23.02.2011

Primas sieht in Kirche nur noch eine "Minderheitenkultur" Irische Götterdämmerung

Der Erzbischof von Dublin und Primas von Irland, Diarmuid Martin, hat den Niedergang der irischen katholischen Kirche prophezeit. Laut Bericht der Tageszeitung "The Irish Examiner" sagte Martin in einer aufsehenerregenden Rede an der Universität Cambridge, die irische Kirche müsse sich in Zukunft mit einer Rolle als Minderheitenkultur abfinden.

In manchen Gemeinden besuchten nur noch zwei Prozent der katholischen Bevölkerung die Sonntagsmesse. In diesem Jahr gebe es in seiner eigenen Diözese keine einzige Priesterweihe. In der politischen Debatte spiele die katholische Kirche eine immer randständigere Rolle, so Martin. "Die Herausforderung ist jedoch sicherzustellen, dass sie keine irrelevante Minderheitenkultur sein wird". Die Krise der Kirche gehe über den Missbrauchsskandal hinaus und habe lange davor begonnen.

Seit Jahrzehnten sei es die Politik der Kirche gewesen, nur die "Show am Laufen zu halten", ohne sich über langfristige Ziele im Klaren zu sein, betonte der Primas. Er sparte auch nicht mit Selbstkritik: Trotz seiner Bemühungen sei er mit umfassenden Reformen gescheitert. "Das Management dieser Veränderung ist anscheinend nicht mein Talent", so Martin. Laut Tageszeitung "Irish Independent" (Mittwoch) spielte er damit auf seinen ungeduldigen Charakter und auf seine Unbeliebtheit unter den irischen Bischöfen an.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Irish Times" (Mittwoch) kritisierte der Primas auch die Rolle der Kirche in der Schulbildung. Die staatlichen Grundschulen des Landes würden zu 93 Prozent von der katholischen Kirche betrieben. Dies sei ein "Überbleibsel aus der Vergangenheit und heutzutage nicht länger haltbar". Der Wunsch der Bevölkerung nach einer Veränderung der irischen Schulstruktur sei offensichtlich. Es sei die Aufgabe der Regierung sicherzustellen, dass Eltern, die keine religiösen Inhalte in der Ausbildung ihrer Kinder wünschten, dieses Recht so weit wie möglich gewährt bekommen.

Verheerende erste Bilanz
Der Gesandte des Papstes zur Überprüfung der Lage der Kirche in Irland zieht nach Informationen der irischen Presse eine verheerende erste Bilanz. Die katholische Kirche des Landes befinde sich nach der Missbrauchskrise "am Rande des Zusammenbruchs" und habe nur noch fünf bis zehn Jahre Zeit, um radikale Gegenmaßnahmen durchzuführen, heißt es laut Tageszeitung "Irish Independent" in einem Bericht von US-Kardinal Sean O"Malley an Benedikt XVI., der in den kommenden Monaten nach Rom übermittelt werde.

Das Blatt beruft sich auf ein Mitglied der Verbandsleitung der "Association of Catholic Priests" (Verband katholischer Priester), Tony Flannery. Dieser habe bei der Jahresversammlung der Laienorganisation "The People of God" (Gottes Volk) am Wochenende berichtet, O"Malley gebe der irischen Kirche nach eigenen Worten nur noch höchstens zehn Jahre, um eine Situation "wie in vielen anderen europäischen Ländern" zu vermeiden, wo Religion nur noch eine marginale Rolle spiele.

Flannery sagte, der Erzbischof von Boston O"Malley habe bei einem privaten Treffen mit dem Priesterverband empfohlen, die Kirche müsse unbedingt Laien und Frauen mehr Einfluss auf Entscheidungsprozesse geben. Der Missbrauchsskandal hatte die irische Kirche in mehreren Wellen moralisch und finanziell besonders hart getroffen. Entschädigungsforderungen brachten mehrere Orden und Diözesen an den Rand der Zahlungsfähigkeit; der Vatikan ordnete eine Untersuchung an.

Zuletzt protestierte die nationale Priestervereinigung vehement gegen eine Neuübersetzung des römischen Messbuches für den Gottesdienst. Die darin verwandte Sprache, die näher am lateinischen Original liegt, sei den Gläubigen nicht vermittelbar.

Irische Bischöfe waschen Füße von Missbrauchsopfern
Am Montag hatten der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, gemeinsam mit Kardinal Sean O"Malley acht Missbrauchsopfern die Füße gewaschen. Laut Bericht der Tageszeitung "Irish Independent" baten die beiden Geistlichen bei einem Gottesdienst um Vergebung für die "Sünden der Kirche".

O"Malley entschuldigte sich für die "schrecklichen Missbrauchsfälle, die im Murphy-Bericht aufgeführt werden, und für die systematischen Vertuschungsversuche der kirchlichen Behörden". Der Untersuchungsbericht der Richterin Yvonne Murphy hatte 2009 das volle Ausmaß des irischen Missbrauchsskandals aufgedeckt.

Erzbischof Martin entschuldigte sich im Namen der Kirche. Sie habe ihre eigene Institution über die Sicherheit von Kindern gestellt, die Missbrauchverbrechen vertuscht und dadurch weiteren Missbrauch von Kindern ermöglicht. - Der Gottesdienst in der Dubliner Prokathedrale St. Mary"s wurde laut Zeitungsbericht zweimal ungeplant von zwei Missbrauchsopfern unterbrochen, die während der Zeremonie vor den Altar liefen und Wiedergutmachung einforderten.
Beiden Männern sei unter Applaus Redezeit für ihre Anliegen gewährt worden.

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