04.02.2011

Theologenerklärungen gab es schon viele Nicht neu

Schon mehrfach haben katholische Theologen in gemeinsamen Erklärungen die Situation der katholischen Kirche in Deutschland kommentiert und zu Reformen aufgerufen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt wichtige Erklärungen der vergangenen 20 Jahre:

1989: Mehr als 220 katholische Theologieprofessorinnen und -professoren veröffentlichten die "Kölner Erklärung", in der sie sich kritisch mit der Praxis von Bischofsernennungen, der Erteilung der kirchlichen Lehrerlaubnis und dem lehramtlichen Anspruch in moraltheologischen Detailfragen auseinandersetzen. Vorausgegangen waren Auseinandersetzungen um die Ernennung von Kardinal Joachim Meisner zum Erzbischof von Köln und um die Praxis der "Nihil-obstat"-Erteilung.

1995: Die Initiative "Wir sind Kirche" fordert innerkirchliche Reformen und startet das Kirchenvolksbegehren. So plädiert sie für die Abschaffung der Zölibatspflicht, die Zulassung von Frauen zum Priesteramt, die Mitsprache der Laien bei Bischofsernennungen und eine Änderung der kirchlichen Sexualmoral. In Deutschland unterschrieben mehr als 1,7 Millionen Menschen die Erklärung, unter ihnen 81 Prozent Katholiken.

2007: 88 katholische Professoren plädieren für eine Reform der römischen Glaubenskongregation und üben Kritik an der vatikanischen Verurteilung von Thesen des südamerikanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino. Die Unterzeichner sind größtenteils aktive oder emeritierte Professoren aus Deutschland und Österreich.

2009: Mehrere katholische Fakultäten in Deutschland kritisieren die Rücknahme der Exkommunikation von vier Traditionalisten-Bischöfen durch den Vatikan. Sie seien bestürzt darüber, dass gerade Bischöfe, die Grundsätze des Zweiten Vatikanischen Konzils "und damit zentrale Inhalte der kirchlichen Lehre" ablehnten, rehabilitiert würden. Die Professoren kritisieren zugleich eine zu schwache Reaktion des Vatikan auf den Holocaust-Leugner und Traditionalistenbischof Richard Williamson.

2011: Rund 150 Theologieprofessoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz plädieren für Reformen in der katholischen Kirche. Unter dem Titel "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch" plädieren sie unter anderem für eine stärkere Beteiligung der Gläubigen an der Bestellung von Amtsträgern, die Priesterweihe auch von Verheirateten, eine verbesserte kirchliche Rechtskultur und mehr Respekt vor individuellen Lebensentscheidungen.