02.01.2011

Regierungen und Kirchen sind bestürzt über Terror gegen Christen "Feige Geste des Todes"

Das Bombenattentat gegen eine Christengemeinde in der ägyptischen Stadt Alexandria hat weltweit Bestürzung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama verurteilte den Anschlag als "barbarisch", Papst Benedikt XVI. als "feige Geste des Todes".

Den Angehörigen der Opfer bekundete der Papst sein Beileid, diese Tat erfülle ihn mit Schmerz und verletze Gott sowie die ganze Menschheit, sagte der Papst am Sonntag nach dem Mittagsgebet auf dem Petersplatz.

Trauer und Wut nach dem blutigen Bombenattentat auch in Deutschland: Im Interview mit domradio.de spricht der koptisch-orthodoxe Bischof für Deutschland, Anba Damian, über das Schicksal seiner Glaubensschwestern und -brüder in Ägypten. Aber auch in Deutschland sei man bedroht. Nur kurz vor dem Anschlag habe er deshalb einen Brief an den Bundesinnenminister geschrieben. Lesen Sie hier weiter.

Bei dem Anschlag auf eine koptische Kirche waren in der Silvesternacht mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Obama forderte, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Eindeutig seien christliche Gottesdienstbesucher Ziel des Anschlags gewesen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: "Das zynische Vorgehen der Attentäter zeigt, wie notwendig es ist, entschlossen gegen Terrorismus und religiöse Intoleranz vorzugehen." Der Papst rief in seiner Neujahrspredigt zum Schutz der Christen weltweit auf.

In Brüssel rief die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton dazu auf, die Religionsfreiheit der Kopten in Ägypten zu schützen. "Für diesen Anschlag gibt es keine Rechtfertigung", betonte sie.

Auch Kirchenvertreter in Deutschland reagierten betroffen. "Mein Mitgefühl und mein Gebet gelten den Hinterbliebenen der Opfer", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, dem epd. Er hoffe sehr, dass dieser Anschlag keine weitere Gewalt nach sich ziehe: "Denn 2011 darf kein "Jahr der Christenverfolgung" werden."

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sprach von einem "feigen und hinterhältigen Anschlag". Die Religionsfreiheit eines Landes werde durch solche Taten mit den Füßen getreten, sagte der Freiburger Erzbischof dem epd. "Ich bete dafür, dass friedliche Koexistenz zwischen den Religionen Ägyptens weiter zum Alltag gehört."

In einer Messe zum katholischen Weltfriedenstag am Samstag beklagte Papst Benedikt XVI. "Diskriminierungen, Gewalt und religiöse Intoleranz", unter denen vor allem Christen weltweit zu leiden hätten. Religionsfreiheit sei ein "unverzichtbares Element des Rechtsstaats", sagte das katholische Kirchenoberhaupt in Rom. Er appellierte an die politisch Verantwortlichen, sich nicht nur mit Worten, sondern mit konkreten Taten für den Frieden einzusetzen.

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), sprach sich gegen Sanktionen aus. Druck müsse stattdessen auf dem Wege des Dialogs und über Entwicklungszusammenarbeit ausgeübt werden. Kauder forderte im Deutschlandfunk vom Zentralrat der Muslime in Deutschland eine deutliche Distanzierung von der Gewalt. Der Politiker plädierte zudem dafür, verfolgte Christen stärker auf dem Weg der Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen. "Mit Sanktionen wird da wenig zu machen sein", sagte Kauder. Deutschland müsse das Problem der Christenverfolgung auf internationaler Ebene präsent halten: "Die Christen in der Welt haben unsere Solidarität dringend nötig."

"Ägypten und andere Staaten müssen dem Ungeist religiöser Intoleranz wirksam entgegentreten", sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. Der "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe), sagte Beck,  de facto sei Ägypten eine Diktatur. "Der Westen aber schaut aus außenpolitischer Rücksichtnahme auf das Regime Mubarak systematisch weg", sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag. Auch Deutschland habe seine Möglichkeiten zur Einflussnahme "bei weitem nicht ausgeschöpft".

Unionsfraktions-Vize Johannes Singhammer (CSU) kritisierte die Vertreter der Muslime in Deutschland. "Ich erwarte, dass sie ihre Abscheu noch klarer formulieren, so wie das weltweit geschehen ist", sagte der CSU-Politiker der "Frankfurter Rundschau". Der Aufruf deutscher Muslime zu mehr religiöser Toleranz sei besonders wichtig, weil Muslime in Deutschland ihren Glauben frei ausüben könnten. In Ländern wie Ägypten oder dem Irak sei genau das für viele Gläubige nicht der Fall.

Der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl warnte vor einem Übergreifen islamistischer Gewalt auf Deutschland. "Wenn die Muslime selbst protestieren, bewirkt das viel mehr, als wenn wir das tun", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Fernziel müsse ein aufgeklärter "Euro-Islam" sein, der Religions- und Glaubensfreiheit selbstverständlich anerkennt.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, verlangte eine Neuorientierung der deutschen Entwicklungspolitik. "Wir sollten unsere Entwicklungshilfe an der Frage ausrichten, ob in einem Land Christen vom Staat oder einer anderen Seite verfolgt werden", sagte Müller der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Montagsausgabe). Es könne keine finanzielle Unterstützung für Länder geben, in denen Christen ihre Religion nicht ungehindert ausüben können.

Die koptisch-orthodoxe Kirche existiert seit dem ersten Jahrhundert nach Christus und gehört damit zu den ältesten Kirchen der Welt. In Ägypten sind nach Schätzungen etwa zehn Prozent der rund 80 Millionen Einwohner Kopten.

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