04.03.2012

Aktuelle Zahlen lassen die Politik am Sinn der Babyklappe zweifeln Ziel verfehlt?

Der Verbleib von etwa 200 anonym geborenen oder in einer Babyklappe abgelegten Kindern ist ungeklärt – das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Ingrid Fischbach fordert deshalb das Aus für die Babyklappe. Im domradio.de-Interview erklärt die CDU-Familienpolitikerin, warum.

domradio.de: Warum fordern sie nicht nur strengere Regelungen, sondern auch eine Abschaffung der Babyklappen?
Fischbach: Wir haben uns parallel in der Politik natürlich überlegt: Wie man dem Wunsch der Mütter, die in Bedrängnis und Notsituationen sind, nachkommen? So dass sie anonym gebären können. Dem Wunsch wollen wir nachkommen, mit Regelungen zur vertraulichen Geburt. Und wenn wir diese auf den Weg bringen, haben wir leider keine rechtlichen Handhabungen mehr, die Babyklappen, bzw. die anonyme Geburt parallel laufen zu lassen.

domradio.de: Wie sieht die vertrauliche Geburt dann aus?
Fischbach: Wir könnten uns vorstellen, dass die Mütter die Möglichkeit haben, für eine gewisse Zeit anonym zu bleiben; d.h. wir sorgen dafür, dass bei der vertraulichen Geburt die Mutter im Krankenhaus entbinden kann, dass sie die entsprechende ärztliche Versorgung hat. Dass aber auch das Kind die ärztliche Versorgung hat. Und dass die Mutter dann ihre Daten einer bestimmten Stelle hinterlegt. Und über eine gewisse Zeit werden diese Daten geheim gehalten. Die Mütter können dann für sich in Ruhe die persönliche und familiäre Situation klären und danach entscheiden, dass die Daten dann auch abgerufen werden und das Kind zur Adoption freigegeben werden kann.

domradio.de: Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger spricht sich für eine Weiterentwicklung des Konzepts der vertraulichen Geburt aus. Zugleich plädiert er aber dafür, Angebote der anonymen Geburt als "Ultima Ratio" zur Rettung von Leben beizubehalten. Ist nicht zu befürchten, dass mit der Abschaffung von Babyklappen doch wieder Fälle von Kindstötung passieren?
Fischbach: 1999 war ich die Erste, die sagte: Und wenn wir nur ein Kind retten, sind diese Einrichtungen richtig. Wir haben nun durch die Studie und ihre Zahlen feststellen müssen, dass sich genau dieses Ansinnen nicht erfüllt. Die Zahlen sind konstant geblieben. Mir persönlich tut das sehr weh. Erst gerade haben wir einen Fall erlebt, bei dem ein Neugeborenes in den Kofferraum gelegt wurde, obwohl in unmittelbarer Nähe auch eine Babyklappe war. Wir sehen: Wir treffen nicht genau das, was wir wollen. Und deshalb müssen wir uns zusammensetzen und Alternativen bieten. Ich gebe dem Weihbischof Recht: Jede Alternative, die Leben rettet, sollte erhalten bleiben. Nur müssen wir auch schauen, dass das Ganze mit dem Recht des Kindes auf Herkunft einhergeht. Und mit der Rechtssicherheit, die die verantwortlichen Betreiber brauchen.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

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