01.05.2011

Eine Kirche in Rom bewahrt makabre Schätze Die Eingeweide der Päpste

Die meisten gucken natürlich zum Trevibrunnen. Da sprudelt das Leben, badet Anita Ekberg das Bad unsterblicher Jugend. Wenige nehmen Notiz von der Kirche in ihrem Rücken: Barock von der Stange wie an hunderten Orten in der ewigen Stadt. Kaum ein Reiseführer erwähnt die kleine, den Märtyrern Vincentius und Anastasius geweihte Basilika, und kaum einer kennt ihre makabre Geschichte: Hier ruhen die Eingeweide der Päpste.

Zwei Marmorplatten zur Linken und Rechten des Altars bezeugen den merkwürdigen Brauch. Zurückhaltend ist dort von "paecordia" die Rede. Gemeint sind Herz, Magen, Leber, Nieren, Milz, Darm und sonstige inneren Organe von zwei Dutzend Stellvertretern Christi.

Ein "Museum der Geschlinge und Gedärme" nannte es der römische Mundartdichter Giuseppe Gioacchino Belli. Man schnuppert unwillkürlich, aber wenn es unangenehm süßlich riecht, dann ist es garantiert nur der Rosenweihrauch der Bulgarisch-Orthodoxen, die hier gelegentlich Gottesdienst feiern.

Die vergänglichen Teile lagern, so versichert Giangiulio Radivo, der Rektor der Kirche, dicht versiegelt in Tonkrügen, eingelassen ins Mauerwerk zu den Seiten des Altares. Nicht jeder Priester kann von sich sagen, er zelebriere zwischen den Kaldaunen der Päpste. Aber Radivo macht kein Gewese um diesen Schatz in irdenen Gefäßen. Er selbst, sagt Radivo, habe den engen Gang mit den Urnendepots nur ein einziges Mal gesehen, als er sich vor Jahren von der Baufälligkeit der dort befindlichen Treppe überzeugte. Und macht eine Miene, als liege der Fluch der Pharaonen über dem Ort.

Mit denen hat der Brauch indessen nichts zu tun. "Es sind nicht sechs Kanopen wie bei den Ägyptern", sagt Radivo. "Einfache Behälter." Der Grund der Organentnahme: Die Apostelnachfolger sollen nach ihrem Tod würdig verabschiedet werden, und das päpstliche Begräbnisritual kennt dafür eine neuntägige Trauerfeier. Früher war der Verstorbene dabei über einen beträchtlichen Zeitraum aufgebahrt. In den römischen Sommermonaten schuf das Probleme. Die Eingeweide mussten raus, damit die Toten sich nicht zu Monstren aufblähten.

Dass das Kirchlein Vincenzo e Anastasio letzte Ruhestätte der "praecordia" wurde, hängt mit der Wohngeschichte der Päpste zusammen. Seit dem 16. Jahrhundert und bis zum Ende des Kirchenstaats 1870 residierten sie zeitweise auf dem Quirinal, dort, wo heute der italienische Staatspräsident seinen Sitz hat. Das Gotteshaus am Fuß des Hügels war schlichtweg die Pfarrkirche des Viertels und damit der nächstliegende Ort für die erste Bestattungstranche. "Da steckt nichts Theologisches dahinter", sagt Radivo. "Das hat rein praktische Gründe."

So praktisch dachten schon frühere Generationen im römischen Klerus.
Der Leibarzt von Clemens VI. (1342-1352) notiert, für gewöhnlich trenne man Päpsten nach ihrem Ableben die Bauchdecke auf und entnehme die Eingeweide. Ein Zeremonialbuch beschreibt, wie die Kehle des Verstorbenen mit Gewürzen, die Nase mit Moschus gefüllt wurde. Sixtus V. (1585-1590) war es, der den damals längst üblichen Brauch mit der Kirche am Trevibrunnen verband.

Zwei Dutzend Päpste fanden hier seitdem ihrer partielle Ruhestätte. Pius X. (1903-1914) schaffte die Organentnahme ab, nicht aber die Präparierung der Leichname. Verschiedentlich übten sich Modernisten in Neuerungen; mit schwankendem Erfolg: Pius XII. (1939-1958) wurde von seinem Leibarzt Galeazzi Lisi mit einer revolutionären Methode so behandelt, dass binnen Minuten der Verfall einsetzte. Paul VI. changierte angeblich von ziegelrot bis grünlich. Dennoch setzt man mehr auf chemische Hilfsmittel als auf Chirurgie, um die verstorbenen Päpste ansehnlich zu halten - mit welchem langfristigen Erfolg, steht dahin.

Monsignore Radivo zeigt jedenfalls ein nüchternes Verhältnis zu den sterblichen Überresten. "Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, ist unverweslich", zitiert der Geistliche ein Wort des Apostels Paulus. Die einzigen Herzen, für die sich Besucher seiner Kirche interessieren, hängen in den Seitenkapellen und sind aus Silberblech: Dankesgaben für erhörte Gebete.

Burkhard Jürgens

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