18.10.2011

Friedensinitiative begrüßt Nahost-Gefangenenaustausch Ein "Paukenschlag"

Der zwischen Israel und den Palästinensern vereinbarte Gefangenenaustausch hat begonnen: Nach fünf Jahren ist der israelische Soldat Schalit frei, mehr als 1000 Palästinenser wurden aus der Haft entlassen. Pax Christi spricht von einer "Rückkehr in die Menschlichkeit".

Der Gefangenenaustausch zwischen der Hamas-Regierung im Gazastreifen und der israelischen Regierung sei "ein Paukenschlag", so Wiltrud Rösch-Metzler, Vizepräsidentin der deutschen Sektion der katholischen Friedensinitiative, im Interview mit domradio.de am Dienstag (18.10.2011). Der Gefangenenaustausch sei "ein freudiges Ereignis". Israel danke mit dieser Geste Ägypten für dessen Verhandlungsbemühungen.

Pax Christi vergleicht den Gefangenenaustausch mit dem zwischen Israel und der Hamas 2008 vereinbarten sechsmonatigen Waffenstillstand. Der Schritt zeige, "dass ein kategorisches Nein gegenüber Gesprächen mit der Hamas nicht dem Frieden dient". Wolle man die Situation der 1,6 Millionen Menschen im Gazastreifen verbessern, müsse die See-, Luft- und Landblockade Gazas beendet werden. Die Freilassung Gefangener sei "ein Stück Rückkehr in das Leben und die Menschlichkeit".

Auch die Bundesregierung begrüßte die Entwicklung. "Das ist der richtige Schritt", sagte der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Bundestages Ruprecht Polenz am Montagabend bei einem Vortrag in Oelde. Zwar wisse niemand, wie sich die freigelassenen Palästinenser künftig verhielten, aber Israel sei gut beraten, sich auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen im arabischen Raum einzustellen. Die neue Situation berge langfristig auch Chancen für Israel und für eine Stabilisierung des gesamten Nahen Ostens, sagte Polenz. Allerdings sei es durchaus möglich, dass sich bei den bevorstehenden Wahlen radikalere Parteien durchsetzten, die nicht prowestlich seien. Künftige arabische Regierungen seien sehr viel mehr vom Volk abhängig als die früheren Despoten, prognostizierte Polenz.

Soldat Schalit ist frei
Der israelische Soldat Gilad Schalit ist seit dem frühen Dienstagmorgen wieder in Freiheit. Die Hamas hat ihn vom Gaza-Streifen nach Ägypten gebracht. Von dort aus soll er in seine Heimat zurückkehren. Zuvor hatte Israel im Gegenzug Hunderte palästinensische Häftlinge zu verschiedenen Grenzübergängen gebracht.

Wenige Stunden zuvor hatte der zu Schalits Freilassung vereinbarte Gefangenenaustauch begonnen. Insgesamt 1.027 palästinensische Gefangene sollen im Gegenzug freigelassen werden. Vom israelischen Keziot-Gefängnis in der Negev-Wüste sowie dem Hasharon-Gefängnis im Zentrum des Landes wurden 477 freizulassende palästinensische Häftlinge in Fahrzeugen Richtung Grenzübergang Kerem Schalom zum Gazastreifen und Richtung Westjordanland gefahren. Das israelische Fernsehen berichtete, die letzte Kolonne von Bussen sei aus dem Gefängnis Keziot abgefahren.