15.10.2009

In Aachen tagen zum ersten Mal Dombaumeister aus ganz Europa Patient Bauwerk

Der Aachener Dom gehört in diesen Tagen nicht allein den zahlreichen Touristen, die das alte Gemäuer täglich besuchen. Rund 107 Dombau-, Münsterbau- und Hüttenmeister aus zehn verschiedenen europäischen Ländern streifen durch Schatzkammer und Dachstuhl. Zum ersten Mal in der Geschichte der europäischen Vereinigung Dombaumeister e.V. findet die jährliche Tagung in Aachen statt.

"Am Anfang freut man sich sehr darauf, hinterher hat man einige graue Haare mehr", berichtet Gastgeber, Aachens Dombaumeister Helmut Maintz, schmunzelnd. "Der Gedanke daran, dass wir mit 100 Leuten den Dachstuhl besichtigen, hat mir schon Kopfzerbrechen bereitet." Trotzdem freut er sich genau wie seine Kollegen auf die Tagung, in dessen Mittelpunkt die Geschichte des rund 1.200 Jahre alten Aachener Doms steht. Als erstes deutsches Denkmal wurde der Dom schon 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Mit seinen zahlreichen Bau- und Restaurierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre bildet er ein optimales Anschauungsobjekt für die Mitglieder des Vereins der Dombaumeister. Während der Tagung sind vor allem die aktuellen Arbeiten an Mosaiken und Marmorplatten von Interesse. "Wir können hier zeigen, wie aufwendig es ist, wenn Mosaike quadratmeterweise abgenommen werden müssen", erklärt Maintz. "Unsere Arbeit ist sehr speziell"Den Dombaumeistern geht es bei der Tagung vor allem darum, Erfahrungen auszutauschen. "Unsere Arbeit ist sehr speziell", erklärt die Vorsitzende der Vereinigung, Barbara Schock-Werner. Die Kommunikation untereinander spielt deshalb eine große Rolle. "Wir müssen das Rad nicht überall neu erfinden, Restaurierungsarbeiten ähneln sich natürlich gelegentlich", sagt die Kölner Dombaumeisterin. Trotzdem sind technische Abläufe und wissenschaftliche Neuerungen wichtige Themen, wenn die Experten zu fachsimpeln beginnen.Ausführlich wird diskutiert und analysiert, ob Hightech-Geräte wie spezielle Laser zur Reinigung des alten Gemäuers wirklich halten, was sie versprechen. "Während der eine begeistert ist, kann ein anderer vielleicht auf Schwierigkeiten aufmerksam machen", erklärt Schock-Werner. Skeptisch sind alle besonders sogenannten "Wundermitteln" gegenüber, die aus Alt innerhalb von Sekunden Neu machen sollen. "So etwas gibt es leider nicht", stellt die Kölner Dombaumeisterin fest. Daneben existieren jedoch zahlreiche andere wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich die einzelnen Baumeister zunutze machen. Mittels einer Erdbebensimulation prüften die Aachener und Kölner kürzlich die Standfestigkeit der alten Mauern. "Dabei haben wir mit Hilfe von Schwingungen analysiert, welche Gebäudeteile am ehesten von einem Beben betroffen wären", erklärt Maintz. Zum Glück ist alles relativ stabil. Auch der Kölner Dom hielt der Prüfung stand. "Aber es wird einem schon etwas anders, wenn man dann in der Zeitlupe sieht, wie die Türme langsam hin- und herschwanken", sagt Schock-Werner und lacht. Gratwanderung zwischen Tradition und ModerneDie Arbeit der Dombaumeister ist oft eine Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne. Während einerseits neueste Technologien genutzt werden, herrschen in anderen Bereichen noch mittelalterliche Methoden vor. "Ein Steinmetz arbeitet heute in vielen Bereichen genau wie sein Kollege im 13. Jahrhundert", erklärt Schock-Werner. Die Bewahrung und Weitergabe von Traditionen ist für die Dombaumeister von großer Bedeutung, da viele Bauwerke nur mittels alter Handwerkstechniken authentisch restauriert werden können. Der "Patient Bauwerk" fordere äußerste Sorgfalt und viel Fingerspitzengefühl, so die Dombaumeister.

Inga Kilian