16.05.2012

Köln trauert um Oberbürgermeister a.D. Norbert Burger Ein Mann des Dialogs

Norbert Burger, dienstältester Oberbürgermeister Kölns seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts und Kölner Ehrenbürger, ist heute von 79 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben. Burger initiierte die Städtepartnerschaft zu Bethlehem, dessen Partnerschaftsverein er bis zu seinem Tode vorstand. Zudem war er Vorstandmitglied der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Oberbürgermeister Jürgen Roters würdigte die Verdienste Burgers um seine Heimatstadt: "Mit Norbert Burger verliert Köln eine ihrer herausragenden Führungspersönlichkeiten, ohne die unsere Stadt nicht das geworden wäre, was sie heute ausmacht. Bei all seinen Initiativen und Entscheidungen behielt er immer den Menschen im Blick." Roters ordnete Trauerbeflaggung an und lässt im Rathaus ein Kondolenzbuch auslegen.

Schon zu Beginn seiner Laufbahn bei der Stadt Köln als Leiter des Schulverwaltungsamts Anfang der 1960er Jahre lautete Burgers Credo: "Politik und Verwaltung haben das Beste für die Stadtgesellschaft zu leisten". Das galt auch später als Beigeordneter für Jugend und Soziales (1970 bis 1973), Ratsmitglied (1975 bis 1999), Landtagsabgeordneter (1985 bis 2000) und Oberbürgermeister. Am 30. September 1999 schied er nach 19 Jahren Amtszeit als Stadtoberhaupt aus dem aktiven Dienst aus. Er begleitete aber bis zuletzt aktiv die Geschicke seiner Heimatstadt, ob als Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Bethlehem, in seinen zahlreichen Funktionen in Kölner Karnevalsvereinen oder der "Akademie för uns kölsche Sproch".

Ehrenbürger seit 1999
Noch im Jahr seines Ausscheidens als Oberbürgermeister, am 21. Oktober 1999, beschloss der Kölner Rat, Burger wegen seiner Verdienst um seine Vaterstadt die Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln zu verleihen. In der Verleihungsurkunde heißt es: "Sein Leitbild war immer die solidarische Stadt, eine Stadt, die allen Bürgerinnen und Bürgern Raum lässt und Chancen eröffnet." Die Urkunde überreichte ihm der damalige Oberbürgermeister Harry Blum am 24. November 1999 auf einer Festsitzung des Rats, bei der auch Ministerpräsident Wolfgang Clement zu Gast war.

Bereits in jungen Jahren musste Norbert Burger nach dem Krieg große Verantwortung für seine Familie übernehmen. OB Roters ist sicher, dass dies seine Auffassung von einer sozialen Stadtgesellschaft prägte: "Alle gesellschaftlichen Gruppen, die Wirtschaft, die Verbände, die Kirchen, die Menschen in den Veedeln und die Politik, sie brachte er zusammen, um Kölns Entwicklung menschenfreundlich, modern und zukunftssicher zu gestalten. Die Stadt Köln ist Norbert Burger zu großem Dank verpflichtet. Seine innere Haltung und sein Wirken waren und sind heute noch beispielhaft. Köln und seine Bürger werden ihrem früheren Oberbürgermeister Norbert Burger ein ehrendes Angedenken bewahren."

Kölsche Jung
Norbert Burger wurde 1932 in Köln geboren und absolvierte hier auch sein Jurastudium. 1963 trat er in den Dienst der Stadt Köln ein. Als Leiter des Schulverwaltungsamts legte er maßgebliche Grundsteine für die heutige Kölner Schullandschaft. Die Gründung von zehn städtischen Gymnasien und vier Gesamtschulen, der Aufbau eines differenzierten Sonderschulwesens und die Neuordnung von konfessionellen und Gemeinschaftsgrundschulen waren die dringendsten Aufgaben, denen er sich stellte. Im neuen Kölner Schulsystem konnte jeder, unabhängig davon, in welchem Bildungsgang er seine schulische Laufbahn begann, die Hochschulreife erlangen. Das war damals in der Bundesrepublik einzigartig und fand bundesweit Beachtung.

1970 wählte ihn der Kölner Rat zum Dezernenten für Jugend und Soziales. In seiner Amtszeit bis 1973 verdreifachte sich die Zahl der städtischen Kindergärten, die der Jugendheime wuchs um mehr als das Doppelte. Die städtischen Alten- und Pflegeheime erhielten eine neue Struktur, es entstanden soziale Beratungsstellen und zahlreiche Projekte des Sozialen Wohnungsbaus. Burger rief auch die ersten Informations- und Beratungsstellen für Menschen mit ausländischen Wurzeln ins Leben.

