Ingo Brüggenjürgen im Gespräch mit Friedhelm Hofmann, Bischof von Würzburg
Ingo Brüggenjürgen im Gespräch mit Friedhelm Hofmann, Bischof von Würzburg

13.09.2010

Bischof Hofmann zum Gespräch der Kirche mit Kulturschaffenden «Vom Theater lernen»

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat die katholische Kirche in Deutschland zu einem engagierteren Gespräch mit dem Theater und mit Kulturschaffenden aufgefordert. Er wünsche sich, dass auch Priester und Bischöfe ins Theater gingen, sagte Hofmann am Wochenende in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Der Bischof, der die Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz leitet, äußerte sich nach einem dreitägigen Werkstattgespräch der Kirche mit Theaterschaffenden im oberschwäbischen Weingarten.

KNA: Bischof Hofmann, Bischöfe und weitere Vertreter der katholischen Kirche haben drei Tage lang mit Theaterleuten gesprochen. Was kann die Kirche bei so einer Begegnung lernen?
Hofmann: Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt: Die Kirche braucht die Kunst. Man könnte diesen Satz fokussieren und sagen: Die Kirche braucht auch das Theater. Es ist Teil des kulturellen Lebens in unserer Zeit. Das Theater und die Kirche haben Schnittmengen. Bei beiden geht es immer um den Menschen. Das Theater versucht, die Lebenssituation der Menschen, oft in Extremsituationen, zu fokussieren. Die Kirche versucht dies ebenfalls, will dann aber auch aufgrund ihrer Sendung mit ihrer Heilsverheißung antworten. Und auch Liturgie und Theater haben gemeinsame Schnittmengen. So sprechen wir von der ars celebrandi, der Kunst des Zelebrierens.

KNA: Wo sind Grenzen der Parallelisierung?
Hofmann: Natürlich ist der Priester kein Schauspieler. Aber er muss die Gestik beherrschen, die Mimik, die Artikulation. Und da kann man eine Menge vom Theater lernen. Beispielsweise, wie man präsent sein kann. Und natürlich gilt für die Liturgen, dass sie glaubwürdig sein müssen. Die Gläubigen haben ein feines Gespür dafür, ob das, was da geschieht, Theater ist, oder ob der Mensch mit seiner Person hinter der Botschaft steht. Der Priester muss den Leuten durch seine Präsenz und Glaubwürdigkeit die Botschaft Christi nahe bringen.

KNA: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten des öfteren Theaterstücke, die kirchlicherseits als Provokation bewertet wurden.
"Der Stellvertreter" in den 60er Jahren oder "Corpus Christi" vor knapp zehn Jahren sind prominente Beispiele. Hat sich etwas verändert, dass nun - wie es nicht nur in Weingarten schien - beide Seiten eher das gemeinsame Gespräch suchen?
Hofmann: Solche Werkstattgespräche führt die Kirche ja schon seit Jahrzehnten. Aber in der Tat: Erst jetzt kam es zum Gespräch mit den Theaterleuten. In den 60er, 70er Jahren war gerade im Theaterbereich eine oft gegen die Kirche gerichtete Grundstimmung zu spüren. Da wurde provoziert und angeklagt. Die Situation hat sich aber in den letzten zehn, 15 Jahren grundlegend verändert. Inzwischen tauchen im gesamten Theaterbetrieb wieder Stücke mit christlichem Sujet auf. Und man kann sagen: Die gemeinsame Sorge von Theaterleuten und Kirche besteht darin, den Menschen dort abzuholen, wo er steht, aber auch Antworten auf die grundlegenden Fragen zu geben. Und da hat sich in der letzten Zeit etwas getan. Jetzt ist ein Kairos da, sich über die gemeinsamen Themen und Herausforderungen, aber natürlich auch über die Unterschiede zu unterhalten.

KNA: Wie wichtig ist es auf kirchlicher Seite, diese Gesprächsfähigkeit aufzubauen oder auch zu bewahren?
Hofmann: Das ist ein sehr wichtiges Thema. Die Kirche ist über Jahrtausende ein Kulturträger. Und die Priester, die Bischöfe und all jene, die in der Kirche tätig sind, sind grundlegend darauf angewiesen, die Fragen der Menschen zu verstehen. Und im Theater versteht man auf eine sehr dichte Weise das, was die Menschen bewegt. Und ich kann nur Antworten geben, wenn ich weiß, was die Menschen tatsächlich bewegt. Mir scheint aber ein Problem zu sein, dass in der Kirche oft Antworten gegeben werden auf Fragen, die gar nicht gestellt werden. Aber es ist so wichtig, dass wir die eigentlichen Fragen der Menschen auch mit in die Liturgie hineinnehmen.

KNA: Wie konkret?
Hofmann: Ich dränge darauf, dass die Theologiestudierenden und insbesondere die Priesteramtskandidaten auch ins Theater gehen, dass sie am Kulturleben teilnehmen, sich kulturellen Grundfragen öffnen.
Dass sie auch mal mit einem Künstler reden und dessen Sichtweise verstehen. Denn es gibt auf beiden Seiten Missverständnisse und Vorbehalte.

KNA: In Würzburg haben Sie in diesem Jahr einen spektakulären "Apokalypse"-Zyklus unter anderem mit Ausstellungen und Theateraufführungen. Wie ist die Resonanz?
Hofmann: Ich bin erstaunt, wie sehr die Menschen diese Angebote wahrnehmen. Zum einen: Es haben sich alle Kulturträger zusammengefunden und das große Thema der Apokalypse aufgegriffen. Das ist schon etwas Großartiges. Zum zweiten: Die Menschen gehen in die Theater, sie gehen in die Kirchen, sie lassen sich auf die performances ein, sie sehen sich die Ausstellungen an. Und das Interesse wächst. Während früher das Thema der Apokalypse nur etwas für Eingeweihte war, weil mit vielen Metaphern, Symbolen und Gleichnissen gearbeitet wird, und es eine regelrechte Scheu vor diesem Thema gab, stelle ich nun fest: Das ist ein Thema unserer Zeit. Und es ist ein Beispiel dafür, dass wir gut beraten sind, unseren Blick nicht klein-klein auf die Alltagsprobleme beschränkt zu lassen, sondern in die Weite hineinzuführen. Das tut uns allen gut.

Christoph Strack

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