08.07.2011

Erwin Teufel über sein politisch-christliches Engagement "Nicht die Grünen haben Umweltpolitik erfunden"

Seit seinem Rücktritt als baden-württembergischer Ministerpräsident ist es still geworden um Erwin Teufel. Doch das politische Geschehen verfolgt er wie eh und je, wird im Interview mit domradio.de deutlich.

domradio.de: Nach sechs Jahren selbst auferlegter politischer Zurückhaltung hat sich viel verändert. Unter anderem ist die CDU in Ihrem Bundesland abgewählt worden, welche Schuld trifft da ihre Nachfolger Stefan Mappus oder Günther Oettinger?
Teufel: Ich glaube, die CDU wäre falsch beraten, wenn sie die Schuld jetzt alleine bei Stefan Mappus abladen würde. Immerhin hat er fast 200.000 Stimmen mehr bekommen, als wir bei der vorletzten Landtagswahl erhalten haben. Und 39 Prozent sind derzeit - leider - kein schlechter Wert, wenn ich es mit anderen Landtagswahlen vergleiche oder mit den Umfrageergebnissen der CDU auf Bundesebene.

domradio.de: Jetzt hat das Stammland der CDU eine Grün-Rote Regierung. Mit welchen Gefühlen haben sie als ein Ministerpräsident, der das Land zu großem wirtschaftlichem Erfolg geführt hat, diesen Umbruch erlebt?
Teufel: Sie können sich vorstellen, dass mich das schon stark getroffen hat. Denn seit meinem 16. Lebensjahr bin ich Mitglied der CDU. Und 34 Jahre war im Landtag von Baden-Württemberg, länger als jeder andere. 20 Jahre war ich in der Landesregierung. Und das Ergebnis des Fleißes und der Qualifikation der Bürgerinnen und Bürger und einer vernünftigen Politik in unserem Land ist ja auch zu verdanken, dass Baden-Württemberg führend ist in der Wissenschaft und in der Wirtschaft in Deutschland. Deswegen ist dieses Ergebnis besonders schlimm und auch tragisch.

domradio.de: Sie haben in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung nach den Wahlen in Baden-Württemberg gesagt, es gibt nicht viele Kretschmänner bei den Grünen. Wie haben Sie die erste Zeit der grün-roten Regierung in Baden-Württemberg erlebt?
Teufel: Es ist noch keine 100 Tage her - und so lange soll man einer Regierung auch eine Chance geben und den Stab nicht vorzeitig über sie brechen. Ich halte Herrn Kretschmann für einen vernünftigen Mann. Aber ich bin nach wie vor der Meinung: Ich sehe neben ihm wenig Kretschmänner, also Leute mit der gleich Struktur und Grundüberzeugung. Er wird es deshalb nicht nur mit dem Koalitionspartner SPD schwer haben, der das schlechteste Wahlergebnis der Nachkriegszeit erreicht hat. Sondern er wird es auch in seiner eigenen Partei schwer haben, in der noch viele Line und Ideologen sind.

domradio.de: Die CDU hat generell viele Stammwähler verloren, darunter Konservative und bekennende Christen. Gleichzeitig besetzen die Grünen ein wichtiges christliches Thema, die Nachhaltigkeit. Was muss die Partei ändern, um bei Christen und Konservativen wieder mehr zu punkten?
Teufel: Nicht die Grünen haben die Umweltpolitik erfunden. Vielmehr: Zehn Jahre bevor Grüne ins erste Parlament gewählt worden sind, hat es in Bayern einen Umweltminister, Max Streibl, gegeben, und gleichzeitig in Baden-Württemberg einen Umwelt-Staatssekretär, der hieß Erwin Teufel. Ich kenne mich also etwas aus. Und weiß, dass wir in diesen Jahren vor der grünen Zeit nachdrücklich uns um Natur-, Landschafts- und Umweltschutz gekümmert und viel erreich haben. Als Christ in der CDU habe ich keinerlei Probleme mit dem Umweltschutz, weil Bewahrung der Schöpfung immer zu unseren Grundwerten gehört hat.

domradio.de: Gestern hat der Bundestag für eine Zulassung der PID gestimmt - wie bewerten Sie die Entscheidung?
Teufel: Ich selbst bin ja Mitglied im Deutschen Ethikrat. Und habe mich nach eingehender Befassung mit dem Thema in einem Minderheitenvotum gegen die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen. Ich freue mich darüber, dass eine ganz große Mehrheit der Abgeordnete von CDU/CSU sich gleich verhalten hat, erfreulicherweise auch einige namhafte Abgeordnete aller anderen Parteien. Ich sage das mit großem Respekt. Ich bedauere es sehr, dass ein Teil der Unions-Abgeordneten und eine große Mehrheit in den anderen Parteien eine andere Auffassung vertreten hat.

domradio.de: Sie werden morgen (Samstag) vor den Kreisvorsitzenden der Senioren-Union in Berlin sprechen. Haben Sie vor, sich wieder mehr einzubringen, gerade in Baden-Württemberg.
Teufel: Ich habe nicht vor, mich in die Tagespolitik einzubringen. Am wenigsten in Baden-Württemberg, weil das zu einem guten Stil gehört. Aber ich werde selbstverständig die Bürgerrechte, die jeder andere Bürger hat, gegebenenfalls auch in Baden-Württemberg nutzen und mich zu Wort melden. Aber Zurückhaltung habe ich in den letzten Jahren geübt und das habe ich auch für die nächste Zeit vor. Das heißt aber nicht, dass ich nicht politisch mitdenke und eine eigene Meinung habe.

domradio.de: Es juckt Ihnen also nicht mehr in den Fingern, wenn Sie Tagesaktuelles in Baden-Württemberg erleben?
Teufel: Ich bin ein Mensch, der von Jugend an gestalten wollte. Und wenn er jetzt nur lesen kann, was andere tun und er kann nichts mehr verändern, dann juckt es in der Tat.

Das Gespräch führte Christian Schlegel.

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