01.03.2011

Zehntausende fliehen aus Libyen – Neudeck appelliert an EU Humanitäre Katastrophe erwartet

Mehr als 140.000 Menschen sind nach UN-Angaben vor der Gewalt in Libyen nach Tunesien und Ägypten geflohen. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnt vor einer humanitären Katastrophe. Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck mahnt im Interview mit domradio.de eine neue "Partnerschaft" Europas an.

Das UNHCR berichtete am Dienstag (01.03.2011) in Genf auch von brutalen Menschenjagden innerhalb Libyens auf Zuwanderer aus anderen afrikanischen Ländern und dem Nahen Osten. Die Nachbarländer Ägypten und Tunesien seien mit dem anschwellenden Flüchtlingsstrom immer stärker überfordert. "Wir erleben ganz klar eine sich verschärfende humanitäre Krise", sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. Täglich flüchteten bis zu 15.000 Männer, Frauen und Kinder vor den Kämpfen zwischen Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi und Oppositionskräften. Tausende Flüchtlinge warteten Tag und Nacht an den libyschen Grenzen zu Tunesien auf Hilfe und Weitertransport.

In Ägyptens Grenzregion zu Libyen warteten ebenfalls Tausende Menschen unter widrigen Umständen auf ihre Weiterreise. Bei den meisten Flüchtlingen handele es sich um Migranten aus Ägypten und Tunesien, die in Libyen beschäftigt waren.

Menschenjagden auf Migranten
Das UNHCR berichtete auch von brutalen Menschenjagden innerhalb Libyens auf mehr als 11.000 wehrlose Migranten. Viele dieser Menschen aus Eritrea, Somalia, dem Tschad, dem Sudan, den Palästinensergebieten und dem Irak würden von Libyern attackiert. Auch von Tötungen sei die Rede. Libyer betrachteten besonders die Menschen aus Schwarzafrika fälschlicherweise als Söldner Gaddafis. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage könne das UNHCR den Angegriffenen nicht zur Hilfe eilen. Die Menschen hätten keine Chance sich aus Libyen abzusetzen.

Auch andere humanitäre UN-Organisationen und das Rote Kreuz erklärten, dass der Zugang zu Hilfsbedürftigen besonders im Westen Libyen weiterhin sehr schwierig sei. Die Kämpfe zwischen Gaddafi-Getreuen und Oppositionellen in und um die Hauptstadt Tripolis machten eine Einreise unmöglich.

Tausende Verwundete
Ein Ärzte-Team des Deutschen Roten Kreuzes sollte nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bis Mittwoch in der Stadt Bengasi im Osten des Landes eintreffen. In den Krankenhäusern der Stadt müssten mehr als 2.000 Verwundete behandelt werden. Ein norwegisches Medizinerteam habe in Bengasi bereits seine Arbeit aufgenommen.

Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation warteten seit Tagen in Tunesien auf ihren Transport nach Libyen. Nach Angaben des Roten Kreuzes steckt auch ein finnisches Ärzteteam an der tunesisch-libyschen Grenze fest.

Am Dienstag sollte die UN-Vollversammlung in New York über einen Ausschluss Libyens aus dem UN-Menschenrechtsrat entscheiden. Deutschland und andere westliche Staaten hatten wegen der Gewalt eine Suspendierung Libyens aus dem höchsten UN-Gremium zum Schutz der Menschenrechte verlangt.

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