09.01.2013

Haitianer warten auf Einreiseerlaubnis in Dominikanische Republik Kein Zurück

Über Weihnachten haben sie ihre Familien besucht - jetzt verweigert die Dominikanische Republik haitianischen Gastarbeitern die Rückreise ins Land. Die Spannungen wachsen auf beiden Seiten; ein Vermittlungsversuch der Kirche ist gescheitert.

Die Vermittlungsgespräche der katholischen Kirche zur Lösung eines Einreisekonflikts zwischen Haiti und der benachbarten Dominikanischen Republik sind am Dienstag (Ortszeit) offenbar vorläufig gescheitert. Das teilte der Bischof von Mao-Montecristi, Diomedes Antonio Espinal de Leon, mit.

Über die Festtage waren viele haitianische Hilfsarbeiter aus der Dominikanischen Republik zurück in ihr Heimatland gereist. Jetzt warten laut Medienberichten mehr als 1000 von ihnen seit Tagen auf eine Einreiseerlaubnis, um ihre Arbeit auf Plantagen in der Dominikanischen Republik wieder aufnehmen zu können. Die meisten haben keine gültige Aufenthaltsgenehmigung  - und die Einreisebehörde der Dominikanischen Republik verweigert ihnen mit Blick auf die fehlenden Papiere eine erneute Einreise.

Kompromissvorschlag abgelehnt

Den Kompromissvorschlag, zumindest jene Arbeiter einreisen zu lassen, die über einen gültigen Reisepass verfügen, lehnte die Behörde ab. Angesichts der Zustände an der Grenze wachsen die Spannungen auf beiden Seiten. Unbekannte zündeten vor den Büros der kirchlichen Menschenrechtsorganisation "Solidaridad Fronteriza" Autoreifen an. Augenzeugen machten wütende Geschäftsleute für die Protestaktion verantwortlich, die wegen der Unruhe Umsatzeinbußen während einer gleichzeitig laufenden Messe hinnehmen mussten.

Die Tageszeitung "Diario Horizonte" berichtet, dass der Leiter der Organisation, der Jesuitenpater Regino Martinez Breton, vor den wütenden Einzelhändlern von Sicherheitskräften und Militärs in Sicherheit gebracht werden musste. Martinez hatte vor wenigen Tagen mit einer «Mahnwache» auf das Schicksal der gestrandeten Plantagenarbeiter aufmerksam gemacht und tritt als Vermittler der Kirche in dem Konflikt auf.

Menschenunwürdige Bedingungen

Unterdessen sollen wütende Haitianer Sicherheitsbeamte des ehemaligen dominikanischen Präsidenten Leonel Antonio Fernandez Reyna angegriffen haben, der eine mit Unterstützung des Nachbarlandes in Haiti errichtete Universität besuchen wollte.

Laut Angaben von Menschenrechtsorganisationen arbeiten zehntausende von haitianischen Arbeitern unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen auf den Plantagen im Nachbarland, meist ohne gültige Arbeitserlaubnis. Großgrundbesitzer nutzen mit Billiglöhnen die Lage der illegalen Arbeitskräfte aus. Haiti gilt als das ärmste Land auf der westlichen Hemisphäre. Das schwere Erdbeben von 2010 verschärfte die Lage zusätzlich.
 

(KNA, dr)