20.06.2011

Katholische Netzwerke können laut Kriminologen Jugendgewalt verhindern Mehr Ministranten = weniger Gewalt

Ministranten und katholische Pfadfinder sind weniger gewaltbereit als nichtgläubige Gleichaltrige. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens für das Emsland. "Wir können belegen, wenn der Anteil der gläubigen Katholiken in einer Region über zwölf Prozent liegt, dann fällt insgesamt die Gewaltrate der Region sehr, sehr niedrig aus", sagte Institutsdirektor Christian Pfeiffer im domradio.de-Interview.

domradio.de: Das  Ergebnis ihrer Studie ist erstaunlich, was haben sie herausgefunden?
Pfeiffer: Zum einen können wir belegen, dass die Jugendgewalt in Deutschland zurückgeht. Besonders auffällig ist, dass gerade dort, wo der Anteil der jungen Katholiken in einer Region, in einem Landkreis, einer Stadt besonders hoch ist, Jugendgewalt besonders niedrig ausfällt und dieser Zusammenhang ist nicht zufällig. Wir können belegen, wenn der Anteil der gläubigen Katholiken in einer Region über zwölf Prozent liegt, dann fällt insgesamt die Gewaltrate der Region sehr, sehr niedrig aus. Wenn dagegen der Anteil der gläubigen Katholiken unter fünf Prozent liegt, dann sind Katholiken nicht anders als Protestanten oder konfessionslose Jugendliche und verhalten sich auch gewalttätig.

domradio.de: Lässt das denn Umkehrschluss zu, dass Religion und Glauben friedlicher macht?
Pfeiffer: Der Glaube allein nicht, sondern erst die Einbettung in ein soziales Netzwerk. Wer dann bei den katholischen Pfadfindern aktiv ist, wer Ministrant in der Kirche ist, der schämt sich, wenn er etwas Verbotenes tun würde und dann lässt er es besser. Er ist gestützt und gestärkt durch die Freunde, die er in seinem Netzwerk hat.  Was wir klar belegen können, ist, der Glaube in Verbindung mit einer Gemeinschaft, in der diese Normen und Werte hochgehalten werden. Das schafft tatsächlich präventive Wirkung. Aber in Ostdeutschland beispielsweise sind gläubige junge Katholiken um keinen Deut weniger kriminell als Nichtgläubige.

domradio.de: Woran liegt das?
Pfeiffer: In Ostdeutschland gibt es kein Netzwerk, die sind völlig isoliert.  Es gibt so wenige Katholiken, dass sie nicht eingebettet sind in eine große Zahl von Gleichgläubigen, in eine Kirchengemeinde, in der es jeden Sonntag Begegnungen gibt und in der man sich freut, die Freunde wiederzusehen. Wenn das alles entfällt sowie im Osten, dann verliert Religion jegliche präventive Wirkung. Wenn es aber so läuft, wie im Landkreis Emsland mit einem sehr hohen Anteil von jungen gläubigen Katholiken, dann wirkt sich der katholische Glaube eindeutig gewaltverhindernd aus.

domradio.de: Sie sprechen das Emsland an. Da zeigt sich in ihrer Studie, dass die evangelischen Kinder im Emsland deutlich mehr Straftaten begehen als ihre katholischen Altersgenossen. Wie lässt sich das denn erklären?
Pfeiffer: Wir haben bei den Evangelischen generell weniger Gläubige als bei der katholischen Kirche und eine Erklärung zeigt sich im Emsland bei den Zehnjährigen, da ist der Unterschied riesig. Von hundert katholischen Kindern sind 70 Prozent richtig gläubig und beten und gehen regelmäßig in die Kirche und bei den Evangelischen sind es nur 39 von 100. Das heißt, die katholische Kirche schafft es vor allem besser die Kinder zu erreichen. Wir vermuten - wir sind alle keine Katholiken, die diese Forschung gemacht haben - wir vermuten, dass die Kommunion eine große Rolle spielen könnte. Denn das ist ja etwas ganz besonderes, wo man als Neunjähriger herausgehoben wird, sehr viel Anerkennung dafür bekommt, dass man jetzt ein katholischer Christ wird, der auch zur Beichte gehen kann.

domradio.de: Das würde ja bedeuten, dass es vor allem in jungen Jahren prägt?
Pfeiffer: Ja, eindeutig. Das ist auch die entscheidende Zeit, in der Religiosität entsteht. Im Alter von neun bis zwölf. Da wird der Keim gelegt, dann kommt die Pubertät, da distanzieren sich ganz viele. Aber, wie wir zeigen können, erreicht die katholische Kirche im Emsland in dieser Risikogruppe der männlichen Nichtgymnasiasten plötzlich dreimal so viel wie die evangelische Kirche. Da wirkt sich aus, dass man bei den Zehnjährigen einen viel höheren Prozentsatz an Kindern erreicht und viele bleiben dann doch in dem Netzwerk der katholischen Kirche aktiv.

domradio.de: Herr Pfeiffer, welche Fragen haben Sie denn gestellt in Bezug auf den Glauben der Kinder und Jugendliche?
Pfeiffer: Wir haben Sie gefragt, wie wichtig ihnen Religion persönlich im Alltag ist. Wir haben sie gefragt, wie wichtig Religion in der Erziehung in ihrer Familie war. Wir haben sie gefragt, ob sie beten und ob sie zur Kirche gehen und wie oft sie das tun.

domradio.de: Nun zeigt das Ergebnis dieser Studie aber auch, dass die katholischen Jugendlichen weniger kriminell sind und mehr Sachbeschädigungen dagegen auf ihr Konto gehen. Sie neigen häufiger auch zu Alkoholexzessen, womit die Sachbeschädigungen vielleicht auch erklärt sind. Wie sehen Sie da diesen Zusammenhang?
Pfeiffer: Ich glaube, dass in katholischen Regionen mehr gefeiert wird, Volksfeste, der Karneval ist doch viel ausgelassener in Köln als irgendwo im langweiligen Niedersachsen in dieser Hinsicht. Ich denke, die katholische Kirche zeichnet sich dadurch aus, dass sie in ihren Gebieten es wunderbar versteht, ein Nebeneinander zu  organisieren von Kirche und Volksfesten und Faschingsfeiern und mehr. Dieses hohe soziale Kapital, was da positiv zu bewerten ist, diese enggestrickten Netzwerke, hat eben seine Negativseite, das aus dem vielen Feiern auch bei den Kindern und Jugendlichen frühzeitige Alkoholbegegnung entstehen kann. Dass es eine Kultur des Hinschauens geben könnte, wo die Erwachsenen sagen, "naja, das gehört zum Leben dazu" und übersehen, wie massiv schädlich Alkohol für Kinder und Jugendliche ist.

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