24.08.2012

Annette Schavan über politischen Katholizismus, die CDU und ihr Aus als Vize Mein Verständnis von Verantwortung

Im Dezember hört Bundesbildungsministerin Annette Schavan als stellvertretende CDU-Vorsitzende auf und scheidet damit aus dem Parteipräsidium aus. Im Interview weist sie Kritik eines mangelnden Profils der CDU zurück und fordert eine Rückbesinnung auf den politischen Katholizismus.

KNA: Frau Ministerin, nach 14 Jahren als Vize-Vorsitzende: Hat die CDU in dieser Zeit an Profil verloren?
Schavan: Nein, Profil verliert in der Politik, wer keine relevanten Antworten gibt. Profil verliert, wer im Selbstgespräch versinkt. Die CDU hat in den zurückliegenden 14 Jahren sensibel gesellschaftliche Veränderungen gestaltet und daran ihr Profil geschärft. Nehmen Sie als Beispiel ein Thema wie die Bewahrung der Schöpfung und die Energiewende.

KNA: Diese Veränderungen haben aber an der Basis ja gerade Verunsicherung hervorgerufen. Spüren Sie das?
Schavan: Wer sich treu bleiben will, muss sich verändern können. Das ist anstrengend, kann auch verunsichern. An der Basis finden Sie aber sowohl diejenigen, die meinen, wir müssten liberaler werden, als auch diejenigen, die es gerne konservativer hätten. Meine Erfahrung ist: Wir überzeugen durch unsere konkreten Konzepte und Lösungen, nicht durch theoretische Profildebatten. Und wir müssen überzeugend darlegen, welche Werte und Grundhaltungen uns tragen. Wer sich verändern will, muss wissen, wofür er steht.

KNA: An den Werten mangelt es ja heute gerade, meinen einige. Anders als bei der alten CDU?
Schavan: Mit Verlaub: Ich komme aus der alten CDU. Und stehe dazu. Ich bin seit 40 Jahren Mitglied. Fortschrittsverweigerung war doch in der CDU niemals ein Wert. Die Partei war von Anfang an auf neues Denken und neue Wege ausgerichtet. So stand es auf den Plakaten, mit denen zur Gründung der CDU aufgerufen wurde. Schon die Entscheidung, Ende der 40er Jahre eine Partei ins Leben zu rufen, in der Protestanten und Katholiken zusammenarbeiten, war der Zeit weit voraus. Die CDU war nie primär Programmpartei, immer antiideologisch.

KNA: Führt das nicht zu Beliebigkeit?
Schavan: Nein, das schärft den Blick für die Wirklichkeit und verlangt Anstrengung, die eigenen Werte im konkreten Handeln unter Beweis zu stellen.

KNA: Ein Beispiel?
Schavan: Keine Partei debattiert so ernsthaft über bioethische Fragen. Keine Partei hat so konsequent an der deutschen Wiedervereinigung festgehalten. Keine Partei hat in über sechs Jahrzehnten Familienpolitik so geprägt wie wir. Das ist manchmal anstrengend, wenn klar wird, Familienwelten sind vielfältiger geworden. Deshalb schaffen wir Kita-Plätze und führen das Betreuungsgeld ein. Wir idealisieren weder Berufstätigkeit noch Familienarbeit.

KNA: Mit Ihnen verlässt auch eine Katholikin die Parteiführung...
Schavan: Meine Herkunft aus dem rheinischen Katholizismus prägt mich sehr, das kann ich auch in Berlin nicht verleugnen. Ich bin davon überzeugt, dass im politischen Katholizismus eine große Kraft für eine menschenfreundliche Politik steckt, die sich eine Welt nicht ohne Gott vorstellen kann. Daher kommt mein Verständnis von Verantwortung.

KNA: Sind Sie damit so etwas wie die Letzte Ihrer Art?
Schavan: Ich gehe aus einem Amt, nicht aus der Politik. Im Übrigen gibt es in der CDU in allen Generationen interessante und engagierte evangelische und katholische Christen, die auch in ihren Kirchen wirken.

KNA: Der politische Katholizismus aber schwächelt?
Schavan: Im politischen Katholizismus stecken kraftvolle Impulse und wichtige Erfahrungen, auch in geistlicher Hinsicht. Deshalb sollte sich niemand ins Bockshorn jagen lassen von denen, die Veränderungen in Kirche und Welt fürchten. Und wir dürfen uns nicht verheddern in innerkirchlichen Debatten. Manchmal beschäftigen wir uns zu viel mit dem Themen von gestern, statt die Themen von morgen aufzuspüren. Der politische Katholizismus muss sich überzeugend einbringen - in ökumenischer Perspektive.

Das Gespräch führte Volker Resing.

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