Förderer des christlich-jüdischen Dialogs
Bundeskanzler Willy Brandt berief den engagierten Sozialpolitiker in seinen engeren Führungsstab, und Burger übernahm die stellvertretende Leitung des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung. Unter Kanzler Helmut Schmidt wechselte er in das Entwicklungshilfeministerium, eine Funktion, die er zwar nicht angestrebt hatte, die aber seine spätere Amtsführung in Köln nachhaltig prägte. Der Blick auf andere Kontinente und Lebensverhältnisse legten den Grundstein für sein kommunales Engagement für internationale Verständigung. Auch seiner Initiative ist es zu verdanken, dass Köln heute über 24 internationale Städtepartnerschaften verfügt. Dazu zählt auch die zu Bethlehem, dessen Partnerschaftsverein er bis zu seinem Tode vorstand.

International gab er den Kommunen von 1995 bis 1997 als Präsident der International Union of Local Authorities (IULA) Gewicht und Stimme. Zu seinen großen Anliegen gehörte, den christlich-jüdischen Dialog auch auf kommunaler Ebene zu fördern. Seit 2005 war er Vorstandmitglied der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Nach den Kommunalwahlen 1975 zog Burger in den Kölner Stadtrat ein. 1980 wählte ihn der Rat mit 69 von 86 Stimmen als Nachfolger von John van Nes Ziegler zum Kölner Oberbürgermeister. Dieses Amt übte er 19 Jahre lang mit einer immer wieder bewunderten Energie aus. Bedeutende Entwicklungen in Köln sind mit seiner Amtszeit untrennbar verbunden: Das Dom/Rhein-Projekt, der Museumskomplex mit der Philharmonie und die Tieferlegung der Rheinuferstraße rückten die Kölner Altstadt als Herz Kölns unmittelbar an den Rhein. Die Stadt mit ihrem Kulturangebot gelangte auch musikalisch wieder in die internationale Spitzengruppe. Die bis dahin noch offenkundigen Kriegsschäden verschwanden, 1985 feierte man die Wiederherstellung aller zwölf romanischen Kirchen in der Innenstadt. Der wirtschaftliche Umbau, verbunden mit der Aufgabe von großen Kölner Industriebetrieben, erforderte ein umsichtiges Stadtmanagement mit der Zukunft im Blick. 1994 schloss die Chemische Fabrik Kalk, Klöckner-Humboldt-Deutz und Felten & Guilleaume bauten massiv Arbeitsplätze ab. Ein neuer wirtschaftlicher Schwerpunkt, die Medienwirtschaft, sorgte dagegen für Aufschwung. Der Mediapark, die Ansiedlung von RTL, der Bau von Studios, etc. zeugen vom erfolgreichen Wandel. Vor Ort engagierte sich die Stadt mit Nachdruck für ein "Flächenrecycling". An die Stelle von schlichten Industriehallen sind heute moderne Handelszentren und Wohnbauten getreten. Gemeinsam mit dem Rat setzte Burger die ersten Gespräche über die heute längst realisierte städtebauliche Entwicklung links und rechts des Rheinufers in Gang.

Die Kölner Stadtentwicklung musste einhergehen mit dem gleichzeitigen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Köln bekam eine Anbindung an das internationale Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn, der Regionalverkehr und das S-Bahn-Netz wurden kontinuierlich ausgebaut. Im Aufsichtsrat des Köln-Bonner Flughafens und der Kölnmesse begleitete Burger die Entwicklung dieser beiden bedeutenden wirtschaftlichen Infrastruktureinrichtungen.

Als Oberbürgermeister der viertgrößten Stadt in der Bundesrepublik wählte ihn der Deutsche Städtetag im Mai 1993 zu seinem Präsidenten. Dieses Amt übte er bis zum Mai 1995 aus. Ministerpräsident Johannes Rau würdigte im Oktober 1996 die Verdienste Norbert Burgers um das Gemeinwesen mit der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern. Der Belgische König ehrte ihn ebenfalls 1996 mit dem Kommandeurkreuz im Leopold-Orden. Nicht zuletzt gehörte Burger zu den Vätern der regionalen Kooperation im Verein Regio Köln Bonn und Nachbarn e.V.