01.08.2009

Der frühere Hildesheimer Bischof Homeyer wird 80 Jahre alt Intellektueller mit Bodenhaftung

Glaube und Vernunft, Ökumene und Soziales, Europa und die Kirche vor
Ort: Nur einige Schlagworte, die mit dem früheren Hildesheimer Bischof Josef Homeyer eng verknüpft sind. Am Samstag wurde Josef Homeyer, einer der profiliertesten deutschen Bischöfe, 80 Jahre alt.

1988 gründete Homeyer das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (fiph), zwölf Jahre lang war er Präsident der europäischen Bischofskommission COMECE, von 1986 bis 2004 leitete er die Sozialkommission der Deutschen Bischofskonferenz, und 21 Jahre lang stand der weißhaarige Mann mit der markanten Hornbrille dem niedersächsischen Bistum vor. Vor gut zwanzig Jahren hatte Homeyer, selbst promovierter Philosoph, die Idee, den Glauben und die moderne Welt von Wissenschaft und Technik zusammenzuführen. Dazu rief er das Forschungsinstitut für Philosophie ins Leben, wo seither beachtliche Beiträge zum Thema geleistet werden. Nicht nur dafür erhielt der gebürtige Ostwestfale 2004 die Niedersächsische Landesmedaille. Auch ist er Träger des Edith-Stein-Preises und Ehrenbürger der Stadt Hildesheim. Und als COMECE-Präsident konnte Homeyer sogar entscheidend über Deutschland hinauswirken. Mit ihm gelang es, einen "regelmäßigen Dialog" der Institutionen der Europäischen Union (EU) mit den Kirchen in den EU-Vertrag einzuschreiben. Auch wenn das Ringen um die Verankerung Gottes im Text vergeblich blieb. In Deutschland hat Homeyer zudem das sozialpolitische Gesicht der katholischen Kirche maßgeblich geprägt. So trägt das Sozialwort der Kirchen von 1997 seine Handschrift. Der Hildesheimer Bischof war stets ein leiser, doch unbequemer Mahner. Sein Denken ist von Karl Rahner und vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) geprägt, er erwies sich als gemäßigter und stets quer denkender Konservativer. Fast visionär klingen heute seine frühen Warnungen vor einer pauschalen Verdammung des Islam, seine Rede vom Ende des Wohlfahrtsstaates und sein Appell an die Eigenverantwortung der Menschen. Verbundenheit mit Hildesheim Geboren wurde Josef Homeyer 1929 im westfälischen Harsewinkel als Sohn eines Bauern. Nach dem Theologie- und Philosophiestudium in Münster und Innsbruck und der Promotion folgte 1958 in Münster die Priesterweihe. Anschließend arbeitete er als Dorfkaplan, Landvolk-Seelsorger und Schulreferent in seinem Heimatbistum. Von 1972 bis 1983 war er Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), zunächst in München, dann in Bonn. Von diesem Managerposten aus wurde er am 13. November 1983 der 69. Bischof von Hildesheim. Zu seinen Verdiensten zählen in seinem Bistum neben der Gründung des fiph die Einberufung einer Diözesansynode, die Neugründung des Benediktinerklosters Marienrode, die Bolivien-Partnerschaft der Diözese sowie die Aktion "Friedensgrund" mit Jugendlichen aus West- und Osteuropa. Freilich hat Homeyer den rund 660.000 Katholiken in der ostniedersächsischen Diaspora in den letzten Monaten seiner Amtszeit auch einiges zugemutet. Die "Eckpunkte 2020" tragen mit radikalen Maßnahmen der akuten Finanznot im Bistum Rechnung. Diesen Kurs hat sein Nachfolger, Bischof Norbert Trelle, fortgeschrieben: Die Entscheidung der Diözese, fast jede fünfte Kirche des Bistums zu schließen, weil für deren Unterhalt schlicht die Mittel fehlten, löste Anfang 2008 teils heftige Proteste aus. Schon Homeyer hatte seine Sparpläne als "die härteste Entscheidung meiner Amtszeit" bezeichnet. Seine Verbundenheit mit Hildesheim dokumentiert der Ostwestfale wiederum aus Anlass seines Geburtstags: Statt persönlicher Geschenke werden die Gäste um eine Spende für den Godehardschrein, einen um 1140 datierten Reliquienschrein im Hildesheimer Dom, gebeten. Und dass der renommierte Rechtsprofessor und ehemalige Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm den Festvortrag über "Einige Asymmetrien der europäischen Integration" hält, spiegelt Homeyers Charakter bestens wider: zwischen Wissenschaft und Heimatverbundenheit.

Sabine Kleyboldt