28.10.2011

Bayerns Landesbischof Bedford-Strohm im domradio.de-Interview "Gemeinsam haben wir was anzubieten"

Er gilt als einer der profiliertesten evangelischen Theologen – und wurde nun als neuer bayerischer Landesbischof eingeführt: Im domradio.de-Interview spricht Heinrich Bedford-Strohm über Ökumene, Reformationstag und Gelassenheit gegenüber dem Halloween-Trend.

domradio.de: Zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch zur Amtseinführung. Schon im April wurden Sie gewählt, gestern jetzt die Einführung. Schildern Sie uns noch einmal ihre Eindrücke von der Einführung.
Bedford-Strohm: Es war ein wunderbarer Tag für mich. Die ökumenische Weltkirche war in der Lorenzkirche versammelt. Menschen von allen Kontinenten waren da: Kardinal Marx, Erzbischof Schick. Wir hatten wunderbare Musik. Und es war wirklich der Geist spürbar, etwas, das mich sehr beflügelt: getragen von dieser großen Gemeinschaft und wirklich im Herzen die tiefe Überzeugung, dass wir eine ganz starke Botschaft anzubieten haben, die wir der Welt auch sagen wollen.

domradio.de: Heute ist Reformationstag, morgen das katholische Fest Allerheiligen. Da lässt sich die Frage nach der Ökumene natürlich nicht vermeiden heute. Wie beurteilen Sie den Stand der Ökumene nach dem viel beachteten Treffen mit Benedikt XVI. im Augustinerkloster?
Bedford-Strohm: Ich bin sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, die ökumenischen Beziehungen auszubauen und zu verbessern. Für mich ist sehr wichtig, dass Ökumene nicht immer nur auf einer Ebene gesehen wird, etwa auf der Ebene des Papstes oder der der Bischöfe. Ökumene lebt von allen Ebenen. Und zum Katholizismus gehört für mich neben dem Papst und den Bischöfen eben auch die Gemeinden vor Ort, in denen ganz viel gelingendes ökumenisches Leben stattfindet; dazu gehören für mich die katholischen Verbände, mit denen wir intensive Beziehungen haben; dazu gehören auch die früheren Kollegen an den katholischen Fakultäten, die die katholische Theologie entwickeln. Auf all diesen Ebenen gibt es eine große Pluralität auch des Denkens im Katholizismus. Und daran möchte ich gerne andocken, damit möchte ich gerne weiter im Gespräch bleiben. Und wenn wir uns das wirklich auf all diesen Ebenen anschauen, dann gibt es schon jetzt ganz viel gelingendes ökumenisches Miteinander.

domradio.de: Ihr Vorgänger Johannes Friedrich hatte sich ja auch besonders in ökumenischen Fragen engagiert. Wie sehen ihre Pläne aus?
Bedford-Strohm: Mir ist es ganz wichtig, anzuknüpfen an das, was Johannes Friedrich gerade in Bayern auch entwickelt hat. Dazu gehört als Allererstes ein vertrauensvolles Miteinander: persönliche Beziehungen und Vertrauen in diesen Beziehungen ist ganz wichtig. Ich habe  zu mehreren katholischen Bischöfen in Bayern schon jetzt herzliche Beziehungen. Gestern waren dabei Kardinal Marx und Erzbischof Schick, mit dem mich schon länger herzliche Beziehungen verbinden. Gerade auf sozialethischer Ebene, auf der ich mit Kardinal Marx zusammengearbeitet habe, sehe ich da ganz viele Punkte, an denen wir noch stärker auch gemeinsam in die Öffentlichkeit gehen können. Gestern hat jemand davon gesprochen, dass München so eine Art sozialethisches Kraftzentrum für die Kirchen werden könnte. Und Kardinal Marx hat gesagt: Why not? Und das wiederhole ich: Why not? Ich glaube, da haben wir gemeinsam was anzubieten!

domradio.de: Heute ist Reformationstag. Viele, gerade die Jugendlichen, haben aber sowohl den Reformationstag als auch das katholische Fest Allerheiligen morgen aus dem Blick verloren und feiern lieber Halloween. Wie beurteilen Sie diese neue Feierkultur?
Bedford-Strohm: Ich würde es ziemlich entspannt sehen. Wir als Protestanten - und ich glaube, das können wir auch zunehmend ökumenisch sagen: Wir feiern die Freiheit eines Christenmenschen. Wir tun das am Reformationstag. Und diese große Freiheit eines Christenmenschen treibt alle bösen Geister auf. Da müssen wir nicht mehr fixiert unseren Blick auf diese bösen Geister rücken, sondern wir dürfen schauen auf die große, überschäumende Liebe, die Gott in unser Leben gibt, die aus unserem Herzen hin zu den Nächsten überfließt. Und wenn wir das nur in aller Fröhlichkeit und aller Deutlichkeit auch öffentlich sagen, wenn wir ausstrahlen, wovon wir sprechen, wenn die Menschen merken, dass wir das wirklich im Herzen haben, dann können wir Halloween getrost vergessen oder augenzwinkernd zuschauen, wie man da das Gruseln zum Spiel macht, und können, das was eigentlich zählt und tragfähig im Leben ist, nämlich die Freiheit eines Christenmenschen, an unserem Reformationstag zunehmend auch ökumenisch in aller Kraft feiern.

Das Gespräch führte Dagmar Peters.