Erzbischof Ludwig Schick (hier im Gespräch mit Luis Kebreau, Erzbischof von Cap-Haitien)
Erzbischof Ludwig Schick (hier im Gespräch mit Luis Kebreau, Erzbischof von Cap-Haitien)

30.03.2011

Bamberger Erzbischof zur Flüchtlingsdebatte auf Lampedusa "Wir müssen Menschen in Not aufnehmen"

"Die afrikanische Migration nach Europa". Zu diesem Thema tagen in dieser Woche Bischöfe aus Afrika und Deutschland in München. Mit dabei ist auch der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Im Interview mit domradio.de verweist er auf die Plicht der Christen, als "Barmherzige Samariter" zu helfen.

domradio.de: Sind verbesserte Grenzkontrollen eine geeignete Antwort auf mehr Flüchtlinge aus Afrika?--Ludwig Schick: Nein, das sind Menschen in Not, und wir müssen Menschen in Not aufnehmen und müssen denen helfen, dass sie ihre Notsituation überstehen.
domradio.de: Kommen die Flüchtlinge aus Afrika in Spanien, Italien oder Griechenland an, dann versuchen viele nach Mitteleuropa zu gelangen, auch weil es unwürdige Bedingungen sind, die die direkt betroffenen Staaten ihnen anzubieten haben. Was muss passieren, damit Flüchtlinge auch in Südeuropas Ländern eine menschenwürdige Behandlung kriegen?--Schick: Es ist wichtig, dass die europäischen Länder zusammenarbeiten. Wir sind ja die europäische Union und das muss ja doch bedeuten, dass man nicht nur für sich selbst da ist, sondern dass man auch für Menschen in Not da ist. Europa muss eine Union sein, die die Menschlichkeit, den Frieden und die Gerechtigkeit auf der ganzen Welt verbreitet. Und jetzt sind Menschen aus Afrika in Not und denen muss geholfen werden. Deshalb müssen die europäischen Staaten auch mit Italien zusammenarbeiten und sehen, wie dieses Problem gemeinsam gelöst wird.
domradio.de: Haben Europas Staaten die Kraft, mehr Flüchtlinge auch sozial zu integrieren?--Schick: Es geht ja jetzt zunächst einmal um Hilfe. Die sind ja gezwungenermaßen geflüchtet, weil sie dort in Nordafrika, in Libyen, in Tunesien und in anderen Ländern nicht mehr leben können.Dann muss man helfen, dass dort die Situation sich verbessert und dass die dann auch eventuell zurückkehren. Aber jetzt gilt einfach, dass der, der Hilfe braucht vom barmherzigen Samariter, der wir sein müssen, diese Hilfe auch erhält, dass dem, der unter die Räuber gefallen ist, auch geholfen wird.
domradio.de: Deutschland ist aufgrund der sinkenden Kinderzahlen auf Zuwanderung langfristig angewiesen. Bislang diskutiert die Politik eher darüber, welche Last Migranten sind, aber weniger darüber, dass man in Migranten investieren muss, um sie an der Gesellschaft teilnehmen zu lassen. Wie können wir diese Diskussion gesellschaftlich verändern?--Schick: Wir haben hier auf unserer Konferenz über zwei Arten von Migration gesprochen. Man muss unterschieden zwischen der erzwungenen Migration, die wir jetzt in Lampedusa haben, und der freiwilligen Migration, das sind Menschen, die freiwillig anderswo hingehen. Und hier muss auch mehr getan werden. Wir müssen in Deutschland ein offeneres Klima für Migranten schaffen, die hier bei uns gebraucht werden, die für uns wichtig sind, die uns bereichern können. Dafür muss es aber eine geordnete Zuwanderung geben. Dann muss auch Bildung vorgeschaltet werden, es muss Integration geschehen. Da muss viel getan werden. Man darf bei der Migration nicht einfach nur die negativen Auswirkungen sehen, die es ohne Zweifel gibt, sondern auch die positiven. Und da muss bei der freiwilligen Migration noch viel mehr in Deutschland getan werden, als es bisher der Fall ist.
domradio.de: Wie hilft die Kirche dabei, in Deutschland die Akzeptanz für Migranten zu verbessern?--Schick: Die Kirche hat eine dreifache Aufgabe: Einmal indem sie das verkündet, was sie ureigens vertritt, nämlich dass alle Menschen die gleiche Würde haben, den gleiche Wert haben und auch die gleichen Rechte haben. Wenn das einmal als Grundbefindlichkeit in der Bevölkerung angekommen ist, dann wird Migration einfacher. Den Erzwungenen wird geholfen, die freiwillig Gekommenen werden integriert. Das andere ist dann, dass wir auch auf die Politik einwirken, also mit der Politik sprechen, damit die Politik den entsprechenden rechtlichen Rahmen setzt. Das ist ganz, ganz wichtig. Und ein Drittes ist natürlich, dass wir auch in den kirchlichen Institutionen - Caritas, Pfarreien usw. - Möglichkeiten schaffen für diejenigen, die hierher kommen und die wir auch brauchen, die wir gern haben. Das muss vorangehen.

Interview: Christian Schlegel

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