30.11.2010

Zahl der Aids-Toten in Deutschland leicht rückläufig Kein Grund zur Entwarnung

Zum Weltaidstag am Mittwoch haben Hilfsorganisationen vor nachlassender Wachsamkeit und Sorglosigkeit gewarnt. Die Aufklärungsarbeit müsse dringend intensiviert werden, erklärte der Deutsche Caritasverband am Dienstag in Freiburg. Die Zahl der Aids-Toten in Deutschland ist unterdessen leicht rückläufig.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, starben in Deutschland 2009 insgesamt 431 Personen an der durch HIV verursachten Erkrankung. 2008 waren es 443 Personen. Auch die Lebenserwartung der HIV-Infizierten hat sich laut Bundesamt durch neueste Wirkstoffe und Kombinationstherapien weiter erhöht. Das Sterbealter lag im Jahr 2009 bei 49,4 Jahren, wobei Frauen im Schnitt 44,5 Jahre und Männer 50,7 Jahre alt wurden. Im Jahr 1999 lag das Sterbealter noch bei 43,5 Jahren. Weltweit schätzt UNAIDS, das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV/Aids, die Zahl der 2009 an den Folgen von Aids Gestorbenen auf etwa 1,8 Millionen Erwachsene und Kinder. Mit dem Virus infiziert waren schätzungsweise 33,3 Millionen Menschen bei 2,6 Millionen Neuinfektionen im Jahr 2009.

Der Deutsche Caritasverband mahnte, dass die positive Entwicklung in der Bundesrepublik auch dazu geführt habe, dass Aids aus dem öffentlichen Bewusstsein weitgehend verschwunden sei. Seit dem Jahr 2001 steige die Zahl der Menschen, die sich mit HIV infizieren, in Deutschland kontinuierlich. "Angesichts dieser Entwicklung müssen Aufklärung und Prävention dringend verstärkt werden", fordert Caritas-Präsident Peter Neher. Die Berichte aus den Aids-Beratungsstellen der Caritas zeigten, dass Ausgrenzung und Stigmatisierung noch immer zu den zentralen Erfahrungen HIV-positiver Menschen gehörten. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) erklärte, dass gerade Jugendliche zunehmend sorglos mit dem potenziellen Risiko einer Ansteckung umgingen.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) warnte vor einem Nachlassen im weltweiten Kampf gegen Aids. HIV/Aids präge das Leben der Menschen in Afrika in großem Maße und sei zu einem zentralen Entwicklungshemmnis geworden, sagte der Sprecher des Sachbereichs "Weltkirchliche Solidarität und Entwicklungszusammenarbeit", Peter Weiß. Er dankte dem Papst dafür, dass "er klargestellt hat, dass in bestimmten Fällen auch Kondome einen wesentlichen Beitrag zum Schutz des Lebens leisten können".

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef erklärte, die nächste Generation könnte ohne Aids aufwachsen, wenn die internationalen Anstrengungen zur Bekämpfung und Behandlung von HIV und Aids jetzt verstärkt würden. "Jeden Tag werden 1.000 Babys mit HIV geboren - diese Zahl sollte bei Null liegen", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland in Köln. Der Schwerpunkt der Hilfe müsse bei den besonders benachteiligten Müttern und Kindern liegen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte, die geringen Finanzierungszusagen der internationalen Gemeinschaft gefährdeten die Behandlung von Menschen in ärmeren Ländern. Der Globale Fonds, wichtigster Geldgeber im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria, habe für die nächsten drei Jahre 11,7 Milliarden Dollar zugesagt bekommen. Notwendig seien jedoch 20 Milliarden (15 Milliarden Euro), betonte Ärzte ohne Grenzen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnte vor einer Ausgrenzung von HIV-Infizierten. Der Weltkirchenrat kritisierte, dass immer noch mehr als 10 Millionen infizierte Menschen keine Behandlung erhielten.

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