut jedenfalls für Erfurt positiv in die Zukunft: "Die meisten meiner Klieneten haben bisher einen passenden Partner oder eine passende Partnerin bei mir gefunden." Darauf hofft auch der Schirmherr: "Es ist mir ein Anliegen, für Christen und Nichtchristen eine Möglichkeit zu schaffen, sich kennen zu lernen, um Partner für ein gemeinsames Leben zu werden. In unserer mobilen Zeit braucht es dazu bisweilen eine Hilfestellung von kompetenten und einfühlsamen Menschen. Ich erhoffe mir von der neuen Partnervermittlungsstelle in Erfurt eine solche Hilfestellung von Frau Ulrike Grave und erbitte dafür Gottes Segen." Am 1. Februar wird Weihbischof Hauke das Erfurter Büro von "Ich und Du" einweihen. (BistumsPressedienst Erfurt)