17.06.2012

Die begrenzte Stärke der Schwellenländer Großmächte in Kinderschuhen

Ab Montag kommen in Mexiko die G-20-Staaten zusammen, zu denen auch die großen Schwellenländer gehören. Deren wirtschaftliche Macht wächst, selbstbewusst treten sie bei ihren Gipfeln und Klima-Konferenzen auf. Tatsächlich aber sind die gemeinsamen Interessen von Ländern wie Indien, China und Brasilien begrenzt.

In der internationalen Politik haben sich die Gewichte verschoben: Die wirtschaftlich aufstrebenden Schwellenländer sind bedeutende Akteure auf dem diplomatischen Parkett geworden. Eine neue Machtbalance entsteht, die die bisherige Führungsrolle der Industrienationen auf der Weltbühne relativiert. Das spiegelt sich auch in der wachsenden Bedeutung der G-20-Treffen wider, bei denen die wichtigsten Schwellen- und Industrieländer gleichberechtigt an einem Tisch sitzen. Zu ihrem nächsten Gipfel kommen die G-20-Staaten am 18. und 19. Juni im mexikanischen Los Cabos zusammen.

Doch wie weit reicht die neue Macht von Ländern wie China und Indien tatsächlich? Gemein ist ihnen vor allem ein hohes Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren. "Die gemeinsamen Interessen dieser Staaten sind jedoch beschränkt", urteilt die Schwellenländer-Expertin Claudia Schmucker von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. "Bei relativ wenigen Themen sind sie einer Meinung."

Die Investmentbank Goldman Sachs erfand vor rund einem Jahrzehnt die griffige Abkürzung BRIC - für einen künftigen Machtblock aus Brasilien, Russland, Indien und China. Ein analytisches Konzept, das der US-amerikanische Politikprofessor Joseph Nye für eher undifferenziert hält. "Tatsache ist, dass dieser Viererbund Länder in sich vereint, zwischen denen etliche Abgründe klaffen", schreibt Nye in seinem Buch "Macht im 21. Jahrhundert".

Einträchtig in der Blockade-Haltung
Unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Strukturen begründen divergierende Interessen. So hält China als Exportmacht seinen Wechselkurs niedrig, um seine Waren auf dem globalen Markt zu verbilligen - was vor allem für Brasilien ein Problem ist, wie Wirtschaftswissenschaftlerin Schmucker erläutert. Für Indien wiederum steht bei Gipfeln häufig das Thema Armutsbekämpfung im Vordergrund. Denn dort leben laut Weltbank immer noch mehr als 40 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar am Tag.

Immerhin hat die Wortschöpfung von Goldman Sachs dazu geführt, dass die BRIC-Länder sich tatsächlich zu einer informellen Gruppe zusammengefunden haben. Seit 2009 stimmen sie ihre Positionen miteinander ab. Mittlerweile ist ein BRICS-Forum daraus geworden: Südafrika hat sich angeschlossen.

Einträchtig treten sie vor allem dann auf, wenn sie sich international auf eine Blockade-Haltung einigen. Deutlich wird das etwa bei den Klima-Verhandlungen, wo sich etwa China und Indien bislang keine wirklichen Zugeständnisse zur CO2-Reduktion haben abringen lassen. Auch bei der laufenden Welthandelsrunde stemmen sie sich gemeinsam gegen eine weitere Öffnung ihrer Märkte.

Die ökonomische Stärke wird wachsen
Zwischenstaatliche Pflichten lehnen sie dabei oft mit der Begründung ab, dass sie beim Lebensstandard noch deutlich aufholen müssen, um mit den Industriestaaten gleichzuziehen. So sind die Schwellenstaaten wichtige ökonomische Akteure, übernehmen aber aufgrund ihres Entwicklungsrückstandes kaum internationale politische Verantwortung. Von "unreifen Supermächten" spricht der britische Kolumnist Martin Wolf.

Eines der wenigen konkreten Ziele der Schwellenländer ist die Reform der internationalen Finanzinstitutionen. Die BRICS fordern mehr Stimmrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF), wie es ihnen bereits 2010 zugesagt wurde. Die Industrieländer verlangen allerdings im Gegenzug, dass Staaten wie China ihre Mittel für den IWF aufstocken - Geld, das zur Bewältigung der Euro-Krise benötigt wird. Reform und finanzielle Ausstattung des IWF werden ein zentrales Thema beim G-20-Gipfel in Mexiko sein.

Sicher ist: Die ökonomische Stärke der Schwellenländer wird weiter zunehmen - aber womöglich weniger rasant als bislang. China etwa verzeichnete zwischenzeitlich Rückgänge beim Exportwachstum, denn die Absatzmärkte in der EU und den USA schwächeln. Jüngst korrigierte der IWF seine Jahreswachstumsprognose für das Reich der Mitte von 8,2 auf 8 Prozent nach unten.

Der Politologe Nye zweifelt daran, dass China auf absehbare Zeit zu einem ebenbürtigen Konkurrenten der USA aufsteigen wird. Bei der militärischen Stärke und weichen Machtfaktoren wie dem kulturellen Einfluss werde Amerika noch lange die Chinesen überflügeln. Lineare Projektionen in die Zukunft - etwa aufgrund gegenwärtiger ökonomischer Daten - seien ohnehin nur von beschränktem Wert, schreibt Nye: "Es gibt ein ganzes Spektrum möglicher Zukunftsszenarien, nicht nur eines."

Stefan Fuhr

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